Same procedure as last year?

Julian Nagelsmann ist kein spezieller Freund von Flutlichtspielen, aber es ist auch nicht so, dass er die künstlichen Lichtverhältnisse nicht mag. Nachmittagsfußball ist ihm halt lieber, im Prinzip. Den Fans, die ins Stadion pilgern, dürfte es ähnlich gehen. Denn vor allem am Freitagabend wird fast jedem die Zeit eng, egal, ob es dazu noch so kalt ist wie jetzt.

Für die meisten Hoffe-Fans gilt das diesmal natürlich nicht, ca. 900 fahren mit nach Frankfurt. Für die vielen anderen ist der Platz auf dem Sofa eine zeitlich passendere Angelegenheit, darum aber nicht weniger spannend: 25 Punkte hat die TSG auf dem Konto, wie die Eintracht, die nur deshalb auf Platz 5 in der Tabelle direkt hinter uns liegt, weil sie sechs Tore weniger geschossen und drei weniger kassiert hat. Die Verhältnisse liegen also ziemlich ausgeglichen.

Außerdem sind Frankfurt und Hoffenheim die Comeback-Kids der letzten Saison – beide so gut wie abgestiegen und quasi in letzter Minute gerettet, beide unter neuen Trainern, die den folgenden Saisonauftakt mit Bravour gestaltet haben. In den jetzt anstehenden Spielen bis zur Winterpause wird sich zeigen, ob sie die Leistungskurve verstetigen können. Deshalb kommt dem Abgleich untereinander ganz besondere Bedeutung zu.

In der Vergangenheit waren unsere Auswärtsspiele in Frankfurt meist recht erfolgreich. Viermal hat die TSG da schon siegreich den Platz verlassen, einmal mit einem Remis, nur zweimal als Verlierer. Die SGE unter Trainer Kovac ist aber leider nicht mit früheren Eintracht-Mannschaften vergleichbar, außer in Hinblick auf Alex Meier, der seit 2004 für Frankfurt Fußball spielt. Doch der gebürtige Norddeutsche ist eine Urgewalt in der Sturmmitte – dafür haben wir Sandro Wagner, der seine Sache ja ebenfalls alles andere als schlecht macht. Und für Abraham, ehemals TSG und inzwischen in Frankfurt ein echter Leistungsträger, haben wir Hübner, den echten Frankfurter, in unseren Reihen.

Aber weil Fußball-Quartette wenig hergeben in Bezug auf das, was wirklich geschieht, muss man sich besser statistisch umschauen. Und da fällt Folgendes auf: Frankfurt hat bisher schon 35 gelbe Karten gezeigt bekommen, mit Abstand die meisten in der Liga, glatt 15 mehr als Hoffenheim! Die Anzahl der verübten und erlittenen Fouls liegt jedoch ungefähr gleich. Daraus darf man herleiten, dass die Eintracht einigermaßen eng bzw. riskant in die Zweikämpfe geht und darin vor allem ein strukturelles Merkmal ihres Fußballs zu sehen ist.

Des Weiteren fallen die Frankfurter Quoten der Schüsse Richtung Tor sowie der echten Torschüsse um ca. 20% schwächer aus als bei Hoffenheim. Das gleiche gilt für den Ballbesitz und die Anzahl zugesprochener Eckbälle. Damit ist deutlich, dass Frankfurt nicht gern selber das Spiel macht, sondern lieber in Zweikämpfen den Ball erobert und schnell umzuschalten versucht, ähnlich wie Köln, aber robuster, und öfter auf die Flanken ausweicht, um von dort aus offensiv zu werden. Und so gibt es eine ähnlich hohe Zahl von Abseitsstellungen, während der Flankenwert der Eintracht die entsprechenden Hoffenheimer Werte überflügelt – klar, um Meier, ihr Kopfballungeheuer, in der Mitte zu suchen.

Umgekehrt liegt die Anzahl der nötigen Eingriffe bzw. Torhüterparaden aufseiten der SGE deutlich niedriger als aufseiten der TSG. Unterm Strich wird sich also zeigen, ob die Kampfkraft der Eintracht den Hoffenheimer Ballbesitz aufbricht – oder ob der Hoffenheimer Kombinationsfußball die enggeschlossenen Frankfurter Reihen zu knacken vermag. Laufstark sind übrigens beide Mannschaften, konditionell wird in diesem Spiel nichts anbrennen.

Daher spricht eigentlich alles für ein Remis. Aber dann würde Dortmund, wenn der BVB in Köln gewinnt, an beiden vorbeiziehen. Und das wäre so ziemlich das Letzte, was man sich wünscht. Also auch deshalb: Auf geht’s Hoffe, kämpfen und siegen!!!

Zur Unterstützung herangezogen wurden Informationen von:

ran.de/datenbank  –  fußballdaten.de  –  kicker.de

Fotos:

Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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Alexander H. Gusovius