Ein heißer Tanz…

Schalke kommt: mit neuem Trainer, mit neuem Manager, mit null Punkten aus vier Spielen. Der Frust sitzt tief bei den Knappen; der angepeilte Erfolg, der Start in eine bessere Zukunft droht sich ins Gegenteil zu verkehren. Gegen Hoffenheim wird man am Sonntag darum alles daran setzen, den Turnaround zu schaffen.

Am Einsatzwillen von Schalke lag es nicht, dass auch das letzte Spiel daheim gegen Köln verloren wurde. Eher daran, dass Köln ähnlich tief stand wie Darmstadt gegen uns und sein Glück rein über Konter suchte, sodass Schalke sich permanent festspielte und kreativ ins Leere lief. Und daran, dass Schalke, nachdem die Knappen trotzdem ihr erstes Tor erzielt hatten und endlich mal in Führung lagen, schon zwei Minuten darauf den Ausgleichstreffer eingeschenkt bekamen – und sich erneut festspielten und erneut ins Leere liefen. Das hat der Mannschaft den Stecker gezogen.

normal_ug110_8950_140516Was sagt uns das alles? Dass am Sonntagnachmittag ein Gegner zu erwarten ist, der mit dem Rücken zur Wand steht. Der nach einem Sieg förmlich giert, der bereit ist, alles zu tun, was dafür nötig sein wird – und extrem leicht zu verunsichern ist. Ein angeschlagener Boxer kommt nach Sinsheim, mit einem tiefen Cut über der Augenbraue, mit einem zugeschwollenen Auge. Es braucht eigentlich nicht viel, ihn zu Boden gehen zu lassen. Ein, zwei klare Treffer würden den Kampf entscheiden.

normal_ug097_4448_140516Aber es braucht sie eben, diese klaren Treffer. Sonst kämpft sich der gereizte, angeschlagene Boxer zurück und deckt Hoffenheim mit einem Schlaghagel zu. Und Hoffenheim ist selber verunsichert – wegen später Gegentore und vier Unentschieden aus vier Partien. Vergleichsweise steht man damit natürlich viel besser da. Innendrin jedoch sieht es anders aus. Auch der Hoffenheimer Auftakt in die neue Saison unterlief die Erwartungen, vor allem an sich selbst.

normal_ug146_9262_140516Nach der furiosen Aufholjagd und dem glücklichen Nichtabstieg letzte Saison wollte man diesmal ganz anders in die neue Saison starten. Der Glaube daran war groß, die Realität fällt etwas anders aus. Und darum ist der Glaube an sich selbst, der zurückkehrende Glaube an sich selbst die entscheidende Frage am Sonntag: Zwei Mannschaften treffen aufeinander, die nicht so recht wissen, wo sie stehen, und ihrem verschieden verfehlten Saisonstart die entscheidende Wende geben wollen. Klar ist, dass beide, um wieder an sich glauben zu können, kämpfen werden bis zum Umfallen.

normal_ug096_8791_140516Denn die letzten Ereignisse haben sich jeweils tief eingegraben. Keine der beiden Mannschaften will so weitermachen. Und deshalb wird es ein heißes Match, ein Tanz auf dem Vulkan. Man lehnt sich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man 90 Minuten Vollspannung erwartet: außer Schalke oder Hoffenheim erwischt eine Torserie und führt zur Halbzeit schon mit 3:0. Andererseits, das hat man in Mainz gesehen, können selbst drei Tore Vorsprung rasch dahinschmelzen, wenn ein Team sich wieder aufrafft und an das Unmögliche, an sich selbst glaubt.

normal_ug140_9235_140516Nachlässigkeiten, Träumereien, Selbstzufriedenheiten werden am Sonntag nicht zu besichtigen sein. Beide Teams werden offen in den Kampf gehen, keiner wird sich wie Köln oder Darmstadt in der eigenen Hälfte einbetonieren. Damit ist alles angerichtet für ein Fußballspiel, wie man es mag, für ein leidenschaftliches Duell über das gesamte Spielfeld, für rasch wechselnde Bilder, mit Ballstaffetten und Zweikämpfen, mit Flügelläufen, vielen Torszenen und herausragenden Einzelleistungen.

Wie das Spiel ausgeht? Die Chancen auf einen Heimsieg stehen nicht schlecht! Aber leicht wird es nicht, Schalke wird sich teuer verkaufen. Was das Match entscheiden wird, ist der Glaube an den möglichen Sieg. Den brauchen wir als Fans, den braucht unsere Mannschaft, und die Mannschaft braucht uns als Fans… Auf geht’s, Hoffe!

Fotos:

Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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