Fußballkonzert an der Elbphilharmonie?

Hamburg hat eine neue Sehenswürdigkeit. Nein, der HSV ist es nicht, wenigstens noch nicht, auch wenn mit Markus Gisdol und Bernhard Peters bereits zwei Hoffenheimer Gene in die überkommenen Strukturen des Hamburger Traditionsclubs implantiert worden sind. Ach ja, einen Mäzen haben sie dort auch. Wie sich die Bilder gleichen, ohne sich zu ähneln!

Die neue Sehenswürdigkeit an bzw. in der Elbe ist natürlich die Elbphilharmonie, wo in schönem Ambiente und hafenauthentischer Umgebung feinste klassische Konzerte geboten werden sollen. Im Prinzip jedenfalls. Das Problem der Elbphilharmonie ist nämlich, dass sie über kein eigenes Orchester verfügt, das den Spitzenort spitzenmäßig bespielen könnte, so dass erstmal das eher mittelmäßige NDR-Orchester dafür herhalten muss und ansonsten Gastspiele gegeben werden, die es anderswo auch gibt. Beim Eröffnungskonzert bekamen feinere Gemüter mindestens phasenweise ein ziemliches Geschrummel auf die Ohren. Hamburger Verhältnisse…

Aber einem egal wie zur Euphorie entschlossenen Publikum macht sowas nichts aus – man feiert dann halt den Ort des Geschehens, ganz doll auch sich selbst und weniger das eigentliche Geschehen. Das alles ist beim HSV letztlich nicht viel anders: Lokaltradition verpflichtet! Und so macht man sich in Hamburg nach zuletzt einer Niederlage in Dortmund, einem Sieg gegen Köln, einem Remis in Frankfurt, einem Sieg über Gladbach, einem Sieg über die Hertha und davor der 8:0-Niederlage in München schon wieder euphorische Gedanken darüber, dass der HSV großartigen Fußball spielt und dem Abstiegskampf so gut wie entronnen ist.

Mit gerademal einem Pünktchen Abstand auf den Relegationsplatz sind das vielleicht beflügelnde, aber auch gefährliche Phantasien, die dazu einladen, drei Punkte aus der Hansestadt zu entführen. Nur dass der nächste Gegner (also wir) aufpassen muss, nicht genauso phantastisch unterwegs zu sein. Denn so ein Sieg über die Bayern birgt die Gefahr, im nächsten Spiel vor lauter Stolz und Selbstverliebtheit kaum noch laufen zu können. Das ist schon vielen Bayernbesiegern so gegangen!

Kevin Vogt weiß um die Gefahr, glaubt aber nicht, dass unsere und seine Mannschaft noch einmal ähnlich lau (wie gegen Wolfsburg!) in ein Spiel gehen wird. Bestimmt hat er damit recht, und Julian Nagelsmann wird in den paar Tagen Vorbereitung sicher auch alles dafür tun, dass Hoffenheim den wunderbaren Sieg über die Bayern in Hamburg nicht lax verwaltet, sondern im Sinne des Erreichten energisch weiter ausgestaltet.

Womit bekommen wir es im Volksparkstadion eigentlich zu tun? Der HSV ist ja nicht mehr derselbe wie im Hinspiel, er hat das Gisdol’sche Pressen und Umschalten inzwischen völlig verinnerlicht und wird unserer Mannschaft viel läuferischen Einsatz abverlangen. Hamburg wird früh angreifen und das TSG-Ballbesitzspiel bereits in unserer Hälfte empfindlich stören. Es wird nicht einfach sein, sich der anhaltenden Hamburger Nadelstiche dort zu erwehren – die Partie wird demnach davon bestimmt sein, wie gut es gelingt, die Zone vor dem Mittelkreis zu überspielen.

Wenn wir den Ball jedoch sauber übers Mittelfeld hinaustragen, winkt reicher Lohn: Hamburg hat ein lamentables Torverhältnis von 26:50 und wird bei dieser schlechten Quote nur noch von Darmstadt unterboten. Die Defensive ist also die Problemzone des HSV. Gleichzeitig erweist sich der HSV als ziemlich robust bzw. liegt er auf Platz 3 der Kartensünder und belegt Platz 1 in der Foul-Statistik. Das sind Werte, die allein klarmachen, dass die Partie kein Spaziergang wird. Mit einem edlen Konzert à la Elbphilharmonie sollte man nicht rechnen, eher mit Hamburger Fischmarktverhältnissen!

Alles in allem müssten wir das Spiel jedoch gewinnen können. Unsere Mannschaft weiß um die Gunst der Stunde und möchte den hart erarbeiteten Sonnenplatz in der Tabelle unbedingt behalten. Es sind nur noch sieben Spiele zu absolvieren, da hat jedes einzelne großen Einfluss auf das Abschlussbild der Tabelle im Mai. Hier ein Wackler, dort ein bisschen zu viel Selbstzufriedenheit: darauf warten Leipzig und Dortmund nur! Aber dazu wird es nicht kommen…

Auf geht’s Hoffe, kämpfen und siegen!

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Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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