Drei mal drei macht neun…

Drei Siege nacheinander, neun Punkte! Und das wirkt sich nicht nur auf die Stimmung aus, sondern auch auf den Tabellenstand: Ein Platz im oberen Drittel ist der Lohn, für den Augenblick. Punktgleich mit Dortmund…

Auch Trainer Nagelsmann wird’s gefallen – dessen Ehrgeiz zu groß ist, um sich mit serienweisen Remis anzufreunden. Gleichzeitig hat er aber ausreichend Bodenhaftung, um die Tabellenplatzierung nicht zu überschätzen, bei der selbst Bayern München nur vier Punkte Vorsprung vor unserer Mannschaft hat. Er weiß auch, dass die Wochen der Wahrheit jetzt erst kommen: Nächste Woche geht’s nach Leverkusen, dann reist die Hertha an, zwischendrin wird Pokal in Köln gespielt.

normal_ug069_2039_151016Am 10. Spieltag, ab dem die Tabelle gewöhnlich erste belastungsfähige Betrachtungen zulässt, fahren wir dann nach München, und am 11. Spieltag kommen Hamburg und Markus Gisdol nach Sinsheim, just an jenem Spieltag also, ab dem Gisdol letzte Saison nicht mehr Trainer der TSG war. Langer Rede kurzer Sinn: Was wir gerade erlebt haben, ist wunderbar. Viel wichtiger ist jedoch die stetige Weiterentwicklung der Mannschaft, ihre zunehmende Stabilität, ihre Geschlossenheit, was man nicht zuletzt an Sandro Wagner ablesen kann, der nicht mehr wie ein feuerspeiender, grantig-kantiger Fremdkörper wirkt und permanent herumgestikuliert, sondern sich konstruktiv integriert hat.

normal_ug099_2348_151016Und darum sollte man keinesfalls abheben, wie es in Köln gerade geschieht, wo eine ganze Stadt sich wegen des momentanen zweiten Tabellenplatzes als Bayernjäger fühlt (was uns aber recht sein kann, falls sich das auf die Kölner Mannschaft überträgt, indem dadurch die Chancen steigen würden, dort im Pokal siegreich vom Platz zu gehen). Auch gegen Freiburg war am Samstag wieder ein Schritt nach vorn zu besichtigen. Zum einen hatte Julian Nagelsmann die gleiche Besetzung aufgeboten wie letzte Woche und scheint damit inzwischen so ungefähr seine Stammformation gefunden zu haben, zum anderen schwankten Leistungsfähigkeit, Spielfluss und Konzentration nochmals weniger.

normal_ug063_2007_151016In der ersten Halbzeit war es noch ein mühsames, ausgeglichenes, von strategischen Belangen ausgebremstes Spiel, das förmlich auf den ersten gravierenden Fehler wartete. Den beging in der 34. Minute Freiburgs blutjunger Verteidiger Söyüncü, der in Bedrängnis einen katastrophalen Rückpass auf Torhüter Schwolow bzw. Wagner in den Lauf spielte. Der nahm den Ball dankend an, umkurvte Freiburgs Torhüter und netzte aus sehr spitzem Winkel souverän ein. Wagner ist damit endgültig in Hoffenheim angekommen.

normal_ug039_1777_151016Nach der Pause stellte Freiburg um, was den Breisgauern nicht bekam. Die wuchtige Fünferkette der ersten Halbzeit wurde aufgelöst, ohne dass sich wie erhofft mehr Durchschlagskraft im Angriff einstellte. Wenigstens verlagerte sich die Partie jetzt endlich immer öfter vom Mittelfeld in die Angriffszonen, wobei Hoffenheim wieder mal mehrere herausragende Chancen ausließ, das nächste Tor zu erzielen und damit den berühmten Sack zuzumachen.

normal_ug054_1923_151016Aber warum soll man sich das Leben leicht machen, wenn man aus den schwierigen Kapiteln des Lebens viel mehr lernt? Eine knappe Führung herzugeben und am Ende trotzdem zu gewinnen – so etwas stärkt die Moral und prägt den Zusammenhalt. Dazu galt es noch einige Schrecksekunden zu überstehen, beginnend mit der Auswechslung der beiden Mittelfeldmotoren Rupp und Demirbay. In der anschließend fehlenden, klaren Zuordnung machte Söyüncü seinen Fehler mit einem langen, feinen Pass auf Niederlechner wieder wett, der Baumann in der 77. Minute unhaltbar überlupfte.

normal_ug013_1599_151016Unsere Mannschaft ging daraufhin jedoch sofort weiter nach vorn und wurde durch einen Elfmeter belohnt, den Schiri Aytekin nach Foul an Rudy völlig zurecht gab, vor allem wenn man bedenkt, dass eine ebenfalls strafstoßwürdige Situation zuvor nicht entsprechend gewürdigt worden war. Die Freiburger regte das auf dem Feld und außerhalb trotzdem mächtig auf, Kramaric dagegen blieb die Ruhe selbst und chippte den Ball vom Elfmeterpunkt zum 2:1 in die Mitte – ein vollendeter Salihovic-Gedächtnis-Elfer!

normal_ug091_9282_151016Kurz darauf war Schluss, Freiburg unterlag verdient gegen eine in vielen Belangen überlegene TSG, die sich jetzt nur nicht verrückt machen lassen darf, um die nochmals nötige Steigerung für das nächste Spiel in Leverkusen nicht zu gefährden. Dort gab es für uns zwar in der Vergangenheit selten viel zu holen, aber die Werkself ist momentan etwas verunsichert und rangiert nach der Niederlage in Bremen drei Punkte hinter Hoffenheim nur auf Platz 9. Kevin Volland, der so gern Teil einer erfolgreicheren Mannschaft werden wollte, wird’s ein bisschen wurmen.

Fotos: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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