Rütteln am Bayern-Thron?

Etliche haben versucht, am Bayern-Thron zu rütteln, wenn die Tabellensituation eine gewisse Nähe zu der Münchener Startruppe suggerierte. Den meisten ist das schlecht bekommen. Warum? Weil die Bayern absolut unbesiegbar wären? Natürlich nicht… Sondern bspw. weil man, falls man gegen die Bayern tatsächlich gewinnt, im nächsten Spiel vor lauter Überheblichkeit kaum noch laufen kann und anschließend mehr Punkte lässt, als man in dem einen Spiel gewann. Außerdem ist es so, dass man gegen die Bayern nicht befreit aufspielt, wenn man darauf schielt, Schlagzeilen zu stiften. Und weil man sowieso sinnlos Kräfte verschleißt, wenn man beim Fußball auf anderes als auf Fußball aus ist, wenn man stattdessen persönlichen oder mannschaftlichen Imagegewinn im Auge hat.

normal_ug123_6028_220815Insofern kostet eine Niederlage gegen die Bayern, nachdem man alles, aber auch alles daran gesetzt hatte, sie zu besiegen, doppelt Kraft, doppelt Rückgrat – und bewirkt doppelte innere Leere. Und ein Sieg gegen die Bayern kostet meist dasselbe. Sich im Umkehrschluss lieber mit Unterwerfungsgesten durch eine im Vorhinein verloren gegebene Partie zu mogeln, ist allerdings auch nicht hilfreich. Am besten ist es, man spielt so gut wie möglich nur Fußball, schert sich kein bisschen um Ruhm und Ansehen der teuren Truppe und misst weder einer Niederlage noch einem Sieg zu große Bedeutung zu.

normal_ug164_6438_220815Man muss, anders gesagt, bei sich selbst bleiben, wenn es gegen die Bayern geht: währenddessen, vorher und nachher… Für unsere Mannschaft wäre das nach fünf Liga-Siegen in Folge ohnehin der beste Rat, denn die Siege sind gerade darum zustande gekommen, weil die Mannschaft ihren geduldigen, abgeklärten Fußball, auf den jeweiligen Gegner abgestimmt, immer besser durchgezogen hat. Es wird spannend zu sehen sein, ob und wie sie das gegen die Bayern praktiziert, ob und wie sie dranbleibt an sich selbst, wie die Bayern damit umgehen.

normal_ug171_6871_220815Statistische Daten zu bemühen, ist zwecklos. Die Bayern sind die Bayern und auf allen Positionen extrem stark besetzt, auch doppelt. Zwar haben sie in der jüngeren Vergangenheit etwas gewackelt, aber sie haben sich davon, wie es aussieht, einigermaßen erholt. Nach wie vor muss man also, wie man gern sagt, schon einen Sahnetag erwischen, um gegen sie zu bestehen. Mindestens muss man die Chancen, die sich bieten, gnadenlos nutzen – was in letzter Zeit nicht gerade eine Hoffenheimer Paradedisziplin ist, sich aber jederzeit ändern kann. Warum nicht am Samstag in München!

normal_ug172_6541_220815Nach dem Champions-League-Spiel der Bayern gegen Eindhoven am Dienstag ist jedoch einmal mehr klar, was sie so stark macht, selbst wenn sie nicht überragend spielen und Müller erneut nicht trifft. Da ist zum einen das erstklassige Stellungsspiel von Boateng, da sind seine unfassbar präzisen, weiten Pässe und in ähnlicher Qualität die von Vidal. Außerdem praktizieren die Bayern eine optimale Raumaufteilung und spielen sich daher fast problemlos an den gegnerischen Strafraum, wo sie dann mit überraschenden Pässen aus dem Halbfeld an die Grundlinie auch Fünferabwehrketten knacken und Lewandowski suchen und finden. Und zuguterletzt sind ausnahmslos alle Bayernspieler fähig, allein ein Spiel zu entscheiden und aus naher und kurzer Distanz gefährlich zu schießen.

normal_ug126_6071_220815Machen wir uns nichts vor – das wird ein schwerer Gang! Aber einer, der Spaß macht und aus dem man viel lernen kann. Und völlig aussichtslos ist es diesmal nicht, in München anzutreten. Unsere Mannschaft ist gut eingespielt, bringt einiges Selbstbewusstsein mit und könnte den Bayern, wenn sie ihre bisherigen Leistungen noch steigert, durchaus Kopfzerbrechen bereiten. In jedem Fall werden wir wieder erstklassigen Fußball zu sehen bekommen, ohne dass es letztlich auf das Ergebnis ankommt. Und deshalb: Nicht darauf aus sein, den Bayern die Lederhosen auszuziehen, sondern sie ihnen strammzuziehen… Auf geht’s Hoffe!!!

Fotos:
Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

Deine Meinung zum Artikel:
Alexander H. Gusovius