Gegen die Dortmund-Bezwinger

Darmstadt, die Stadt der Lilien, schaut bei uns vorbei! Aber nicht als Drei-Punkte-Lieferando, sondern als eine Art Siegfried, der den Drachen aus Dortmund heldenhaft niederkämpfte. Was ganz gut passt, weil Darmstadt ja zu Füßen des Odenwalds liegt, der von der Nibelungenstraße quer durchschnitten wird. Diese Heldenstraße hat man aber erst vor knapp 200 Jahren erfunden, als Verbindung zwischen Würzburg und Worms. Inzwischen dient der Name mehr zur Ankurbelung des Tourismus – es gibt überall Reminiszenzen an die gleichnamige Saga zu besuchen. Schließlich gilt der Odenwald als Jagdrevier der Nibelungenkönige, so dass man dort viele Anknüpfungspunkte schaffen konnte.

Sinsheim dagegen ist ein Ort des – mindestens so heroischen! – Aufbegehrens, des Widerstands, der revolutionären Freiheit von 1848, und auch durch Sinsheim hindurch führt ein namhafter Fahrweg: die sogenannte Straße der Demokratie! Die ist zwar ebenfalls eher eine touristische Idee und reicht etwas konturlos von Frankfurt bis Lörrach, doch ist wohl klar, dass eine neuheitliche Demokratie-Route dem gewundenen Verlauf der altvorderen Sagenstraße in jeder Hinsicht überlegen ist. Neuzeit schlägt Mittelalter, Game of Thrones unterliegt Jack Bauer! Da hilft es auch nichts, dass Ex-Präsident Obama dem SV Darmstadt, warum auch immer, als einzigem europäischem Klub anscheinend per Twitter folgt…

Und mit Siegesgewissheiten ist es so eine Sache: je größer sie sind, desto mehr muss man sich vorsehen… Das Gewundene, Mühsame einer Mittelgebirgsdurchquerung, das zur Charakterisierung des Darmstädter Fußballs wie geschaffen scheint, wird dem autobahn- und bundestraßentypischen Fußball der TSG viel abverlangen. Eine problemlose Vollgasfahrt ist wohl nicht zu erwarten. Vielmehr, heißt es übereinstimmend, seien die Lilien eklig zu bespielen – was am sattsam bekannten Darmstädter Verhinderungsfußball liegt, aber auch an ihrem viel besser strukturierten Konterfußball, seit Trainer Frings dort das Sagen hat.

Drei Punkte sollten trotzdem drin sein – bzw. sind sie Pflicht! Denn auswärts kriegen die Heiner, wie sich die Lilien außerdem nennen, bisher so gar nichts gebacken, und daran soll sich auch nichts ändern. Keinen einzigen Punkt haben die Heiner in dieser Saison auswärts ergattert und sich bei 4:22 Toren somit als äußerst willfährig erwiesen. Nach dem Willenssieg über den BVB, der diese Saison einige Probleme hat (nicht nur mit seinem Publikum), aber deswegen noch lange kein Papiertiger ist, muss man jedoch damit rechnen, dass die Heiner am schlechten Auswärtsprofil dringend etwas ändern möchten.

Und deshalb werden sie noch motivierter, noch lustvoller, noch lauffreudiger und zweikampfhärter ins Rennen gehen. Und wir müssen schauen, dass wir wieder konzentrierter bei der Sache sind als zuletzt in Wolfsburg, wo uns die letzte innere und äußere Überzeugungskraft abhandenkam, als die Wölfe nicht mehr nur knurrten, sondern zu beißen begannen. Zur Vorbeugung haben wir glücklicherweise einen intimen Kenner der Darmstädter Szene wieder an Bord: Sandro Wagner!

Im Grunde genommen hatte Wagner die Lilien mit seinen Toren beinahe im Alleingang in der Liga gehalten, aus der sie aber diesmal, denkt jeder, ganz sicher absteigen werden. Wäre da nicht der fabulöse Sieg über Dortmund, der uns als Hoffenheimern einerseits natürlich sehr gut gefällt, aber andererseits auch gerade rechtzeitig als Weckruf dienen kann, um etwas weniger der Eleganz des schönen Spiels und wieder mehr auch dem Kraftmix aus Konzentration und bissigem Einsatz zu vertrauen.

Wagner wird die Mannschaft klar darauf einstellen helfen, Julian Nagelsmann das passende Konzept dafür finden. Und die Mannschaft wird nach der völlig unnötigen Niederlage in Wolfsburg alles daran setzen, sich nicht erneut um die Früchte der Hinrunde zu spielen. Aber man muss wirklich aufpassen und alles geben! Weshalb die Betonung beim Schlussappell diesmal auf ‚kämpfen‘ liegt. Denn dann kommt der Rest, kommt das gute Ende fast von allein: Auf geht’s, Hoffe, kämpfen… und siegen!

Zur Unterstützung herangezogen wurden Informationen von: kicker.de

Fotos:
Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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Alexander H. Gusovius