Ein ängstliches Rudel Wölfe

Das letzte Auswärtsziel der TSG, Leipzig, bot ja eine große Vielfalt an kulturellen Sehenswürdigkeiten. Wenn es am Sonntag nach Wolfsburg geht, heißt es, den Gürtel touristisch bedeutend enger zu schnallen. Das liegt zuallererst natürlich daran, dass Wolfsburg erst 1938 aus dem Boden gestampft wurde – um ein Autowerk herum, mit dem die damalige Nazi-Herrschaft ihr vermeintliches Herrscher-Volk mobil beglücken wollte. Kraft-durch-Freude-Wagen hieß das automobile Dingelchen, das dort hergestellt wurde – und nach dem verdienten Untergang der Nazis unter dem Namen Käfer eine Weltkarriere antrat…

Der gigantomane und sonstige Wahnsinn der Nazis hat die bekannten, furchtbaren Folgen gezeitigt. Allerhand Überbleibsel haben es jedoch auch bis in unsere Zeit geschafft – unter anderem jene Fabrik, die bis heute Autos unter dem Label VW herstellt und eben dafür verantwortlich ist, dass es die Stadt Wolfsburg überhaupt gibt. Die übrigens nach der gleichnamigen Wasserburg – eigentlich ein veritables Schloss – benannt ist, welche eine der Hauptattraktionen neben der Autostadt darstellt. In der gibt es naturgemäß Automobile jeglichen Alters zu bestaunen, aber auch kulinarische Höhepunkte zu verkosten, die man dort eher nicht erwartet: darunter auch die sogenannte VW-Currywurst, deren Rezept geheim ist. Millionenfach im VW-Werk verspeist, soll sie tatsächlich zu den weltweit besten Currywürsten gehören.

Es ist anzunehmen, dass die Spieler des VfL Wolfsburg sie nicht allzu oft zu essen bekommen, schon gar nicht mit Pommes rot-weiß. Ihre in der Hinrunde oftmals mangelnde Laufbereitschaft könnte zwar theoretisch mit sportlich ungeeigneter Ernährung zu tun haben, war aber wohl eher auf einen konzeptionellen Einbruch des langjährigen Duos Allofs/Hecking zurückzuführen, weshalb beide inzwischen Vergangenheit sind. Unter dem neuen Trainer Valérien Ismaël hat sich die Mannschaft wieder etwas stabilisiert, liegt jedoch mit nur 19 Punkten immer noch im Abstiegsbereich.

Letztes Wochenende hat der VfL ziemlich unglücklich 1:0 in Köln verloren, unter der Woche ist er knapp gegen die Bayern aus dem Pokal ausgeschieden. Dabei hat die Mannschaft defensiv richtig gut gespielt – offensiv lief es dagegen ziemlich suboptimal. Mit zwei schnellen Spitzen statt des weniger lauffreudigen Gomez wollte Trainer Ismaël die ebenfalls bekannt langsamen Hummels und Martinez ausstechen, doch es brauchte um die 80 Minuten, bis Wolfsburg, schon mit Gomez, zum überhaupt ersten Mal in den Strafraum der Bayern eindrang! Dann wurde es ein paarmal allerdings wirklich gefährlich.

Es ist zu erwarten, dass Gomez gegen Hoffenheim wieder von Beginn an spielt und über die Flanken gefüttert wird. Allzu oft sollte Wolfsburg also lieber gar nicht erst vors Tor gelangen, Gomez ist immer noch ein sehr torgefährlicher Spieler. Umgekehrt wird es unsere Mannschaft wieder mit jener flexiblen 3-er/5-er-Abwehr zu tun bekommen, die schon den Bayern Probleme bereitet hat, vor allem auch durch die davor gut verschiebende 4-er-Kette. Zudem sind die meisten Spieler des VfL recht groß gewachsen, weshalb der Weg zum Erfolg wohl eher am Boden zu suchen ist.

Auf die irgendwie verdiente, irgendwie aber auch unglückliche Niederlage in Leipzig hat Hoffenheim gegen Mainz eine klare Antwort gefunden. Und auch in Wolfsburg ist ein Sieg allemal drin. Was es dazu braucht, ist ein schnelles, variables Angriffsspiel aus dem Mittelfeld und nach Möglichkeit die frühe Führung, weil der VfL sich dann aus der Deckung lösen muss und Konterchancen eröffnen wird. Überhaupt steht der VfL nach bereits sechs verlorenen Heimspielen und dem prekären Tabellenstand gewaltig unter Druck – und ist deshalb einerseits gefährlich wie ein angeschlagener Boxer, andererseits aber sicher entsprechend nachhaltig zu verunsichern, wenn das Spiel gegen ihn zu laufen beginnt. Am besten ist es, durchgängig strukturiert Vollgas zu geben und die Wölfe zu einem ängstlichen Rudel werden zu lassen… Auf geht’s, Hoffe, kämpfen und siegen!

Zur Unterstützung herangezogen wurden Informationen von:
kicker.de

Fotos:
Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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