Sexy Hertha…

Es sind bewegte Fußballtage! Nach dem grandiosen Sieg in Leverkusen und dem unglücklichen Pokal-Aus in Köln auf höchstem Niveau kommt jetzt der Tabellendritte der Liga, Hertha BSC, nach Sinsheim. Die alte Dame aus Berlin macht in dieser Saison auf sexy und schleppt alles ab, das nicht bei drei in die Spree abgetaucht ist oder sonstwo sein Heil sucht.

Ein einziges Spiel haben die Berliner bislang verloren – gegen die Bayern! – und gerade mal zwei Unentschieden zu bilanzieren. Andererseits: Hoffenheim hat in der Liga zwar viermal Remis gespielt, aber noch gar kein Spiel verloren. Daher liegen die beiden Teams vom Torverhältnis eng beieinander, und nur ein einziger Punkt trennt sie.

Was die Hertha in dieser Saison so stark macht, ist der gesicherte Abwehrverbund der gesamten Mannschaft: Trainer Dardai duldet keinerlei Sonderstellung. Wer nicht mit zurückläuft, hat in seiner Mannschaft nichts zu suchen. Hoffenheim hat diesbezüglich schon Lehrgeld zahlen müssen und hätte, wenn die Laufbereitschaft gegen Spielende von Anfang an so ausgeprägt gewesen wäre wie jetzt, ein oder zwei Remis gegen Siege eintauschen können.

normal_ug044_8693_160416Außerdem stark bei der Hertha: Vedad Ibisevic. Der Ex-Hoffenheimer, der nach eigener Aussage keinerlei Verbindung mehr zur TSG hat, erlebt in Berlin seinen zweiten Frühling und schießt Tore förmlich am Fließband. Da er außerdem Mannschaftskapitän geworden ist, nehmen die Schiedsrichter ihn inzwischen auch ernster. Zwar läuft er immer noch oft genug ins Abseits, wie früher bei uns, aber er kann aussichtsreicher mit den Offiziellen diskutieren und fängt sich weniger Karten ein.

normal_ug059_8802_160416Was spricht dafür, dass wir die Hertha schlagen? Grundsätzlich ist die tabellarische Nähe natürlich eher ein Anzeiger dafür, dass die Partie unentschieden ausgeht. Aber Fußballspiele werden nicht am Reißbrett entschieden, sondern auf dem Rasen. Und dabei handelt es sich diesmal um badisches Grün, so dass erstens mal der Heimvorteil für Hoffenheim spricht.

Zweitens ist die Hertha – einfach gesagt – endlich fällig! In den Berliner Reihen hat sich trotz Dardais strenger Vorgaben inzwischen doch ein bisschen viel Selbstwertgefühl breitgemacht, das unsere Mannschaft stutzen kann, wenn sie nicht überdreht. Doch weil die letzten beiden Spiele gegen Leverkusen und gegen Köln das gerade Gegenteil von „Überdrehen“ bewiesen haben, darf man davon ausgehen, dass Hoffenheim auch gegen Berlin ähnlich besonnen und kontrolliert vorgehen wird.

normal_ug076_8912_160416Etwas unkontrollierter dürfte es nur in der Offensive zugehen. Hier hat die TSG – erstaunlich genug – eine kleine Baustelle entstehen lassen, weil oftmals zu zögerlich, zu wenig zielorientiert aufs Tor gegangen wird. Sandro Wagner wird, dies betreffend, jedenfalls bis unter die gepflegten Haar- und Bartspitzen motiviert sein, hat er doch früher mal in Berlin die Fußballstiefel geschnürt und kam dort nicht so gut an. Also will und wird er das Gegenteil unter Beweis stellen.

Er ist damit der dritte Grund, warum es gelingen kann, die Hertha zu schlagen. Wenn man allerdings ehrlich ist, lässt es sich aber nicht mal im Ansatz vorhersagen, wie das Spiel ausgeht. Was man sagen kann, ist, dass die Partie eine echte Standortbestimmung ist, bevor im Anschluss die Reise nach München geht. Bisher hat Hoffenheim, in Köln und in Leverkusen, die Wochen der Wahrheit jedoch glänzend begonnen.

Und daher kann man zweifelsfrei ebenfalls vorhersagen, dass die Fans im Stadion ein Fußball-Menü erster Klasse serviert bekommen werden. Hertha BSC ist im Augenblick ein echter Spitzenverein und hat die bewiesene Klasse über die letzte und zu Teilen auch vorletzte Saison hinweg gründlich aufgebaut. Hoffenheim wiederum ist zwar erst jetzt dabei, durchzustarten, ist dafür aber vielleicht einen Tick frischer in den Köpfen und Herzen. Also, auf geht’s, Hoffe!

Zur Unterstützung wurden Informationen herangezogen von:
kicker.de

Fotos:
Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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Alexander H. Gusovius