Korkuts Werkself

Am Samstag gibt es zwei Wiederbegegnungen, vielleicht drei: Volland, Korkut, Kießling. Letzterer, unser spezieller Freund, zählt aber nicht mehr zum Stammpersonal und war unter der Woche nicht mal mit in Madrid (weshalb wir das Kopfballungeheuer hier, ein letztes Mal, umso öfter zeigen). Korkut wiederum kennen wir als einstigen Trainer von Hannover und als Gisdol-Freund, der bislang wenig Erfolg gehabt hat im Profifußball. Es ist wahrscheinlich, dass er in Leverkusen als Nachfolger des zuletzt glücklosen Roger Schmidt nur den Übergang gestalten wird zu einem aussichtsreicheren Trainer.

Kevin Volland wiederum hatte im Hinspiel seinen ersten Auftritt gegen die früheren Sportkameraden gründlich in den Sand gesetzt. Kaum fünf Minuten waren gespielt, als er den rechts durchbrechenden Demirbay übermotiviert abzulaufen versuchte und zu Fall brachte. Damit war die Partie, weil Volland für sein Foul die rote Karte sah, schon sehr früh zugunsten von Hoffenheim entschieden (http://hoffenheimblog.de/2016/10/24/reifepruefung-in-leverkusen/). Doch auch sonst hat Volland eine ziemlich gebrauchte Saison erwischt. Ein Wechsel zu einem ambitionierten Verein ist es zwar geworden, aber der erwartete mannschaftliche Erfolg blieb aus. Dabei hatte man sich in Leverkusen vor der Saison noch den besten Kader aller Zeiten attestiert – und lag damit gar nicht mal falsch, obwohl der bisherige Saisonverlauf das Gegenteil zu beweisen scheint.

Beim 1:1 gegen Bremen letzten Freitag wurde deutlich, warum der Kader einerseits großartig ist und andererseits schwächelt. Mit Chicharito, Bellarabi, Kampl, Volland und Brand waren gleich fünf ebenso talentierte wie eigensinnige Spieler im Leverkusener Leibchen aufgelaufen, die allesamt dazu tendieren, brillante Auftritte hinlegen zu wollen. Und Calhanoglu, der nicht dabei war, gehört in dieselbe Kategorie. Dass unter so vielen Ego-Shootern das Mannschaftgefüge leidet und der Erfolg ausbleibt, muss nicht Wunder nehmen… Vielleicht verfügt Leverkusen also wirklich über den besten Kader von Einzelspielern aller Zeiten, aber keinesfalls über den best-zusammengestellten Kader, was die Entfaltung der prinzipiell vorhandenen Möglichkeiten stark einschränkt. Und daran ist Trainer Schmidt, der mit sehr viel Pressing Leverkusen eine neue Spielkultur verordnet hatte, ebenso gescheitert wie an der übergestülpten Umschaltidee.

Jetzt hält Korkut die Zügel in der Hand – nur ist genau das die Frage: ob er die Zügel wirklich in der Hand hält… Kriegt er den Eigensinn seiner Stars unter Kontrolle? Mindestens dürfte es schwer werden, sie auf mannschaftsdienliches Pressen oder Ballbesitz ohne Mätzchen hin einzustellen. Am Mittwochabend gegen Atletico Madrid sah das Leverkusener Spiel immerhin ganz gefällig aus, doch Werder Bremen hat sich ein paar Tage zuvor mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung verdient einen Punkt gegen die massiv verunsicherte Werkself erkämpfen können. Deren Nervenkostüm dürfte von der Partie in der Champions-League kaum belastbarer geworden sein. Kommt hinzu, dass Leverkusen das Mittwochspiel auch konditionell noch in den Knochen haben wird, wenn es samstagnachmittags gegen Hoffenheim geht!

Und wie sieht es bei uns aus? Vogt wird wegen der fünften gelben Karte im letzten Spiel schmerzlich vermisst und dürfte durch Bicakcic ersetzt werden, wobei dann Süle oder Hübner in die Mitte rücken würden. Oder wir erleben die Wiederauferstehung der Viererkette. Schär trainiert wieder, Rupp auch, ihr Einsatz käme aber wohl zu früh. Ansonsten fehlen weiter Uth und Kaderabek, so dass wohl Toljan rechts und Zuber links halb defensiv, halb offensiv auflaufen werden. Vorn, vor Rudy, Amiri und Demirbay, dürfte Kramaric gesetzt sein, während Wagner vielleicht zum ersten Mal die Bank drücken könnte. Auf der launigen Pressekonferenz vor dem Spiel, bei der auch viele Hoffi-Club-Kinder ihre Fragen stellen durften, tauchte die Frage nach Wagners durchwachsener Form immerhin schon auf.

Was wir – vor ausverkauftem Haus! – garantiert nicht sehen werden, ist ein Leverkusener Abwehrbollwerk. Das heißt, man darf sicher mit einem schnellen Spiel übers gesamte Feld rechnen, mit viel Spannung auf beiden Seiten – wobei man aufpassen muss, dass die brillanten Einzelspieler der Werkself nicht auf einmal doch herausfinden, wie man miteinander erfolgreicheren Fußball praktiziert. Damit das nicht geschieht, sollte die Marschrichtung am Samstag vermutlich lauten: Auf geht’s, Hoffe, Ballkontrolle ausüben! Und natürlich siegen!

Zur Unterstützung herangezogen wurden Informationen von:
kicker.de

Fotos:
Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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