Rudy spielt sich für Hamburg warm

Der Test der Daheimgebliebenen letzte Woche gegen Heidenheim ging mit 4:5 verloren. Die wirklich gute Nachricht dabei war, dass Mark Uth wieder so fit ist, dass er eingewechselt werden konnte und gleich noch ein Tor erzielte. Sebastian Rudy gehörte natürlich nicht zum Test-Team, weil er ja bei der Nationalmannschaft weilte – und gegen Italien sogar 90 Minuten durchspielen durfte.

Zusammen mit Weigl verteilte er im mal defensiven, mal offensiven Mittelfeld die Bälle und gab ein alles andere als schwaches Bild ab. Dass es beim 0:0 blieb, lag sicher nicht an ihm: Rudy spielte zwar unauffällig, wie es seine Art ist, trug aber mit schönen Pässen und klugem Stellungsspiel viel zum insgesamt guten Auftritt der deutschen Mannschaft bei. Leider wird sein Einsatz kaum zu häufigeren Einsätzen führen, zu viele Anwärter auf seine Position waren verhindert oder wurden geschont.

normal_ug092_3566_231015In jedem Fall ist Rudy nun in echter Wettkampflaune, wenn am Sonntagnachmittag der HSV in Sinsheim aufläuft. Und das ist gut, denn die Partie gegen den Tabellenletzten stellt eine multiple Herausforderung dar. Das liegt vor allem an der Erwartung, dass Hoffenheim (nach so vielen herausragenden Spielen gegen hochklassige Gegner) den darniederliegenden HSV souverän wegputzt. Genau in solchen Momenten geschieht gern mal das Gegenteil davon. Das muss man immer im Hinterkopf behalten, damit es nicht so kommt…

Außerdem ist Markus Gisdol jetzt Trainer in Hamburg – er kennt Hoffenheim besser als sonst jemand. Und weil Gisdol vor ziemlich genau einem Jahr sein letztes Spiel für die TSG gecoacht hat und damals ausgerechnet gegen den HSV verlor, worauf er seinen Job los war, wird er jetzt darauf brennen, in Sinsheim zu beweisen, was er bzw. seine Mannschaft so alles draufhat. Emotional ist das eine brisante Mischung, zumal Gisdol, der in Hamburg bislang weitgehend erfolglos ist, bereits wieder um seinen Job fürchten muss!

normal_ug120_9868_231015Julian Nagelsmann wird jedoch kühlen Kopf bewahren und seine Spieler darauf vorbereiten, dass dies kein normales Spiel ist. Auf dem Papier müsste Hoffenheim klar siegen, natürlich, aber im Fußball spielen die Emotionen eine gewichtige Rolle und können, z.B. wenn unsere Mannschaft auch nur ein kleines bisschen unkonzentriert oder überheblich auftreten sollte, eine Steilvorlage für Markus Gisdol und seine gepeinigte Truppe sein. Zwei magere Pünktchen am 10. Spieltag sind für Fußballer eine Art Höllenfahrt.

Der HSV kann einem leidtun, so holprig und durcheinander sind die Hamburger Verhältnisse. Doch das darf erst eine Rolle spielen, wenn der 11. Spieltag vorbei ist und der HSV immer noch nur zwei Punkte auf dem Konto hat. Erst dann kann man mitfühlend sein und dem Bundesliga-Dino und seinem Trainer mit den TSG-Genen alles Gute wünschen. Vorher zählt nur die Hoffnung, dass die Länderspielpause uns nicht aus dem Takt gebracht hat und Kerem Demirbay, der vom HSV nicht für wert befunden wurde, die Raute auf dem Trikot zu tragen, in den Hoffenheimer Farben erneut so glanzvoll aufspielt wie bisher.

normal_ug100_3628_231015Vermutlich wird der HSV in den ersten Minuten sehr hoch angreifen und versuchen, gegen die TSG ein frühes Tor zu erzielen, um danach weiter in Kontern sein Glück zu suchen. Unsere Mannschaft sollte aber in der Lage sein, den Hamburger Antritt zu kontrollieren und den Spieß umzudrehen. In den letzten Spielen hat Hoffenheim derart viel Ruhe und Übersicht bewiesen, dass der HSV sich, egal was er unternimmt, eigentlich nicht durchsetzen können dürfte. Und deshalb wäre alles andere als ein deutlicher Sieg unserer Mannschaft eben doch eine große Überraschung. Also, auf geht’s Hoffe!

Fotos:

Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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Alexander H. Gusovius