Die Liga spielt verrückt…

Oder: Unten teils hui, oben meist pfui. Beziehungsweise: Schwaches Auftreten der ersten sieben Vereine, inklusive Bayerndusel, plus einige starke Auftritte am Tabellenende! Anders gesagt: Sieg der Bayern in allerletzter Minute, Niederlagen in Serie der sonstigen Favoriten, mächtiges Aufbegehren einiger Tabellenkinder!

Bei den Tabellenrängen 1 bis 7 hat sich dadurch insgesamt natürlich keine Veränderung ergeben, während im Untergeschoss der Tabelle Mainz, Darmstadt, Wolfsburg und der HSV ihre Situation ein Stück weit verbessern konnten. Zuerst mal der HSV: Leipzig sensationell in die Knie gezwungen! Dann Darmstadt: Dortmund grandios geputzt! Mainz am Freitag: Augsburg klar besiegt… Und was war nochmal mit den Wölfen? Jaja, schon klar, die haben gegen uns gespielt und ebenfalls gewonnen…

Aber wie konnte das passieren? Genau dieselbe Frage stellten sich samstagabends vermutlich auch die Verantwortlichen und Fans in Leipzig, Frankfurt, Dortmund und Berlin, die allesamt an schwer verdaulichen Ergebnissen zu kauen hatten und sicher mit Magenschmerzen auf den Sonntag schauten, der für Hoffenheim und Köln ein besonderer Feiertag werden konnte! Und was war das umgekehrt für ein mitreißender Fußball-Samstag aus Hoffenheimer Sicht, als die Ergebnisse sich am Fernseher konkretisierten und klar wurde, dass wir am Sonntag mit einem Sieg in Wolfsburg auf Platz 3 der Tabelle hüpfen würden, und zwar mit Abstand!

Vielleicht lag genau da das Problem! Zu wissen, welcher feine Tabellenrang winkte. Nur am Sonntag grad nochmal so gut spielen, wie man das nachgewiesenermaßen kann, und schon den Lohn einfahren… So oder so ähnlich wird sich das in den Köpfen unserer Mannschaft wohl abgespielt haben – nicht jedoch auf dem Rasen! Und in Köln stand man vor demselben Problem. Nachdem wir verloren hatten, stand auf einmal für den Effzeh die Tür zu Platz 3 weit offen. Hindurchmarschiert aber sind die Freiburger, die sich damit in Schlagweite zu den europäischen Plätzen bewegten.

Und was hat sich auf dem grünen Rasen nun genau abgespielt? Hoffenheim begann so souverän, wie es der zurückliegenden Saison entsprach, und dominierte die nur in den allerersten Minuten noch nervös dagegen haltenden Wölfe. Eindrucksvolle Ballstaffetten von hinten heraus führten zur Beherrschung auch des Mittelfelds, sodass Wolfsburg fast nur noch mit langen Bällen nach vorn operierte, die leicht zu kontrollieren waren. In der 26. Minute nutzte dann Demirbay die Dominanz im Mittelfeld zu einem kleinen Solo-Lauf mit schönem Pass auf den links mitlaufenden Zuber, der sofort draufhielt und einnetzte.

Ja, das lief gut und war wunderschön anzuschauen gewesen – dachten sich wohl auch unsere Spieler und wollten im Folgenden weitere herrliche Spielzüge vors und ins Tor bringen. Doch zum einen fehlte seit der 23. Minute Uth, der zweimal harten Gegnerkontakt hatte und mit Verdacht auf Rippenprellung ausschied, so dass der ganz direkte Zug zum Tor, für den Uth steht, auch von daher minimiert war. Und zum anderen gingen die Wölfe – tabellarisch mit dem Rücken zur Wand – nun immer derber zuwerke und hatten sich das vermutlich von den Leipzigern abgeschaut, die damit unsere schöne Spielweise zwei Wochen zuvor auf die gleiche Weise aushebelten.

Und auch vor einer Woche gegen Mainz hätte sich eine gewisse Selbstverliebtheit im Hoffenheimer Spiel, die weniger auf Tore als auf Spielzüge schaut, verhängnisvoll auswirken können, doch Mainz nahm das Angebot, zurück ins Spiel zu finden und die knappe Führung zu egalisieren, nicht an: anders als die Wölfe, die nach der Pause nochmal entschlossener aufliefen und auch den lange verletzten Didavi aufboten, der in der Folge den Unterschied machen sollte. Die beiden Tore für Wolfsburg fielen dann zwar jeweils infolge von Standards, aber letztendlich waren Konzentrationsschwächen unserer Mannschaft dafür verantwortlich.

Einmal köpfte Süle den Ball nur halb weg und zum Gegner, so dass Arnold abziehen konnte, einmal löste Demirbay eine ähnliche Situation per Kopf ähnlich sinnfrei, so dass Didavi frei zum Torschuss kam. Davor und danach hatte Wolfsburg jedoch längst die Zügel des Spiels übernommen und kam auch ohne diese beiden Standards immer wieder gefährlich vors Tor. Jetzt zeigte sich, wie sehr Julian Nagelsmann recht gehabt hatte, als er im Vorfeld des Spiels vor der Klasse der einzelnen Wolfsburger warnte, die weit vor ihrer bislang ziemlich verpatzten Tabellensituation rangiert. Er hätte aber auch vor einer insgesamt harten Gangart warnen können – auf die unsere Mannschaft eher empfindlich reagiert, wie das bei spielerisch veranlagten Teams öfters der Fall ist.

Unterm Strich fiel somit leider auch das Geburtstagsgeschenk ins Wasser, das sich Julian Nagelsmann zum einjährigen Jubiläum seiner Trainertätigkeit gewünscht hatte: drei Punkte. Und alle, wirklich alle waren danach weniger enttäuscht als vielmehr deutlich angefressen darüber, dass man sich das Spiel aus der Hand hatte nehmen lassen. Doch sind wir ehrlich: Klar war das schade, klar war es unnötig, aber es ist irgendwie auch menschlich, dass die Mannschaft an ihren schönen Fußball glaubt und sich dazu verführen lässt, weiter an ihn zu glauben, wenn das Spiel gegen sie läuft. Und die vielen Remis der Hinrunde, daran sollte man auch denken, brachten weniger Punkte ein, als wenn man von jetzt an öfter verliert und dafür auch öfter gewinnt!

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