Auf leisen Sohlen: Rudy und die U-19

Auf feinen, leisen Sohlen hat die U-19 der TSG am Sonntag das Finalspiel um den Titel als Deutscher Meister zu gewinnen versucht – aber leider verloren. Der physischen Überlegenheit der Jungspieler aus Dortmund war mit jenem herausragenden Kombinationsspiel nicht beizukommen, mit dem man in den beiden Halbfinalspielen Bremen keine Chance gelassen hatte.

An anderer Stelle wurde im Scherz gemutmaßt, einige der kräftigen Dortmunder Jungs könnten ihre Spielerpässe rückdatiert haben, so groß oder kantig oder bullig trabten sie über den Rasen. Im Endeffekt war hier aber nur ein anderes fußballerisches Prinzip zu besichtigen – statt der auf Technik und Tempo, Spielentfaltung und Präzision ausgelegten Hoffenheimer Philosophie hält man sich in Dortmund offenbar an ein einfacheres Bild vom Fußball. Das da heißt: körperbetont stören und blitzschnell kontern.

normal_ug082_2217_290516Und die Dortmunder haben beides weit entwickelt. Jeder ballführende Hoffenheimer wurde sofort von zwei oder drei Dortmundern attackiert, so dass es den vergleichsweise schmalen, filigranen Kraichgau-Jungs schwer fiel, den Gegner wie gewohnt mit glanzvollen Kurzpässen schwindlig zu spielen. Als dennoch erste hoffnungsvolle Ansätze zu sehen waren, schlug Dortmund bereits zu, nach einem Fehlpass der TSG. Dieser frühe Gegentreffer in der 4. Minute erschütterte die jugendliche Truppe doch sehr, fast bis zum Ende der ersten Halbzeit. So lange dauerte es, bis Hoffenheim sich wieder gefangen hatte und endlich Mittel und Wege fand, die robusten Dortmunder auszuspielen. Und siehe da, schon gerieten die scheinbar so fest gefügten Dortmunder Reihen ins Wanken, ihre kantige Ordnung löste sich auf, die TSG kam zu Chancen und glich in der 33. Minute durch Geiger aus. Danach war die Partie offen, bis zum Halbzeitpfiff.

normal_ug036_1570_290516Alle Hoffnungen auf ein ausgeglichenes Spiel wurden pulverisiert, als Dortmund in der 48. und 50. Minute einen Doppelschlag landete. Die jungen Hoffenheimer schienen nach der Pause noch nicht ganz sortiert zu sein, agierten unaufmerksam und luden den Gegner zu beiden Toren förmlich ein. Damit liefen sie nun einem noch größeren Rückstand hinterher, ließen sich davon jedoch nicht entmutigen und schafften es tatsächlich gleich im Anschluss, auf 2:3 zu verkürzen. Danach gab es ein paar gute Ansätze, nochmal ins Spiel zurückzufinden, doch als Dortmund in der 66. Minute auf 2:4 davonzog und die gepeinigten knapp 15.000 Zuschauer sich in der WIRSOL-Rhein-Neckar-Arena schon wieder von der mitgebrachten Dortmunder Torhymne beschallen lassen mussten, war die Partie so gut wie entschieden.

normal_ug112_2562_290516In der 83. Minute fiel dann sogar noch das 2:5, das die TSG in der 89. Minute wenigstens auf ein optisch erträgliches Endresultat von 3:5 abmildern konnte. Im Endeffekt gewann Dortmund verdient, ohne wirklich besser gewesen zu sein – der BVB hatte bloß ein simpleres Konzept robuster vortragen können, während die TSG, vielleicht auch wegen des Umzugs vom vertrauten Hoffenheimer Dietmar-Hopp-Stadion in die Sinsheimer Erstliga-Arena samt ligareifem Anfeuern durch die Südkurve, sich vielfältig beeindrucken ließ und dem Spiel so nie richtig den Stempel aufzudrücken vermochte.

normal_ug093_2334_290516Auf ähnlich feinen, leisen Sohlen hat sich Rudy in die Nationalmannschaft gespielt. Nach seinem gelungenen Auftritt Sonntagabend gegen die Slowakei dürfte er kaum zu den vier Unglücklichen gehören, die Bundestrainer Löw am Dienstag nachhause schicken wird. Wieder war Rudy als rechter Außenverteidiger unterwegs, allerdings vorwiegend mit offensiven Aufgaben betraut, da Löw mal wieder auf eine Dreier-Abwehrkette gesetzt hatte. Ob er das im Turnier auch so hält, darf man zwar bezweifeln, nachdem die Partie gestern ebenso glanzlos verloren ging wie ähnliche Experimente im Vorfeld, aber Rudy ließ keinen Zweifel an seiner Nützlichkeit für das DFB-Team aufkommen. Mannschaftsdienlich, diskret und effizient: das beschreibt Rudys Stil am besten. Besonders in der ersten Halbzeit liefen viele Angriffe auch über ihn, während die Poolparty der zweiten Halbzeit nach Wolkenbrüchen in der Pause ohnehin keine Aufschlüsse mehr lieferte.

normal_ug047_1755_290516Mit dieser halben guten Nachricht und der imgrunde nicht minder guten Nachricht, dass die U-19 ihr Finale zwar verlor, aber zum dritten Mal in Folge in eben jenem Finale stand, geht die Saison 2015/16 endgültig zuende. Bevor die nächste beginnt, findet noch die EM statt, diesmal mit 24 Mannschaften, so dass sie ebenso ausgreifend sein wird wie sonst nur Weltmeisterschaften. Man darf gespannt sein, wie sich die deutsche Mannschaft schlagen wird: Der Hoffenheimblog wird regelmäßig davon berichten…

Foto: Uwe Grün, Kraichgaufoto

Deine Meinung zum Artikel: