Fohlen auf Sinsheimer Weide

Allzu sehr sollten sich die Fohlen vom Niederrhein nicht ausgaloppieren auf dem grünen Rasen der Rhein-Neckar-Arena, die wie beim letzten Heimspiel gegen die Bayern restlos ausverkauft ist. Hier und da ein ungestümer Antritt ist okay, etwas Gladbacher Übermut auch – richtig begrüßenswert wäre jedoch heimstarke Ballkontrolle seitens der TSG! Nach der Niederlage in Hamburg gleich dreimal…

Man darf gespannt sein, ob und inwieweit der ungewohnt schwache Auftritt in Hamburg unserer Mannschaft noch in den Trikots steckt. Bisher hatten wir ja erst zweimal Gelegenheit, eine solche Konstellation zu beobachten, und beide Male hat Hoffenheim im darauffolgenden Heimspiel die richtige Antwort gegeben: 4:0 gegen Mainz nach der Niederlage in Leipzig, 2:0 gegen Darmstadt nach der Pleite bei den Wölfen.

Man muss sich zwischendrin einfach mal klarmachen, dass wir bislang überhaupt erst dreimal eine Niederlage zu verarbeiten hatten! Damit liegen wir nur knapp hinter den Bayern, die zweimal verloren haben, und weit vor Leipzig und dem BVB, die beide schon sechsmal besiegt wurden. Hertha und Freiburg, die dahinter auf Platz 5 und 6 der Tabelle liegen, haben bereits sage und schreibe elf Niederlagen auf dem Konto… Geht’s uns gut…

Wenn jetzt Gladbach kommt, sollte man sich aber auf unsere starke Heimbilanz von neun Siegen und fünf Unentschieden nicht allzu sehr verlassen. Die Fohlen haben sich in letzter Zeit in die Nähe der Euro-League-Plätze vorgearbeitet, sie haben in Köln und gegen die Hertha knapp gewonnen und in Frankfurt ein Remis geholt. Der gewandelte Spielstil unter Trainer Hecking trägt demnach Früchte – Gladbach spielt weniger offensivgefährlichen Hurra-Fußball als unter Trainer Schubert, ist darum aber defensiv auch stabiler geworden.

Trotzdem hat die Fohlenelf das Überfall-Gen behalten. Man muss höllisch aufpassen, den schnellen, rotierenden Spitzen nicht zu viel Raum zum Zustechen zu gewähren. Umgekehrt muss man sich in der Regel abmühen, um die Gladbacher Hintermannschaft in Verlegenheit zu bringen. Und bei Standards der Fohlen muss man aufpassen, dass ein bei uns sehr gut bekanntes, ungewöhnlich groß geratenes Fohlen namens Vestergaard nicht aufsteigt und den Ball torpedoähnlich in die Maschen jagt!

Was unserer Mannschaft jedoch sehr entgegenkommt, ist die grundsätzlich offene Spielweise von Gladbach. Wenn die Fohlen defensiv auftreten, gehört ein bei uns ebenfalls bestens bekannter Spieler namens Strobl dazu, aber weder mauern sie sich mit ihren zwei Viererketten ein, noch praktizieren sie jenes extreme Pressing der Rangnick-Schule, das spielfreudige Mannschaften wie unsere mit hohem Anlaufen, Doppeln und Zweikampfhärte aus dem Tritt bringen kann, aber auch junge Spieler früh zu verheizen droht.

Gladbach sucht stattdessen gesunde, spielerische Lösungen: wie wir auch. Und das bedeutet, dass wir einem richtig guten, interessanten Fußballspiel entgegensehen, mit schönen Ballstaffetten, etlichen Flanken und Torschüssen, taktischen Finessen und viel Tempo am Ball. Was wir nicht sehen werden, ist das von Rangnick- oder Klopp-Teams praktizierte Tempo ohne Ball, also das permanente Zusprinten offener Räume, die gnadenlose Jagd auf den zweiten Ball, den physischen Overkill…

Die Fohlen werden trotzdem versuchen, unseren Spielfluss zu unterbinden, und müssen uns dazu hoch anlaufen – aber vergleichsweise fair! Denn Gladbach liegt bei den verübten Fouls am unteren Ende der Fairness-Tabelle und hat mit gerade mal zwei gelb-roten Karten nach zwei Dritteln der Saison eine geradezu blütenreine Weste. In Sachen Torschüsse liegt Gladbach weit hinter uns, in Sachen Ballbesitz ist der Unterschied weniger groß. Was heißt, dass die Fohlen den Balltransport in die Spitze deutlich weniger effizient betreiben als wir. Das lässt doch hoffen!

Auffällig ist, dass die Fohlen zwei Drittel ihrer Eckbälle von rechts treten, in ähnlicher Quote öfter von dort flanken und folglich diese Angriffsseite klar bevorzugen. Für Zuber bedeutet das Schwerstarbeit vor und zurück, doch wird er sich vor der Arbeit nicht drücken: Trainer Nagelsmann lobte auf der letzten Pressekonferenz ausdrücklich seinen Fleiß. Man darf gespannt sein, wer auf der Gegenseite für Hoffenheim aufläuft: Kaderabek wäre großartig, aber was ist mit seinem Rücken? Wie geht es Toljan? Und die Frage aller Fragen: Wie ist es um unser Mittelfeld bestellt? Sind Demirbay und Amiri ganz fit? Hat Rupp den Rhythmus wiedergefunden? Auf Gladbacher Seite sind Stindl und Raffael fraglich…

Mit der Niederlage in Hamburg ist die anstehende Partie gegen Gladbach nochmal spannender, auch weil Dortmund die Eintracht aus Frankfurt empfängt. Man weiß nicht, ob der BVB nach dem Anschlag wieder in Form ist; trotzdem sichert nur ein Heimsieg uns den Vorsprung auf die Schwarzgelben. Aber es ist sowieso und unmittelbar vor Ostern allemal zu wünschen, dass der Osterhase allein im Gladbacher Tor-Nest Ostereier ablegt… Und damit das auch klappt: Auf geht’s, Hoffe, Heimbilanz ausbauen! Kämpfen und siegen!

Zur Unterstützung herangezogen wurden Informationen von:
kicker.de – ran.de/datenbank

Fotos:
Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

Deine Meinung zum Artikel:
Alexander H. Gusovius