Nord-Süd-Gipfel in Baden

Wer hätte das gedacht! Dass so ein Duell Freiburg-Hoffenheim, also des Aufsteigers gegen den Fast-Absteiger der letzten Saison, zwischen dem aktuell Vierten und Achten der Tabelle geführt werden könnte. Wohlgemerkt in der Rückrunde, nach zwei Dritteln der Saison: zu einem Zeitpunkt, da der Tabellenstand echten Aussagewert hat…

Das Spiel ist infolgedessen ein Kracher. Auch deshalb, weil Freiburg und Hoffenheim beide exzellent angreifen und verteidigen. Man mag Trainer Streich ja finden, wie man will, besonders seine etwas penetrante Unschuld-vom-Lande-Masche, aber er hat es wieder mal geschafft, das Maximum aus den bekannt bescheidenen Breisgau-Mitteln herauszuholen. Niemand braucht sein Geschrei und sein wildes Gestikulieren am Spielfeldrand, oft genug in Richtung gegnerischer Trainerbank – doch die Liga braucht solche Teams in Spiellaune wie Freiburg.

Zum Ärger der Freiburger wird das wenig gedankt. Stattdessen bedient sich die finanziell stärkere Konkurrenz allzu gern aus ihrem Kader und betrachtet Freiburg als willkommenes Farmteam, in dem die Talente gedeihen wie Kälber auf saftigen Schwarzwaldwiesen. Nur ist auch das wieder eine jener Freiburger Unschuld-vom-Lande-Legenden… Andere kennen das Problem genauso gut, nur mal zum Beispiel hier ein paar TSG-Namen: Eduardo, Gustavo, Ba, Sigurdsson, Johnson, Vestergaard, Firmino, Volland, Strobl, Rudy, Süle! Und außer Madrid, Barcelona, Paris, den Bayern und ein paar englischen Klubs sind alle Vereine mehr oder weniger davon geplagt, dass sie ihre Besten über kurz oder lang an zahlungskräftigere Orte abgeben müssen.

Damit muss man – und davon kann man ganz gut leben. Freiburg ebenso. Im Übrigen kommt man umgekehrt an exzellente Spieler, die sich andernorts wegen Talent-Überangebots nicht durchsetzen, wie wir im Fall von Kramaric und Freiburg im Fall von Grifo, der bei unserem damaligen Trainer keine Wertschätzung erfuhr und im Breisgau zu einem Big Player wurde. Mit ihm muss man auch am kommenden Wochenende rechnen, seine Standards sind eine Marke geworden, seine Regie im Mittelfeld birgt Gefahr – und gegen seinen ehemaligen Klub brennt er gleich dreimal vor Ehrgeiz!

Hoffenheim hat seit 2009 nicht mehr in Freiburg gewonnen. Das kleinste Spielfeld der Liga macht uns regelmäßig zu schaffen. Die Freiburger mit ihrem hohen Pressing profitieren wiederum davon, dass die Räume enger und die Laufwege kürzer sind. Und sie sind an die beengten Verhältnisse schlicht und einfach gewöhnt. Also werden sie auch diesmal alles daran setzen, Hoffenheim gar nicht erst zur Entfaltung kommen zu lassen und ihrerseits mit pfeilschnellen Kontern die nächsten drei Punkte einzuheimsen.

Gottseidank spielt Freiburg vergleichsweise fair, wie die Statistik dieser Saison beweist, die vor allem auch endlich mal aussagekräftig ist, weil es beiderseits zu keinem Wechsel im Traineramt kam. Der Wettbewerb wird also eher sportlich ausgetragen werden. Dabei geht Freiburg durchaus gern in die Zweikämpfe, was auch der Spielidee geschuldet ist, ohne eben ähnlich derb aufzutreten wie etwa Frankfurt. Wie maßvoll und kontrolliert die Offensive von Freiburg agiert, zeigen die Abseitszahlen, bei denen Freiburg den geringsten Wert aller 18 Erstliga-Vereine aufweist.

Worauf kommt es an in diesem Spiel, wenn man (natürlich!) in Freiburg gewinnen will? Eigentlich ist es ganz simpel: Tore verhindern und Tore schießen! Denn Freiburg hat bislang 40 Treffer kassiert, das ist der viertschlechteste Ligawert. Und steht mit 30 geschossenen Toren ganz gut da. Die Defensive ist daher die Achillesferse der Breisgauer, so dass, wenn man das konzentrierte Pressing überwindet, mit ausreichend Torchancen zu rechnen ist, mit denen man nur nicht allzu großzügig umgehen sollte.

Und wie schaltet man die Pressing-Maschine aus? Die TSG muss das Spiel breit machen, über die Flanken arbeiten und erst im letzten Moment in die Schnittstellen spielen oder in die Mitte ziehen – bzw. wahlweise mit langen Bällen operieren. Dann klappt das, selbst wenn Uth und Kaderabek weiter fehlen, mit dem badischen Nachbarn! Der auch ein bisschen satt sein wird, weil er am letzten Wochenende Frankfurt besiegt hat und damit über dem Soll ist. Also Ruhe und Geduld aufbringen, Hoffe, und kämpfen und siegen!

Zur Unterstützung herangezogen wurden Informationen von:
kicker.de – ran.de/datenbank – fussballdaten.de

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

Deine Meinung zum Artikel:
Alexander H. Gusovius