Im Vorbericht hatte ich ja schon darauf hingewiesen: TSG-Spiele gegen Mainz sind selten torarme Begegnungen. Und bis zur Halbzeit, als es 4:1 für Mainz stand, schien sich diese Ansage auch in ziemlich unerfreulicher Weise einzulösen. Kurz zuvor hatte Wagner zwar das 3:1 erzielt und für einen Moment die Hoffnung geschürt, unsere Mannschaft könnte sich vielleicht zu größeren Taten aufschwingen. Noch kürzer zuvor hatte aber Mainz schon wieder zugeschlagen.

Als es dann eben mit 4:1 in die Pause ging, schien „die Messe gelesen“, wie man altertümlich gern mal sagt. Meint so viel wie: Das war’s, Hoffe kaputt, kommt nix mehr… Von wegen! Nagelsmann hatte schon vor der Halbzeit Uth für Schär eingewechselt, der in der Dreierkette hinten das schwächste Glied war, und auf eine Viererabwehr umgestellt. In der Pause brachte er Kaderabek für Toljan, der ebenfalls einen schwachen Tag erwischt hatte. Und nachdem in der 57. Minute der Mainzer Bussmann nach Foul am einschussbereiten Kramaric die rote Karte sah, durfte Szalai für Polanski auflaufen.

Mancher hatte sich gewundert, dass Szalai es überhaupt in den Kader geschafft hatte. Mag sein, der Trainer wollte sich damit ein Hintertürchen offenhalten für den Fall, dass die Mannschaft gegen Ende zurückläge und noch ein magisches Extraplus der beliebten Marke „Ex-Stürmer trifft gegen Ex-Klub“ bräuchte: Vermutlich hatte die Berufung aber auch trainingsbedingte Gründe. Egal wie, es kam, wie es kommen musste, Szalai schenkte Mainz ein äußerst schmerzhaftes Tor ein, das letzte dieser furiosen, torgewaltigen Begegnung, und rettete uns wenigstens einen Punkt und ersparte uns mindestens das: eine Blamage.

Denn in der ersten Halbzeit wirkte Hoffenheim derart harmlos und verspielt, derart zahnlos und verwirrt, dass man das Schlimmste befürchten musste, auch wenn die Umstellung vom 3-4-3 auf ein 4-4-2-System in der 36. Minute schon eine Verbesserung bewirkt hatte. Doch in der Halbzeitpause setzte es offenbar endgültig passende Worte, und fortan ging Hoffenheim weniger jugendlich zur Sache. Dass Hoffenheim es tatsächlich schaffte, drei Tore aufzuholen, bewies dann, dass in den blauen Hemden doch echte Männer steckten, die ihr Herz in die Hand zu nehmen wissen.

Zwei Männer taten sich dabei besonders hervor: Kramaric und Uth. Konnte sich letzterer durch zwei wunderschöne Tore auszeichnen, bestach ersterer durch seinen enormen Kampfgeist und den nie nachlassenden Willen, Tore wenn schon nicht selber zu erzielen, dann doch wenigstens vorzubereiten, was ihm auch dreimal gelang –  während Trainer Nagelsmann durch die Fähigkeit überzeugte, seine anfangs gewählte Aufstellung und Taktik schlicht über den Haufen zu werfen, als klar wurde, dass er an diesem späten Sonntagnachmittag mit beiden ziemlich danebengelegen hatte.

Es war ein wildes Spektakel, das unsere TSG hier wieder mal bot, aber eines, das die Mannschaft enger zusammenwachsen und tiefer reifen lassen kann, als es ein dünnes, glückliches 1:1 vermocht hätte. Kaderabek und Uth, beide nicht in der Startaufstellung, sind aus der Mannschaft anscheinend nicht wegzudenken, Süle und Bicakcic wirken wie ein Fels in der Brandung. Im Mittelfeld scheint sich Rupp immer mehr aufzudrängen, Kramaric ist ein Juwel. Unklar wirkt noch die Position des linken Außenverteidigers, ähnlich die beste Besetzung des defensiven Sechsers. Aber da werden die nächsten Spiele Klarheit bringen. Mit dem in Halbzeit 2 gelegten Fundament darf man gespannt sein auf die Partien gegen Wolfsburg, Darmstadt, Schalke und Ingolstadt, die ab nächstem Samstag innerhalb von 14 Tagen aufeinander folgen. Spätestens dann werden sich in diesem hochinteressanten Mix von Spielen die Stammelf und ihre Varianten herauskristallisiert haben.

Bis dahin wird auch die widerwärtige Attacke auf unsere Fans, die gutgelaunt per Boot unterwegs nach Mainz waren und in Mannheim von einer Brücke herab mit Eimerladungen von Fäkalien bombardiert wurden, halbwegs verarbeitet sein. Vergessen sein wird dieser gemütskranke Auswuchs völlig verblödeter Anti-Hoffenheimer jedoch hoffentlich nicht. Denn Vorfälle solcher Art haben nur eines verdient: den möglichst langen und intensiven Nachklang vor Gericht!

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Alexander H. Gusovius