Mainzer Unbekannte

Mainz ist eine echte No-name-Truppe. Angefangen mit Torhüter Lössl lautete bspw. die Aufstellung der 05-er letzten Sonntag gegen Dortmund, wozu man sicher die besten verfügbaren Spieler aufbot, folgendermaßen: Donati, Bell, Bungert, Brosinski, Gbamin, Latza, Frei, Öztunali, Jairo und Muto, eingewechselt wurden Ramalho, Seydel und De Blasis.

Okay, im Hinspiel hat letzterer als kleinster Fußballer der Liga gegen uns ein Kopfballtor erzielt, und Öztunali ist der Enkel von uns Uwe. Auch den einen oder anderen Namen hat man natürlich auf dem Radar, doch insgesamt ist das auf dem Papier eine vergleichsweise schlichte Mannschaft – nicht aber in der Realität. Gegen Dortmund ein Remis zu holen, dabei ein vermeintliches Abseitstor aberkannt zu bekommen, das muss erst mal gelingen.

Das Schwierige an Mainz 05 ist die Unvorhersehbarkeit. Mal spielt die Mannschaft so, als wäre es ihr mehr oder weniger egal, wie das Ergebnis lautet, mal geht sie konzentriert zur Sache. Mal spielt sie offen, mal eng, mal hoch, mal fährt sie exakte Konter, mal flankt sie auf gut Glück in den Strafraum: in Momenten, da keine Defensive der Welt es erahnen kann. Das Schlimme daran ist, dass sich die jeweiligen Varianten nicht auf dieses oder jenes Spiel beschränken, sondern sich innerhalb einer einzigen Partie mehrfach fröhlich abwechseln.

Mainz ist also sowas wie die Wundertüte der Liga. Alles ist möglich, wenn es gegen Mainz geht, wie eben auch im Hinspiel, als Hoffenheim aus einem 4:1-Rückstand zur Halbzeit noch ein 4:4 machen konnte. Insgesamt hat der FSV bereits 31 Gegentore kassiert, ein Dutzend mehr als die TSG, die dafür 31 Tore erzielt hat gegenüber 27 des FSV. Mainz hält tabellarisch auf Platz 10 die Waage – mit jeweils sieben Punkten Abstand zum Relegationsplatz und zur Euro-League-Berechtigung.

Dabei geht Mainz relativ robust zuwerke, zwei gelb-rote und drei rote Karten geben davon Zeugnis. Trotzdem steht die Mannschaft in der Foul-Statistik ganz passabel da: Hoffenheim foult deutlich öfter, was auch insofern wundersam ist, als Mainz ganz am Ende der Ballbesitztabelle liegt, aber auch sehr weit hinten bei den Zweikampfwerten. Zum Augenreiben ist im Weiteren, dass der FSV bereits 10% mehr Eckbälle getreten hat als die TSG und doch weniger Torschüsse abfeuert, dabei aber deutlich häufiger direkt aufs Tor schießt und außerdem den zweithöchsten Wert bei Abseitsstellung einnimmt.

Wie passt das alles zusammen? Womit hat man bei so einem Gegner zu rechnen? Letztlich wohl damit, dass Mainz ohne Ball mit maximaler Energie die Räume zuläuft, Zweikämpfen aber aus dem Weg geht. Und damit, dass Mainz sich mit dem Ball nicht lang herumträgt, sondern kompromisslos schnell in den Kontermodus umschaltet – übrigens bevorzugt über rechts, von wo aus beinahe doppelt so viele Flanken in den Strafraum fliegen wie von links.

Weil das alles jedoch nicht im Ansatz vorhersehbar ist, weil unklar ist, wann Mainz was unternimmt oder lässt, wird man sich am besten auf sich selbst konzentrieren und den FSV nicht so sehr bei seinen schwer kalkulierbaren Schwächen packen wollen, sondern aus eigener Stärke heraus zu schlagen versuchen. Unsere Mannschaft muss daher auf der Hut sein und zugleich mutig angreifen, denn Mainz schläfert den Gegner auch gern ein und schlägt genau dann zu, wenn man am wenigsten damit rechnet. Also ist es am besten, man legt genug Tore vor. Wenn das denn so einfach wäre… Unterm Strich gesagt: Nichts Genaues weiß man nicht. Mainz ist und bleibt eine Wundertüte. Selten hat es deshalb weniger und zugleich so viel Sinn gemacht zu schreiben: Auf geht’s, Hoffe, kämpfen und siegen!

Zur Unterstützung herangezogen wurden Informationen von: kicker.de

Fotos:
Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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Alexander H. Gusovius