Mission Schanzer

Ingolstadt ist durch, wir leider noch nicht. Die Schanzer liegen mit 40 Punkten ohne Abstiegssorgen augenblicklich auf Platz 9. Lassen sie es deshalb langsamer angehen? Wahrscheinlich nicht, außerdem ist Schnelligkeit sowieso nicht ihre Domäne. Abwarten, absichern und gegebenenfalls mal hier und da kontern, so wursteln sich die Schanzer recht erfolgreich durch die Saison.

Allenfalls die entstandene Ungewissheit um den Verbleib des Garanten ihres Erfolgs, Trainer Ralph Hasenhüttl, könnte zu belastbarer Verunsicherung oder einer gewissen Laxheit führen. Aber darauf zu setzen, wäre pure Spekulation – was Julian Nagelsmann zur Vorbereitung auf dieses extrem wichtige Heimspiel sicher nicht ausreicht. Also wird er sich wieder etwas ausdenken, zumal seine Mannschaft bislang aussichtsreicher agiert, wenn es gegen spielende Gegner geht.

Massiertes gegnerisches Verteidigen liegt der TSG einfach nicht, aber damit tun sich auch andere Vereine schwer. Vor ein paar Jahren hat Chelsea im Finale der Champions League damit sogar Barcelonas glanzvolle Offensive lahmgelegt und den Cup auf fast unsportliche Weise nach London geholt. Andererseits ist der FC Ingolstadt 04 weit weg davon, Chelsea unter Mourinho zu sein!

Umgekehrt ist Hoffenheim natürlich auch nicht mit dem ruhmreichen FC Barcelona gleichzusetzen und Volland nicht mit Messi… Dafür hat die TSG Geduld gelernt und an Durchhaltevermögen gewonnen, um auch mal mit einem Rückstand umzugehen. Beides sind gute Voraussetzungen, um gegen die nadelstichartigen Konter der Schanzer und ihre grundsätzliche Spielzerstörung erfolgreich zu sein.

Auf ein schönes Spiel sollte man sich vermutlich nicht einrichten. Das gab es schon im Hinspiel nicht, noch unter Huub Stevens, als in der 67. Minute die Ingolstädter Führung gelang, per Freistoß, und Uth erst im letzten Moment den Ausgleich erzielen konnte. Es wird viel Gewühle geben, viele Zweikämpfe, viel Laufarbeit. Und alles wird davon abhängen, wie das Hoffenheimer Mittelfeld auf- und eingestellt ist.

Varianz im Angriff, aus dem Mittelfeld kommend, wird der Schlüssel für das Spiel sein. Stur durch die Mitte zu spielen, könnte an den vielen harten Ingolstädter Beinen scheitern. Nur das Spiel über die Flügel, der schnelle Seitenwechsel, Dribblings und Ballstaffetten auf den Seiten bringen die Schanzer erwartbar in Nöte. Das Offensivpersonal der TSG bringt dafür eigentlich gute Voraussetzungen mit, und neben den bisher meist eingesetzten Uth, Vargas, Volland und Kramaric gibt es ja auch noch ausgewiesene Flügelexperten wie Zuber, Schmid und Elyounoussi, die in der Reserve bereitstehen.

Schön wird die Partie nicht, wie gesagt, aber spannend, extrem spannend. Im Falle des Erfolgs könnte Hoffenheim bereits fast sicher gerettet sein, 37 Punkte müssten eigentlich genügen. Das allein sollte reichen, bis unter die Haarspitzen elektrisiert dabei zu sein, am Fernseher oder besser: vorort in der Rhein-Neckar-Arena.

Bei einem Remis oder gar einer Niederlage würde die darauf folgende Reise nach Hannover, das als Absteiger bereits feststeht, den finalen Showroom eröffnen. Aber soweit ist es noch nicht – und wird es wohl auch nicht kommen. Denn das Spiel gegen die Schanzer findet glücklicherweise am Samstagnachmittag statt. Das erhöht die Aussichten enorm: an Freitagen und Sonntagen gerät die TSG gern außer Tritt. Und die neue Heimstärke wird ein Übriges tun!

Zur Unterstützung als Quellen herangezogen:

kicker.de   fußballdaten.de

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Alexander H. Gusovius