Saisonabschluss

Ganz und gar zuende ist die Saison ja noch nicht. Erstmal bestreitet heute um 12.30 Hoffenheim in Bremen das Halbfinalrückspiel um die Deutsche Meisterschaft der U-19, übertragen im Fernsehen auf Sport1. Und da das Hinspiel letzten Dienstag 3:1 gewonnen wurde, stehen die Chancen nicht schlecht, dass die TSG ins Finale einrückt, das dann wieder ein Heimspiel wäre. Wenn unsere Nachwuchsmannschaft erneut so brillant auftritt wie im Hinspiel, sollte das klappen.

Für Fußball ist also einstweilen gesorgt. Außerdem gibt es ja noch die Relegationsspiele, das DFB-Pokalfinale und die EM. Hier machen sich Rudy und Volland berechtigte Hoffnungen, nicht nur zum erweiterten, sondern auch zum endgültigen Kader zu gehören, womit im Fall Rudy sicher zu rechnen ist. Volland hingegen, dem schon zur WM vor zwei Jahren wie einst Andi Beck das schwere Schicksal des Streichkandidaten beschieden war, droht unliebsame Konkurrenz aus den eigenen Reihen.

normal_ug_7026_160809Dem Vernehmen nach steht nämlich Mark Uth auf dem Zettel des DFB-Trainerstabs. Damit wäre er jener Überraschungskandidat, den noch jeder Bundestrainer vor großen Turnieren gern aus dem Hut zauberte. Nachvollziehbar wäre Uths Nominierung allemal, nachdem er in der Rückrunde, vor allem unter Nagelsmann, in schöner Regelmäßigkeit seinen Torriecher unter Beweis gestellt hat und ebenso regelmäßig Tore erzielte. Sollte Volland wirklich den Kürzeren ziehen, wäre es für ihn vermutlich kein Trost, dass es ihm dann vielleicht so gehen könnte wie Andi Beck, der gerade mit Besiktas Türkischer Meister geworden ist.

Uth hat auch am Samstag gegen Schalke getroffen. Zwar ging die Partie 1:4 verloren, aber Uth hatte sein Soll erfüllt. Überhaupt sah die Offensive der TSG so schlecht gar nicht aus, wie es das hohe Endergebnis nahelegt, zu dem Schär mit einem späten Eigentor den passenden Deckel fand. Eher stand die Defensive, zum ersten Mal in dieser Saison ohne Süle (und in Zukunft vielleicht auch, wenn sich die Transfergerüchte bewahrheiten sollten), nicht ganz sicher.

normal_ug046_0115_210811Offenbar fehlte der Mannschaft das letzte Gran Entschiedenheit und Laufbereitschaft, nachdem der Klassenerhalt schon eine Woche zuvor geschafft worden war, so dass die Defensive ausbaden musste, was weiter vorn liegengelassen wurde. Auch machte Jens Grahl, der zum Dank für seine treuen Dienste als Ersatzkeeper vor seinem bevorstehenden Weggang ins Tor durfte, nicht durchweg die glücklichste Figur – hielt aber auch vieles, wie es sich für einen sehr guten Torhüter gehört.

Schalke wiederum hatte noch viel zu gewinnen. Es ging darum, die sperrige Euro-League-Quali zu vermeiden, die jetzt Hertha BSC am Hals hat. Trotzdem muss Trainer Breitenreiter seinen Hut nehmen… Und trotz der Freundlichkeit durch die relativ schwache Gegenwehr der TSG skandierten die Schalker Fans mehrmals die einschlägigen Anti-Hopp-Rufe. Stadionsprecher Mike Diehl fand die genau richtigen Worte dafür, indem er den Rufern unter Verweis auf ihren einigermaßen zweifelhaften Sponsor Gazprom ironischen Respekt erwies.

normal_ug_3621_080510Wie blöde diese Rufereien tatsächlich sind, erhellt sich nochmal mehr, wenn man daran denkt, dass es gerade Dietmar Hopp war, der sich für Julian Nagelsmann stark gemacht hatte. Einem so jungen Trainer, der über nahezu keine Bundesligaerfahrung verfügte, die sportliche Leitung zu übertragen, das erfordert enorme Weitsicht und viel Mut. Und was hat Nagelsmann daraus gemacht! Nahezu aussichtslos war die Lage der TSG, als er das Amt übernahm.

Unter Nagelsmann reihte Hoffenheim dann jedoch einen Heimsieg an den andern, begeisterte die Fans und punktete auch auswärts. Platz um Platz kletterte der sichere Abstiegskandidat in der Tabelle nach oben und hätte bei einem letzten Heimsieg sogar noch Platz 12 erreichen können. Dass es dazu nicht langte, bedeutet finanziell natürlich eine Einbuße, ist aber nicht so wichtig, wenn man mal nachrechnet, wieviel der Abstieg gekostet hätte… In Stuttgart tun sie das jetzt, und jede einzelne Zahl tut mächtig weh, vom verletzten Selbstgefühl ganz zu schweigen!

normal_ug030_6814_071115Für die nächste Saison steht der TSG dennoch ein großer Umbruch bevor. Verabschiedet wurden ja schon Grahl, Strobl, Herdling und Kuranyi – und was ist mit Volland, Süle, Rudy, Schwegler, Bicakcic und Kramaric? Selbst Amiri wird von großen Klubs umgarnt. Wenn jedoch einer mit so etwas umgehen kann, dann Nagelsmann, der in seiner Zeit als U-19-Trainer jedes Jahr eine völlig veränderte Mannschaft vorfand und, wenn man die diesjährige Manschaft mit Recht ihm zuschlägt, dreimal in Folge mindestens das Finale der Deutschen Meisterschaft erreichte und sie einmal sogar gewann!

normal_ug181_4645_140516Insgesamt und unterm Strich sieht es danach aus, als würde der TSG nach ihrem furiosen Endspurt und dem Klassenerhalt ein regelrechter Neustart bevorstehen. Irgendwie will das auch passend erscheinen, die Liga hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Mit Nagelsmann hat Hoffenheim aber wieder einen großen Hoffnungsträger und ebenso inspirierten wie realistischen Fachmann an Bord, der nicht die Selbstinszenierung liebt, sondern den Fußball Marke Hoffenheim. Wir dürfen gespannt sein. Erstens auf die neue Saison und zweitens darauf, wie sich die U-19 schlägt. Denn den einen oder anderen Namen aus der U-19 wird man nächste Saison vermutlich in der ersten Mannschaft auflaufen sehen…

Fotos: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius