Walpurgis mal nachmittags

Ingolstadt ist leider nicht mehr der pflegeleichte Gegner aus dem Hinspiel. Nach dem Fortgang von Hasenhüttl Richtung Leipzig hatte zuerst Kauczinski das Kommando der Schanzer übernommen, ohne seine Karlsruher Erfolgsgeschichte in Ingolstadt fortschreiben zu können. Im November zog dann der Verein die Reißleine und installierte Maik Walpurgis als neuen Cheftrainer. Und seither zeigt die Mannschaft ein anderes Gesicht.

Der rothaarige Riese mit seinem halb gemütlichen, halb glühenden Naturell, der dem starken Namen Walpurgis nicht nur sportlich Ehre macht, gehört zu den großen Überraschungen der Liga. Aus einer orientierungslosen Mannschaft hat er ein geschlossen um den Ex-Hoffenheimer Pascal Groß agierendes Team geformt, das es mit jedem Gegner aufnimmt. Zuletzt verloren die Schanzer zwar daheim gegen die wiedererstarkten Fohlen vom Niederrhein, ebenso gegen die Bayern und Hertha BSC, gewannen dafür aber in Frankfurt und besiegten Leipzig, Hamburg und Leverkusen, während sie gegen Schalke und Freiburg wiederum den Kürzeren zogen.

Mit inzwischen 18 Punkten hat sich Ingolstadt wieder in Schlagweite zu den Nichtabstiegsrängen gebracht und wird alles daransetzen, am Samstag in Sinsheim nicht zu verlieren. Mit disziplinierter Abwehr und steter Kontergefahr muss die TSG in jedem Fall rechnen. Und so wäre es geradezu fahrlässig, davon auszugehen, Ingolstadt einfach mal aus dem Stadion spielen zu können und die drei Punkte im kreativen Schongang einzuheimsen.

Im Gegenteil: Unsere Mannschaft wird viel dafür tun müssen, um zu gewinnen. Sie wird zielstrebiger sein müssen als zuletzt, sie wird aus ihrem großartigen Ballbesitzfußball in Abwehr und Mittelfeld geradlinigere Angriffe folgen lassen müssen. Hier und dort ein Schlenker zu viel, ein Trick jenseits des Notwendigen – und schon haben die Schanzer den Gegenweg eingeschlagen und Gefahr vor unser Tor gebracht.

Die größte Gefahr dieses Spiels liegt darin, dass imgrunde jeder von einer Niederlage der Schanzer ausgeht, nur sie selber nicht – was das Überraschungsmoment auf ihre Seite bringt. In Sachen Torschüsse rangiert Ingolstadt bspw. hinter Hoffenheim auf Platz 7, wobei sie viel mit Flanken agieren und deutlich häufiger über die rechte als die linke Seite angreifen. Bei der Heimniederlage gegen Gladbach letztes Wochenende war infolgedessen auch Pech dabei. Besonders in der ersten Halbzeit sahen die Schanzer keinesfalls wie ein klarer Verlierer aus – und lagen erst ab der 60. Minute durch Stindls umstrittenes Hand-Tor hinten. Wirklich besiegelt wurde die Niederlage sogar erst in der Nachspielzeit durch Hahns spätes 0:2.

Mit wem man am Samstag in Sinsheim zu rechnen hat, erschließt sich am besten durch den direkten Vergleich einiger wichtiger Spieldaten gegen Gladbach. Das Verhältnis der Torschüsse lag bei respektablen 14:10, das der gespielten Pässe bei erstaunlichen 455:429 (davon angekommene Pässe 348:316 und Fehlpässe 107:113, was einer Passquote von 76%:74% entsprach). Auch beim Ballbesitz machte sich Ingolstadt nicht klein, hier lag das Verhältnis bei 52%:48%, die Zweikampfquote war mit 50%:50% ausgeglichen. Die Schanzer wurden 14-mal gefoult, foulten selber nur 10-mal und hatten 2:4 Abseitsstellungen und 6:4 Eckbälle vorzuweisen.

Alles in allem lag der Gladbacher Sieg mitnichten auf der Hand, das kann bei uns ähnlich aussehen. Trainer Walpurgis, der die Willensstärke der Schanzer verkörpert, wird seine Mannschaft darauf ausrichten, zunächst ihr Tor sauber zu halten und dann nach Möglichkeit sogar auf Sieg zu spielen. Machen wir uns also auf eine spannende Parte gefasst! In der es für uns aber trotzdem nur um eines geht, um die nächsten drei Punkte: Auf geht’s, Hoffe, kämpfen und siegen!

Zur Unterstützung herangezogen wurden Informationen von:
kicker.de / ran.de

Fotos:
Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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