Das 5-Mio-€-Spiel

Endlich keine „Mission“ mehr! Die Spielvorschauen des Hoffenheimblogs trugen seit dem Beginn der Rückrunde, als die TSG auf Platz 18 lag, sämtlich das „missionarische“ Wort im Titel, von „Mission Klassenerhalt“ über „Mission Perle“ bis hin zu „Mission Leine los“. Damit ist es Gott sei Dank vorbei – Hoffenheim ist durch, der Klassenerhalt ist geschafft, das letzte Spiel der Saison gegen Schalke hat keinerlei Auswirkungen mehr.
Wirklich gar keine? Oh doch, und zwar beachtliche… Zum einen ist es so, dass Hoffenheim im Fall einer Niederlage noch auf Platz 15 der Abschlusstabelle sinken kann und damit nur ganz knapp vor der Relegation läge. Zum anderen aber, was erheblich gravierender wäre, könnte Hoffenheim mit einem klaren Sieg über Schalke mit dann 40 Punkten noch bis auf Platz 10 klettern. Nämlich dann, wenn Ingolstadt in Leverkusen deutlich verliert und Darmstadt zuhause gegen Gladbach entweder verliert oder nur einen Punkt holt und sich außerdem Augsburg und Hamburg mit einem Remis trennen. Unmöglich ist das alles ja nicht.

normal_ug147_0257_041014Und Platz 10 wäre nicht nur mega-versöhnlich, was die Bilanz des Fußballjahres anbelangt, sondern er wäre auch finanziell von enormem Gewicht. So ca. eine Million Euro ist jeder Tabellenplatz weiter oben bei der Ausschüttung der Fernsehgelder wert. Macht einen Unterschied von satten fünf Millionen Euro zwischen den Plätzen 10 und 15. Demnach wäre auch Platz 11 immer noch eine feine Sache, falls Hamburg oder Augsburg gewinnen sollte und dann 41 Punkte hätte.
So gesehen sollte sich Hoffenheim am Samstag mindestens ein Bein ausreißen, besser zwei. Schalke dürfte das ähnlich halten, weil sich die Knappen bei einem Sieg noch auf Platz 5 der Abschlusstabelle vorarbeiten und dann sehr viel komfortabler in die jetzt schon sicher erreichte, aber mit Platz 7 nur über die Qualifikation begehbare Euro-League-Saison starten könnten – von den Mehreinnahmen bei den Fernsehgeldern mal ganz abgesehen. Die TSG wiederum könnte nach Punkten „die beste Rückrunde aller Zeiten“ von vor zwei Jahren wiederholen, was angesichts des schlechten Rückrundenstarts auch ein besonderer Erfolg wäre.

normal_ug131_0151_041014Zudem wird die TSG nicht ausgerechnet ihr letztes Heimspiel herschenken wollen, nachdem sie sich gerade wieder echte Heimstärke erarbeitet hatte. Man muss allerdings damit rechnen, dass die jetzt nach dem Klassenerhalt hochkochende Gerüchteküche über möglicherweise anstehende Vereinswechsel von Volland, Süle & Co für eine gewisse Unruhe sorgt, die das Leistungspotential der Mannschaft durchaus einschränken könnte. Andererseits wird jeder Spieler, der wirklich mit Wechselabsichten liebäugelt oder gern zur EM fahren will, alles daran setzen, sich nochmal in günstigem Licht zu präsentieren.

normal_ug092_3015_041014Kommt hinzu, dass Schalke 04 selber nicht gerade ordentlich frisiert anreist. Ist es schon an gewöhnlichen Tagen nie windstill in Gelsenkirchen, so steht das Saisonende unter geradezu stürmischen Vorzeichen: Manager Heldt geht, Heidel kommt, ein erneuter Trainerwechsel deutet sich an, was die Fans ja alles noch halbwegs okay finden – nur nicht, dass Chef Tönnies ungeschoren bleibt, den sie für eine relativ unbefriedigende Saison und anderes mehr verantwortlich machen. Beim letzten Heimspiel waren dessen Worte per Mikrofon über die Stadionanlage jedenfalls nicht zu verstehen, so laut gellte das Pfeifkonzert.
Für Hoffenheim bietet sich angesichts der Schalker Protuberanzen die schöne Gelegenheit, nochmal alles zu zeigen, was die Aufholjagd von Platz 18 der Tabelle nach der Hinspielniederlage auf Schalke ausgemacht hat: Spielwitz, Moral, Angriffslust, taktische Variabilität, defensive Stabilität. Der Lohn könnte in finanzieller Hinsicht kaum größer sein. Aber es geht auch um den gefühlten Rückblick auf eine mehr als krasse Saison, um den Eintrag in den Herzen der Fans! Und deshalb: Auf geht’s, Hoffe, mach’s wie die U-19: Kämpfen und siegen!

Zur Unterstützung als Quellen herangezogen: kicker.de

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius