Ins Reine-Energie-Stadion

Wer hätte zu Beginn der Saison gedacht, dass ausgerechnet die Pokalbegegnung Köln-Hoffenheim zu einem Spitzenspiel werden könnte? Nach aktuellem Tabellenstand treten der Vierte und der Fünfte der Liga gegeneinander an, um den Einzug in die nächste Runde zu schaffen. Es treffen dabei zwei Mannschaften aufeinander, die ähnlicher und verschiedener nicht sein könnten.

Ähnlich sind sie sich in der grundsätzlichen Pressing- und Umschalttaktik. Und sie unterscheiden sich genau darin: Köln pflegt eine raumorientierte, eiserne Defensivdisziplin mit überfallartigen Kontern, die TSG setzt auf mehr defensive Variabilität und offensive Flexibilität samt Ballkontrolle. Das Kölner und Hoffenheimer Torverhältnis von 13:6 bzw. 16:10 unterstreicht das: Köln sichert ab und setzt vorn erfolgreich Nadelstiche, Hoffenheim trifft und kassiert öfter.

Bei den Ballkontakten rangiert der 1. FC Köln denn auch mit 46% weit unterhalb der 54% aufseiten von Hoffenheim, ist aber in Sachen Foulspiel auffallend zurückhaltend. Das ist einerseits beruhigend, besonders wenn man es mit früheren Kölner Zeiten vergleicht, und belegt andererseits, dass Köln die starke Defensive nicht über Zweikämpfe sichert, sondern tatsächlich vor allem die Räume zustellt bzw. zuläuft. In bislang acht Ligaspielen hat Köln bemerkenswerte 87 Zweikämpfe weniger bestritten als die TSG. Dass die Kölner blitzartigen Konter umgekehrt ebenso Methode sind, beweist die Zahl der Abseitsstellungen: 25 schon in dieser Saison, gegenüber nur 14 seitens der TSG, die ihr offensives Heil eben auf ein breiteres Fundament stellt.

normal_ug075_6493_030416Das Herzstück der Kölner Blitzangriffe ist in Hoffenheim wohlbekannt und heißt Anthony Modeste. Der lange Franzose ist in Köln, wo man das Angriffsspiel auf ihn abgestellt hat, förmlich aufgeblüht und trifft und trifft und trifft… Sozusagen im Gegenzug blüht in Hoffenheim ein Ex-Kölner auf, Kevin Vogt, und zwar in der Mitte der Dreier-Innenkette, so dass man sich hier auf interessante Duelle freuen darf!

normal_ug090_6633_030416Die statistischen Daten und taktischen Vorlieben würden, wenn es denn ein Ligaspiel wäre, klare Vorhersagen ermöglichen. Köln würde im eigenen Stadion zurückhaltend agieren und uns das Mittelfeld anbieten, um uns in Fehlpässe zu verstricken und den Ballgewinn mittels Modeste im Tor zu versenken. Und diese Marschrichtung würde übers gesamte Spiel durchgehalten. Doch am Mittwochabend ist Pokal, und darum wird die geschilderte Konstellation allenfalls solange Bestand haben, wie Köln nicht hinten liegt.

Das Pokalfieber wird aber egal wie ausbrechen, früher oder später… Nicht mal Kölns besonnenem Trainer Stöger wird es gelingen, seine Mannschaft vor der Hitze der Pokalschlacht und der heißen Erwartung der bis auf den letzten Platz gefüllten Kölner Arena zu bewahren. Das Rhein-Energie-Stadion wird vor reiner Energie schier bersten, die Kölner Fans werden elektrisiert sein bis unter die Haarspitzen und ihre Mannschaft in diesem Pokalfight nach vorn peitschen.

Und genau darin liegt eine große Chance für uns. Wenn unsere Mannschaft es schafft, sich von der gelegentlich ins Hysterische ragenden Stimmung auf den Kölner Rängen nicht anstecken zu lassen, sondern in diesem Hexenkessel so viel Überblick zu bewahren wie zuletzt in Leverkusen, dann kann sie Köln in einer Art Eskalationsspirale zu Fehlern verleiten und sie selber eiskalt nutzen.

normal_ug020_5929_030416Ansonsten ist es natürlich möglich, das Spiel auch unter regulären Stimmungsgesichtspunkten zu gewinnen – und zu verlieren. Für Köln ist es nach dem Spiel am Wochenende in Berlin schon der zweite Härtetest. Dass die Partie dort verlorenging, wenn auch knapp, könnte ein weiterer Vorteil sein, denn die Kölner dürften in ihrer bisherigen Selbstgewissheit gerade etwas erschüttert sein. Und Mauern, die Risse aufweisen, sind definitiv leichter zum Einsturz zu bringen. Folglich kann die Hoffenheimer Marschrichtung nur heißen, geduldig und kaltblütig mitten hinein in die augenblicklich von sich selbst verzückte Kölner Gefühlswelt zu spielen! Auf geht’s, Hoffe…

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Fotos:
Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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Alexander H. Gusovius