Start in die neue Saison

In Zuzenhausen, zwischen den Trainingslagern, hat die TSG gestern ein Testspiel gegen den FC Vaduz aus Liechtenstein veranstaltet – und 4:0 gewonnen. Bevor jedoch jemand meint, gegen einen Verein aus der Zwergliga des Zwergenstaats Liechtenstein hätte vielleicht ein 40:0 dabei herausspringen müssen: Vaduz spielt erstklassig in der Schweiz, in der Schweizer Raiffeisen Super League, und kämpft sich gerade durch die Qualifikation für die Euro-League. Der Gegner war also kein Niemand.

Außerdem startet die neue Saison in der Schweiz bereits in zwei Wochen. Entsprechend gut im Saft präsentierte sich die Liechtensteiner Truppe, die mit muskulösen Männern nur so gespickt zu sein schien: echte Kampftypen, gegen die sich Kapitän Rudy in der ersten Halbzeit wie ein filigraner Tänzer ausnahm. Das taktische Gerüst von Vaduz bestand denn auch aus einer starken Defensive, aus der heraus immer wieder zu Kontern angesetzt wurde, die oft im Abseits landeten oder von der TSG souverän abgefangen wurden: Bicakcic, Süle, Kim und Toljan waren jederzeit auf der Höhe des Geschehens.

Ihren ersten Auftritt im neuen Trikot der TSG feierten in der ersten Halbzeit Lukas Rupp, Kevin Vogt und Sandro Wagner, in der zweiten Kerem Demirbay und Marco Terrazzino, der Heimkehrer. Dabei tat sich besonders Rupp hervor, der mit der 7 auf dem Rücken (eigens mit Vukcevic abgesprochen) eine Art Dauerunruheherd im Mittelfeld war: sehr lauffreudig, sehr kreativ. Vogt auf der Sechs wirkt ebenfalls wie ein kreativer Kopf mit hohem Potential. Seine schlaksige Physis auf schmalen Beinen überrascht etwas, aber er scheint viel Dynamik und besondere Übersicht in sich zu vereinen.

Sandro Wagner tat sich anfangs mit großer Explosivität hervor und wirbelte durch die gegnerischen Reihen, wurde jedoch im Verlauf der ersten Halbzeit weniger oft ins Spiel nach vorn eingebunden. Das offensive Mittelfeld samt der Außenstürmer aus Rudy, Schmid und Zuber, der das einzige Tor in Halbzeit 1 erzielte, ließ ihn leider etwas außen vor. Überhaupt wirkte die Startmannschaft etwas uneingespielt, was zum jetzigen Zeitpunkt ja auch kein Wunder ist, aber für einen Zentrumsstürmer besondere Nachteile hat. Trainer Nagelsmann war denn auch nicht recht zufrieden mit dem Auftritt bis zur Pause.

Anders danach, als er bis auf die Innenverteidiger komplett durchwechseln ließ. Die ersten zwanzig Minuten der zweiten Halbzeit wurden dadurch außergewöhnlich unterhaltsam. Mit den extrem hoch agierenden Außenverteidigern Hamad und Geiger, dessen Spielkunst wir noch vor wenigen Wochen im Mittelfeld der U-19 bewundern konnten, mit dem ebenfalls aus dem eigenen Nachwuchs stammenden Atik, mit Terrazzino, Demirbay und Uth stürmte die TSG derart unwiderstehlich und bedingungslos nach vorn, dass man sich an eine Meute von jungen Hunden erinnert fühlte.

Dahinter versahen Schwegler und Polanski gewohnt spielstark die Arbeit im defensiven Mittelfeld, so dass Vaduz kaum noch Gelegenheit zu Kontern bekam, während die TSG den Score alle paar Minuten erhöhte, zweimal durch Uth und einmal durch Demirbay, bis schließlich die Kräfte aller Akteure an diesem heißen Nachmittag, der sich tatsächlich wie ein echter Sommernachmittag anfühlte, nach Ruhe verlangten. Unterm Strich hat man viele ansprechende Auftritte gesehen, die absolut Lust auf die neue Saison machen.

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Wie es aussieht, hat Julian Nagelsmann da einen richtig guten, sehr interessanten Kader beisammen. Möglich, dass der eine oder andere noch geht und hier und da sogar eine Neuverpflichtung ansteht – das Gefüge dieses quicklebendigen Kaders, bei dem ja noch Ochs, Kramaric, Schär, Vargas und Neuling Hübner fehlten, wird davon unberührt bleiben. In den kommenden Wochen wird es in die Feinabstimmung gehen. Und wir dürfen gespannt sein wie lange nicht mehr…

Fotos: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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