Kräftemessen mit den Bayern

Am Dienstagabend steht in Sinsheim endlich auch der mutmaßliche neue Deutsche Meister auf dem Programmzettel: Hoffenheim empfängt zur Krönung einer bisher schon sehr erfolgreichen Saison die Bayern! Es ist nur die Frage, wer da unter Flutlicht gekrönt wird… Die Startruppe von der Isar, zu der sich bald auch Süle und Rudy zählen werden? Oder krönt die TSG sich selbst und untermauert vielleicht mit einem Sieg, dem ersten gegen die Bayern überhaupt, ihre gewachsenen Ambitionen?

Klar ist jedenfalls, dass dieses Aufeinandertreffen passender nicht sein kann. Die Bayern, nach einem fulminanten Auftakt eher schleppend in die Saison gestartet, haben den Weggang von Guardiola und die Prägung durch Ancelotti innerlich und äußerlich vollzogen. Sie haben den Habitus einer wie geölt laufenden Nähmaschine abgestreift und interpretieren das Spielfeld inzwischen wieder viel freier, bestechen durch Überraschungsmomente und kontrollieren den Gegner dennoch fast so fehlerfrei wie unter Guardiola.

Hoffenheim wiederum hat sich im Laufe der Saison einer gewissen Unberechenbarkeit sich selbst gegenüber entledigt und spielerisch sehr stabilisiert, ohne aber für den Gegner ausrechenbar zu sein. Zwar liegt das kreative TSG-Grundsystem klar auf der Hand (Dreier- bzw. Fünferkette mit Vogt als kreativem Kopf, mit Rudy als kreativem Sechser davor, mit Demirbay und Amiri im kreativen Mittelfeld und mit Wagner plus Kramaric oder Uth oder Terrazzino oder Szalai davor), aber Trainer Nagelsmann überrascht stets von Neuem durch gegnerangepasste Systemvarianten wie zuletzt in Berlin, als er offensiv auf die Dreier-Innenabwehr setzte und defensiv eine Viererkette bilden ließ, mit Vogt als Wellenbrecher und Spieleröffner davor.

Beide Teams agieren also im Moment auf dem bisherigen Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit – und genau das macht die Partie so interessant. Flutlicht und ein volles Haus tun ein Übriges, um eine erstklassige Stimmung und ein herausragendes sportliches Ereignis zu erwarten. Imgrunde ist die Partie so etwas wie eine Vorausspiegelung der in der nächsten Saison ziemlich sicher anstehenden Spiele im europäischen Wettbewerb.

Das Schöne ist, dass man sich als Fan der TSG ganz ruhig zurücklehnen kann und nach den beiden zuletzt gewonnenen Spielen auch bei einer Niederlage nicht besorgt werden muss. Gegen die Bayern kann man, darf man sowieso verlieren. Aber mit dem 8-Punkte-Polster auf die Hertha schaut man einer so besonderen Begegnung nunmal viel gelassener zu – ohne dass es gelingen wird, auch nur im Ansatz gelassen zu sein, natürlich nicht. Es kribbelt vor diesem Spiel wie selten, es ist einfach das Highlight der Saison, und man ist mehr als neugierig, wie sich das Team von Nagelsmann schlagen wird, wenn der Serienmeister hier antritt.

Personell schöpft Julian Nagelsmann aus dem Vollen und kann nahezu jede Variante im heimischen Badezimmer durchspielen, wo er laut eigener Aussage nunmal die besten Ideen gebiert. Die Bayern müssen dagegen immer noch auf Torhüter Neuer verzichten. Ersatzmann Ulreich, der seit Kurzem Signale setzt, doch wieder mehr spielen, also den Verein wechseln zu wollen, darf wie schon in Augsburg zeigen, was er (noch) draufhat. Sein Problem ist vorhersehbar, weil er egal wie im Schatten von Manuel Neuer aufläuft und großes Risiko geht, dessen überdimensionalen Schattenwurf selbst nur durch kleinere Unzulänglichkeiten massiv zu bestätigen.

In Augsburg hat Ulreich am Samstag nichts zu tun gehabt, seine Vorderleute haben das Spiel im Alleingang erledigt und einfach mal 6:0 gewonnen. Darauf ergibt sich für Hoffenheim ein doppelter Vorteil: Einerseits reisen die Bayern nach so vielen Toren, nahezu mühelos erzielt, mannschaftlich satt an, andererseits steht Ulreich nach der Augsburger Tatenlosigkeit vor einer derart eklatanten Bewährungsprobe, dass selbst gestandenere Profis als er von so etwas nervös werden könnten. Ein Patzer, ein Fehlgriff – und sein Nervenkostüm wird löchrig wie ein Schweizer Käse.

Aber darauf wird unsere TSG nicht setzen. Sie wird versuchen, auch die großen Bayern mit den bewährten Mitteln routinierter Ballkontrolle ratlos zu spielen und substantiell zu entkernen. Sie wird versuchen, unsere vielen potentiellen Torschützen in gefährliche Angriffssituationen zu bringen. Sie wird also faszinierenderweise versuchen, die Bayern mit bayerntypischen Mitteln zu schlagen. Spannender geht’s nicht… Und deshalb: Auf geht’s, Hoffe, einfach weitermachen! Und bitte siegen!!!

Zur Unterstützung herangezogen wurden Informationen von:
kicker.de

Fotos:
Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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