Grüße vom Murmeltier

Besonders originell ist er ja nicht, der Bezug auf „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray in der Hauptrolle. Aber sonderlich originell war auch das vierte Hoffenheimer Unentschieden in Folge nicht: gestern, unter Flutlicht, in Darmstadt. Und da denkt man eben, ob man will oder nicht, an jene Endlosschleife in einem der lustigsten Filme aus Hollywood, in dem lange Zeit täglich immer wieder dasselbe geschieht.

Die ganze Partie hatte etwas ausgesprochen Vorhersehbares. Darmstadt stand tief, verlegte sich aufs Zubetonieren des Strafraums – leider ziemlich erfolgreich –, und auf gelegentliche Konter. Letztere blieben lange, sehr lange Zeit derart folgenlos, dass man sich schon daran gewöhnte, dass all die Schüsse entweder drüber oder vorbei gingen oder von Olli Baumann glänzend entschärft wurden. Was hätte auffallen sollen, vor allem den Hoffenheimer Akteuren auf dem Platz, war die Anzahl der Konter, die leise anstieg, und ihre zunehmende Gefährlichkeit.

Das war schon in der ersten Halbzeit so, als sich unsere Mannschaft nach den vielversprechenden Anfangsminuten zusehends festspielte in dieser vielbeinigen, wild entschlossenen, aber nie unfairen Darmstädter Strafraumverschnürung. Denn je näher es Richtung Pause ging, je öfter und bedrängender wurden die Nadelstiche des Gegners – ohne dass man, wie gesagt, übermäßig Befürchtungen hegte. Bis zur Pause war das ein harmloses, ratloses Spiel, das nicht viele fußballerische Glanzpunkte aufwies.

Das sollte sich in der zweiten Halbzeit rasch ändern, als Kramaric kurz nach dem Wiederanpfiff von der Strafraumkante aus abzog und das 1:0 erzielte. Die TSG ging jetzt viel entschlossener und ideenreicher zuwerke, besonders nachdem Vargas für Kramaric eingewechselt worden war. Seine feine Technik machte den Unterschied: sicheres Dribbeln, kluges Anspiel, kein Ballwegspringen. Doch bald darauf, als klar zu sein schien, wer hier die Partie dominierte, nämlich Hoffenheim, gab ausgerechnet Hoffenheim das ideenreiche Spiel auf und lud Darmstadt ein, aus der sichtbaren Unterlegenheit auszubrechen.

Inzwischen war Rupp gegen Polanski eingewechselt worden – und dessen robuster Stil sollte der TSG bald ebenso fehlen wie Kramarics filigrane Torgefährlichkeit. Wagner, Uth und Vargas kamen immer mal wieder halbwegs gefährlich vors Tor, aber es schien der letzte Wille, die letzte Überzeugung zu fehlen. Das galt auch für die Rückwärtsbewegung, zu der es nun öfter kam bzw. hätte kommen müssen, weil Darmstadt, je näher der Schlusspfiff rückte (und im Wissen, nichts zu verlieren zu haben), immer mehr Konter vortrug, die immer wieder allzu leicht durch die Reihen der TSG liefen.

Als der Schiedsrichter dann jedoch drei Minuten Nachspielzeit anzeigte, schien es vollbracht. Gleich würde der erste Dreier der noch einigermaßen frischen Saison bei diesem unbequemen Gegner eingefahren sein – dachten die Spieler der TSG gelöst. Für die Darmstädter Mannen jedoch boten jene Extra-Minuten die letzte Gelegenheit, den Hals gerade noch aus der Schlinge zu ziehen… Und darum liefen sie wie um ihr Leben Richtung Baumann, während unsere Mannschaft einigermaßen entspannt (in der Gewissheit, dass hier nichts mehr anbrennen würde) den Schlusspfiff erwartete.

Die Pfeife des Schiedsrichters ertönte denn auch alsbald, leider nur infolge des Darmstädter Ausgleichs. Halbrechts hatten sich die Lilien weitestgehend ungestört nach vorn gespielt, wurden am Flanken nicht und nicht am sich Freilaufen gehindert und konnten den Flankenball, von Baumann unglücklich vor deren Füße geklärt, ganz und gar unbedrängt einschieben. Und so stand es am Ende, zum vierten Mal, wieder unentschieden. Und das war, wenn man sich die Anzahl der Torchancen und ihre Gefährlichkeit vor Augen führte, aus Darmstädter Sicht gar nicht mal unverdient. Ein Gran zu viel Selbstzufriedenheit, eine Idee zu viel Träumerei und jede Menge Unaufmerksamkeit seitens der TSG hatte die Tür für den Underdog weit geöffnet – und Darmstadt war fröhlich winkend einfach hindurchspaziert.

Danach saß der Frust bei allen Hoffenheimer Spielern, Verantwortlichen und Fans tief. Grimmige Blicke, heimliche Flüche und namenloses Entsetzen liefen durch die Reihen. Dabei war, wenn man etwas darüber nachdachte, nichts wirklich Schlimmes passiert. Natürlich, die drei Punkte waren weg, der Sieg förmlich verschenkt. Doch vier Spiele ohne Niederlage sind wahrlich kein Beinbruch, die Saison ist noch jung. Man muss sich, bei aller Sehnsucht nach Siegen, einfach vor Augen halten, dass die Mannschaft bei Weitem noch nicht eingespielt ist und es auch nicht sein kann. Wenn sie es ist, werden Siege schon folgen. Bis dahin sollten wir alle, auch wenn man solche Schrecksekunden kurz vor Spielschluss wirklich nicht begrüßen muss, mit dieser neu formierten, jungen Mannschaft und mit ihrem jungen Trainer etwas Geduld haben.

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