40-mal probiert…

… 40-mal ist nix passiert… Unglaublich, oder? Kein Tor, weder hüben noch drüben. Und dabei gab es anscheinend in keinem anderen Bundesligaspiel zuvor jemals so viele Torschüsse, eben 40 an der Zahl, was das Wunder, dass es nicht ein einziges Mal geklingelt hat, noch dreimal größer macht…

Man kann’s auch anders sagen: Was unsere Mannschaft 20-mal an guten Chancen ausgelassen hat, ob vor dem Tor oder in der Torvorbereitung, war zum Haareraufen. Während sich die Wölfe wegen unseres Torhüters ähnlich oft den Pelz gezaust haben dürften. Wenn sie aussichtsreich nach vorn durchkamen, gab es eine sensationell zuverlässige Endstation: Olli Baumann!

Wie schon beim vermeintlichen Plastikgipfeltreffen gegen Leipzig war die Partie gegen Wolfsburg ein besonderes Werbeereignis für den Fußball. In Hochgeschwindigkeit ging es hin und her, über die gesamte Länge und Breite des Platzes, und es war immer nur eine Frage von Minuten, ob die eine oder andere Mannschaft effizienter verteidigte oder angriff. Nach dem 4:4 gegen Mainz hätte die Partie gegen Wolfsburg locker 6:6 ausgehen können.

normal_ug037_3595_170916Es war ein atemberaubendes Spiel zweier Mannschaften, die noch nach ihrer endgültigen Gestalt, nach ihrer Saisonform suchen, die sich aber immer näher herantasten an ein hohes Niveau, das sie weitgehend gegnerunabhängig machen soll. Zu besichtigen war moderner Fußball in der Entstehung, im Reifeprozess. Beide Mannschaften verfügen über Spieler von hohem Ausbildungsstand, denen zum großen Glück noch der letzte kleine individuelle und mannschaftliche Schritt fehlt – der so leicht jedoch nicht zu bewerkstelligen ist und angesichts der extremen Leistungsdichte über Wohl und Wehe in der Liga entscheidet.

normal_ug051_3685_170916Gerecht war das torlose Remis allemal. Während Wolfsburg defensiv manchmal ein bisschen lustlos wirkte, erschien Hoffenheim diesmal offensiv ein wenig ziellos. Dafür verteidigte unsere Mannschaft mit allen Fasern, während Wolfsburg die strukturierteren Angriffe vortrug. Sollte es beiden Vereinen gelingen, die jeweiligen Schwachstellen oder Schwächephasen zu beseitigen, dürften sie mittelfristig ein Wörtchen in der oberen Tabellenhälfte mitzureden haben. Die morgen beginnende englische Woche bietet dafür beste Gelegenheit. Die Wölfe empfangen erst Dortmund und fahren dann nach Bremen, während Hoffenheim zunächst nach Darmstadt fährt und danach Schalke empfängt.

Letztlich ist es uns natürlich mehr oder weniger egal, was Wolfsburg aus seinem großen Potential macht. Wirklich spannend ist für unsereins, ob wir morgen in Darmstadt den ersten Dreier holen bzw. erkämpfen, denn mit Spielkultur allein wird der hessische Underdog nicht zu zähmen sein. Die mannschaftliche Leidenschaft, die gegen Wolfsburg auf den Platz gebracht wurde, kann optimistisch stimmen. Hoffentlich wieder mit dabei: Niklas Süle. Wie er im ZDF-Sportstudio den Ball nur ganz leicht mit der Pike Richtung Torwand beförderte, macht ein bisschen skeptisch. Andererseits hat Vogt ihn überraschend gut ersetzt, immerhin mehr als eine Halbzeit lang.

normal_ug097_4001_170916Die drei Punkte, einer nach dem andern mühsam zusammengetragen, sind nach drei Spieltagen noch kein Ruhmesblatt. Aber unsere Mannschaft wirkt lern- und steigerungsfähig und ringt für den Augenblick vielleicht noch mehr um ihre eigene Performance statt mit dem Gegner. Je schneller dieser sozusagen schulische Effekt überwunden ist, umso besser. Dann kann sich egal welcher Gegner auf allerhand gefasst machen.

Fotos: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius