Spiel 17

Der Fußball rollt wieder, die Winterpause geht zuende – aber ohne dass die Rückrunde beginnt. Denn infolge der Terminkünste von DFB und DFL muss erst noch ein Spiel absolviert werden, bis die Liga in die Rückrunde starten kann. Etwas seltsam fühlt es sich schon an, dass die Vorrunde noch gar nicht fertig ist, gerade auch, weil sie so intensiv war… Wenn irgendwann wirklich die Winter-WM kommt, wird alles noch seltsamer.

Doch es hilft nichts: Europameisterschaft, Ligabetrieb und Länderspielehrgeiz mussten koordiniert werden. Dabei herausgekommen ist vor allem auch eine sehr kurze Winterpause, was die TSG dazu gebracht hat, das übliche spanische Ferienlager ausfallen zu lassen. Aus Gründen der Zeitersparnis hat man lieber daheim in Zuzenhausen trainiert – den Spielern scheint es sogar gefallen zu haben. Die Übungen bei klirrender Kälte hatten zudem den Vorteil, dass die Trainingsbedingungen den Wettkampfbedingungen stark ähnelten.

Für uns bedeutet der ganze Terminquark, dass es erstmal nach Augsburg geht, bevor wir nach Leipzig fahren, so dass, gewissermaßen irregulär, zwei Auswärtsspiele hintereinander zu absolvieren sind, was sich regulär am Ende der Saison wiederholen wird: eigentlich ein Nachteil, aber sei’s drum… Also erstmal nach Augsburg, in eine Stadt mit Geschichte: Die 300.000-Einwohner-Gemeinde wurde nämlich nach dem römischen Kaiser Augustus benannt, der nebenbei auch für den achten Monat im Jahr Pate stand und vor ca. 2000 Jahren über den Erdenball wandelte. Der Mann hieß jedoch nicht immer so, sondern trug als Wickelkind den Geburtsnamen „Gaius Octavius“. Es war erst der römische Senat, der ihm den klangvollen Beinamen verlieh: Augustus heißt so viel wie „Der Erhabene“.

Der Augsburger Fußball hat ebenfalls Geschichte. Namensgrößen wie Helmut Haller, Karlheinz Riedle und Bernd Schuster haben dort gespielt, aber auch Julian Nagelsmann, bis er wegen seiner Probleme mit dem Knie auf Trainer umschulte, wie allgemein bekannt initiiert durch Thomas Tuchel – der aber lange noch nicht die letzte Augsburger Namensgröße ist. Vielmehr stammt auch Alexander Rosen dorther, ist sogar da geboren und hat für Augsburg gekickt. Die Reise zum nächsten Gegner ist also auch eine Art Heimkehr, so dass wir, im übertragenen Sinn, vielleicht doch kein lupenreines Auswärtsspiel vor der Brust haben – und auch Jonathan Schmid wiedersehen werden, der das Glück, das er bei uns nicht fand, jetzt in Augsburg sucht.

Womit sportlich zu rechnen ist, weiß man nicht so genau – und zwar insofern, als niemand richtig einzuschätzen vermag, wie stark Augsburgs neuer Trainer Manuel Baum durchschlägt. Die ersten beiden von ihm betreuten Spiele vor der Winterpause verliefen erfolgreich: ein knapper Sieg gegen Gladbach, gefolgt vom Unentschieden in Dortmund. Das muss man als Interimstrainer erstmal hinkriegen, weshalb nach Weihnachten die offizielle Bestätigung im Amt folgte. Die Gesamtbilanz seiner bisherigen Trainerstationen sieht allerdings weniger prächtig aus: 16,7 % Siege, 50 % Niederlagen, 33,3 % Unentschieden.

Wie es aussieht, lässt der neue Trainer à la Weinzierl spielen und hat bewährte Augsburger „Tugenden“ wiederbelebt. Dazu zählen neben hohem Pressing und schnellem Umschalten, was ja inzwischen fast jede Mannschaft zu praktizieren versucht, eine kampfintensive Grundeinstellung. Es gibt was auf die Knochen, hätte man früher dazu gesagt. Heutzutage zählt vor allem auch die Bereitschaft dazu, jede Lücke im Spiel möglichst nah am Gegenspieler bis zum Umfallen zuzulaufen. Damit ist klar: ein Spaziergang wird die Partie in Augsburg nicht. Und unsere Jungs müssen sich vorsehen, nicht in Zweikämpfen verschlissen zu werden. Wenn sie die Trainingsziele der Winterpause aber umsetzen, also defensiv aufmerksamer zu sein und offensiv zielsicherer vorzugehen, sollte Augsburg zu knacken sein.

Eine gewisse Beunruhigung könnte durch Rudy und Süle in die Mannschaft gekommen sein. Aber nur dann, wenn die beiden vor Stolz und Vorfreude auf ihre Bayern-Zukunft förmlich nicht mehr laufen können – womit nicht zu rechnen ist. Denn die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut, das sollte die beiden, falls sie sich je zu kleineren Aussetzern oder Konzentrationsmängeln hinreißen lassen, gut auffangen und wiedereinbinden. Spannend wird die Partie aber nicht nur deshalb. Die Mannschaft hat in der Vorrunde derart erfolgreich gespielt und trotzdem noch so viel Entwicklungspotential offenbart, dass man im ersten Spiel nach der Winterpause möglicherweise schon sehen kann, wohin die Reise geht… Gerne in Richtung Auswärtssieg, oder? Also, auf geht’s, Hoffe, kämpfen und siegen!

Zur Unterstützung herangezogen wurden Informationen von:

transfermarkt.de – kicker.de

Fotos:
Uwe Grün, Kraichgaufoto

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