U-19: TSG grandios gegen Werder

Wer glaubt, dass U-19-Fußballspiele eine Art besserer Schülerfußball in teuren Trikots wären, irrt gründlich. Beim gestrigen Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft bspw. traten Hoffenheim und Bremen auf wirklich hohem fußballerischem Niveau gegeneinander an. Besonders Hoffenheim tat sich mit unglaublich schnellen, präzisen, variablen Spielzügen hervor.
Es war ein Genuss, dabei zuzuschauen, natürlich auch für Dietmar Hopp und Julian Nagelsmann, der die Mannschaft ja noch bis zum Februar trainiert hatte. Ebenfalls als Zuschauer dabei: Kevin Volland und Franz Beckenbauer sowie etliche Scouts, die fleißig Notizen auf die mitgebrachten Papierblöcke schrieben, darunter Weltmeister Pierre Littbarski, der beim VfL Wolfsburg seit einiger Zeit den Arbeitsbereich „Spielerbeobachtung und Entwicklung“ leitet…
Das Endergebnis von 3:1 tat ein Übriges, die Zuschauer bestens zu unterhalten. Es hatte leider nur den einen Schönheitsfehler, dass die Junior-TSG die Partie mit 4:0 oder 5:0 hätte gewinnen können bzw. müssen. Die taktische und technische Überlegenheit der Schützlinge von Trainer Kaltenbach war über die gesamte erste Halbzeit und über große Teile der zweiten Halbzeit hinweg derart groß, dass sich Torchancen beinahe im Minutentakt daraus ergaben. Fast immer mit dabei: Philipp Ochs, dessen Bundesligaerfahrung sich auch in der Körpersprache deutlich bemerkbar machte.

normal_ug086_7255_100516Werders Mannen hatten kaum etwas dagegenzusetzen. Außer gelegentlich nach vorn gehauenen, langen Bällen auf ihren Toptorjäger Eggestein und meist nur halb motivierten Fernschüssen ging von ihnen kaum mal Gefahr aus. Zwar hatten die Bremer gleich nach Beginn einen Lattentreffer zu verzeichnen, aber dabei sollte es für lange Zeit bleiben. Stattdessen rollten Mal ums Mal TSG-Angriffe Richtung Werder-Tor, einer schöner als der andere.
Das 1:0 in der 22. Minute war dann auch eine artistische Flanken-Direktabnahme, bei der Otto die Bananen-Hereingabe von rechts in der Luft annahm und den halb herausstürzenden, halb zögernden Bremer Torhüter Pachulski überlupfte. Das 2:0 kurz vor der Pause machte ebenfalls staunen: Geiger trat einen Eckball à la Salihovic so exakt auf den kurzen Pfosten, dass er, hätte der düpierte Pachulski ihn sich per vergeblichem Hechtsprung nicht selber ins Netz gelegt, auch von allein über die Linie geflogen wäre.

normal_ug030_6870_100516Kurz nach der Pause trat Geiger zum Freistoß aus etwa 22 Metern von halblinks an. Leicht von der Mauer abgefälscht, schlug der Ball zum 3:0 ein. Damit waren die Verhältnisse anscheinend endgültig geregelt: Hoffenheim brachte weitere Angriffswirbel aufs Bremer Tor – und vergab etliche schöne Chancen bzw. Gelegenheiten, das Rückspiel am Pfingstmontag in Bremen gegenstandslos zu machen. Und das sollte sich rächen…
Denn irgendwann Mitte der zweiten Halbzeit merkten die Bremer, dass der Torhunger, die Kondition und vor allem auch die Konzentration von Hoffenheim nachließen. Das beflügelte die beinahe schon vernichtend geschlagenen Bremer zusehends, während Hoffenheim im Hochgefühl eines sicheren Sieges immer argloser agierte. Die Folge war das 3:1 durch Eggestein in der 86. Minute, ein Tor mit langer Ansage.

normal_ug050_7076_100516Hoffenheim fährt darum mit „nur“ zwei Toren Vorsprung nach Bremen, was einerseits großartig ist, andererseits auch schade. Aber die Chance, ins Finale einzuziehen, das dann ebenfalls im Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim ausgespielt würde, ist nicht gering. Dann würden sich vermutlich auch mehr als die gestrigen über 2.000 Zuschauer vom Hoffe-Fußball der Youngster verzaubern lassen. Lohnen würde es allemal – was da an Talenten in Hoffenheim nachwächst, ist beeindruckend. Die intensive Jugendarbeit der TSG, ein Herzensanliegen von Dietmar Hopp, hat sich mehr als gelohnt…

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius