Schweinsteiger ging, Süle kam…

… und Volland war auch dabei, als Basti, der nicht mehr Schweini genannt werden möchte, seine Fußballstiefel zum letzten Mal für die deutsche Nationalmannschaft schnürte. Imgrunde geht es uns ja nichts mehr an, was Volland so tut und lässt, schließlich stürmt er jetzt für Bayer Leverkusen, aber: Einmal Hoffe, immer Hoffe! Im Prinzip jedenfalls. Als Compper letztens für RB Leipzig in Sinsheim auflief, war nicht mehr viel davon zu spüren, dass er mal ein wichtiger Player in Hoffenheimer Farben war.

Manche Spuren verwehen eben. Andere beginnen sich gerade erst abzuzeichnen, und dazu gehören ganz bestimmt die mächtigen Fußabdrücke von Niklas Süle. In Sachen TSG längst in der Kategorie ‚Walk of Fame‘ unterwegs, hat er gestern Abend in Gladbach zum ersten Mal ins deutsche Leibchen schlüpfen dürfen, als eine Art Kennenlerntest im Spiel gegen Finnland. Jogi Löw macht das ja gern so, dass er jüngere Spieler hier und da mal einlädt – oft genug ohne substantielle Folgen, was auch Rudy schmerzhaft erfahren durfte. Im Fall von Süle mag man an ein ähnliches Schicksal jedoch nicht glauben, früher oder später (wahrscheinlich früher) wird er sich auch in den deutschen Farben durchsetzen.

Für Hoffenheim liegt darin eine schöne Bestätigung des eingeschlagenen Wegs, der wesentlich darauf gründet, dass junge Spieler bei der TSG im Fußball und fürs Leben ausgebildet werden und sich in unserer Profi-Mannschaft bewähren: Süle ist der erste, der das komplette TSG-Programm durchlaufen hat und in der Nationalmannschaft aufschlägt. Und wie immer hat er seine Arbeit dort effizient und denkbar unaufgeregt verrichtet. Einen fulminanten Schuss von der Strafraumkante Richtung Tor gab’s als Dreingabe dazu, den Finnlands und Frankfurts Torhüter Hradecky leider gerade noch entschärfen konnte.

Für Bastian Schweinsteiger muss es ein seltsames, vielleicht auch schönes Zukunftsgefühl gewesen sein, umgeben von so vielen Jungspunden sein letztes Spiel zu bestreiten. Außer Süle und Volland waren bspw. Bellarabi, Brandt, Kimmich und Meyer mit von der Partie. Spät erst, als Süle und Schweinsteiger das Feld verlassen hatten, zogen dort auch Özil und Müller ihre Kreise. Die meisten etablierten Nationalspieler durften zuschauen. Man wird sehen, ob es der Nationalmannschaft bekommt, ihre Kerntruppe „aus der kalten Hose“, wie Löw es formulierte, am Sonntag gegen Norwegen ins Rennen zu schicken.

Sportlich gesehen war die Partie gegen Finnland, die mit einem 2:0 für Deutschland endete, damit ohne große Bedeutung, aber das dürfte Süle ziemlich egal sein. Er hat nach der Silbermedaille in Rio ein weiteres Highlight seiner noch jungen Karriere erleben dürfen. Und noch einer aus der Hoffenheimer Talentschmiede hat sich gestern freuen dürfen, ebenfalls über Silber: Philip Ochs ist mit der Fritz-Walter-Medaille für herausragende deutsche Nachwuchsspieler ausgezeichnet worden. Kein schlechter Tag für die TSG!

Foto: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius