Blut, Schweiß und Freudentänze

Die Bilder von Ermin Bicakcic mit blutüberströmtem Gesicht, seine noch im Liegen an die Fans gerichteten, motivierenden Gesten sowie sein furchtloses Zweikampf- und sogar Kopfballverhalten im weiteren Spielverlauf waren die symbolstärksten Bilder am Samstagnachmittag: Eisen-Ermin hat damit dem Sieg über Ingolstadt den Stempel aufgedrückt.

normal_ug042_3817_300416Selbst wenn in den paar Minuten, in denen er behandlungsbedingt fehlte, der Führungstreffer für die Schanzer fiel, wurde in eben diesen Minuten der Grundstein für den späteren Erfolg gelegt. Denn bis dahin war Ingolstadt besser im Spiel gewesen, hatte durch beinharte Zweikämpfe und schnelle Konter die Oberhand gewonnen – und traf dann in Überzahl auch ins Tor. Doch nach der Rückkehr des Kämpfers Bicakcic mit seinem martialischen Kopfverband waren die Reihen wieder geschlossen und sein Funke auf die Mannschaft übergesprungen.

normal_ug016_3485_300416Ohnehin ist die Mannschaft durch Rückstände nicht mehr leicht zu erschüttern und krempelt gerade dann gern die Ärmel auf. Es dauerte demgemäß nicht lang, bis Hoffenheim den Ausgleichstreffer erzielte. Ingolstadt ließ sich davon beeindrucken und griff nach den teilweise überharten Zweikämpfen der Anfangsphase zum nächsten Mittel, das den Underdogs aus Bayern früher als erwartet einen sicheren Platz im Mittelfeld der Tabelle sicherte: zum Umfallen. Und der Schiedsrichter fiel ein ums andere Mal darauf herein.

normal_ug044_3836_300416Schwalbenstadt könnte man Ingolstadt fast nennen, so oft und so flatterig gingen die Schanzer zuboden, wenn sie von Hoffenheimer Gegenspielern nur berührt wurden. Mit so etwas zerstört man, wenn‘s anders nicht gelingt, den Spielfluss einer technisch überlegenen Mannschaft. Und mit ein bisschen Glück kriegt man hier und da noch Konterchancen, die im besten Fall auch noch von Erfolg „gekrönt“ sind… Außer Ingolstadt bedienen sich auch Darmstadt und Augsburg dieses eher unsportlichen Kalküls – das langsam, aber sicher, auf die Nerven geht!
Ebenfalls auf die Nerven geht das Gedöns, das bei Elfmetern inszeniert wird. Als Kramaric zum völlig berechtigten Elfer antrat, zu Beginn der zweiten Halbzeit, da bedrängten die Schanzer den persönlichkeitsschwachen Schiri minutenlang, da wurde die Ausführung im Anschluss nochmal vom Torhüter verzögert und danach auch noch durch Ingolstädter Auswechselspieler, die sich absichtlich neben dem Tor aufhielten und erst umständlich und zeitzehrend weggewiesen werden mussten. Kein Wunder, dass Kramaric seine Konzentration verloren hatte und verschoss, nachdem er ewig auf die Ausführung hatte warten müssen.

normal_ug115_4367_300416Es wäre an den Schiedsrichtern, diesem gesamten Treiben endlich mit gelben Karten Einhalt zu gebieten. Am Samstag in Sinsheim jedoch wirkte das schwarzgelbe Trio auf dem Rasen heillos überfordert und pfiff die Partie zusehends in ein Chaos hinein, das nur deshalb letztendlich ausblieb, weil unsere Mannschaft besonnen genug war, die ständigen Mätzchen zu übergehen. Stattdessen kämpfte sie sich in der zweiten Halbzeit verbissen Richtung Ingolstädter Tor, musste zwischendrin der hohen Laufarbeit aber auch mal Tribut zollen und konnte die Konter der Schanzer in dieser Phase nur noch durch Baumanns Glanzparaden ausbremsen.
Überhaupt Baumann: Hoffenheim litt jahrelang unter dem Problem, Männer zwischen den Pfosten zu haben, die in engen Momenten die Nöte der Mannschaft vergrößerten. Zudem waren sie vermutlich nicht besonders gut trainiert. Was aber ein nervenstarker, glänzend aufgelegter Torhüter auszurichten vermag, macht in dieser Rückrunde Olli Baumann richtig deutlich. Ein ums andere Mal hat er uns Siege gerettet, mit wahren Glanzparaden – sein Anteil an der Aufholjagd ist nicht zu unterschätzen.

normal_ug095_4239_300416Als die kritische Phase auch diesmal dank Baumann überwunden und Amiri samt Kaderabek im Spiel war, drehte die TSG noch einmal auf. Uth, der Torschütze des Ausgleichs, hatte den Führungstreffer allein vor dem Tor schon auf dem Fuß – und scheiterte am Keeper. So war es Amiri vorbehalten, kurz vor Spielende nach schöner Vorarbeit von Kaderabek und Volland, den Ball zum nächsten Heimsieg im Netz unterzubringen! Sein Jubellauf Richtung Trainerbank hatte den einen Zweck, sich Zubers Trikot zu schnappen und es hochzuhalten, denn vor dem Spiel hatte er dem so unglücklich im Training schwer Verletzten versprochen, für ihn ein Tor zu erzielen.
Diese Szene war ein hoch emotionaler Beleg dafür, wie groß der Zusammenhalt in der Mannschaft ist. Bicakcics Kämpfermut und Amiris Demonstration wurden zu den Klammern des Spiels, das diesmal eher über die Einstellung als über Nagelsmanns Taktik gewonnen wurde: die Idee, Rudy als rechten Verteidiger aufzubieten, wollte nicht so recht zünden, anders als mit Kaderabek.

normal_ug123_4399_300416Mit 37 Punkten sollte Hoffenheim den Abstieg vermieden haben. Rechnerisch ist es noch möglich, wieder in Gefahr zu kommen, aber es spricht wenig dafür. Angesichts des Restprogramms aller bedrohten Vereine ist es viel wahrscheinlicher, dass Darmstadt auf den letzten Metern noch auf Platz 17 absinkt und Bremen, Frankfurt oder Stuttgart in die Relegation müssen – kein leichter Gang, wenn da Nürnberg wartet… Doch für die Motivation der nächsten Partie in Hannover kann es sogar nützlich sein, wenn Hoffenheim weiter auf Punktejagd ist!

Fotos: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius