Mission Niederrhein

Tobias Strobl wird sich am Sonntag ein bisschen anders fühlen. Immerhin besucht er seinen neuen Arbeitsplatz, denn ab kommender Saison wird er für Gladbach spielen. Trotzdem wird ihn das in keinerlei innere Konflikte stürzen. Alle gegen einen, gegen den Abstieg, das gilt auch für ihn. Diese Mission geht am Niederrhein ungebremst weiter.
Glücklicherweise findet das Spiel sonntags am frühen Nachmittag statt – spätnachmittags lief es für uns an Sonntagen meistens nicht so gut. Auch dass es dabei gegen den Tabellenfünften geht, muss nach dem Sieg über Berlin keine Angstreflexe auslösen, da Gladbach seit einiger Zeit ebenso schwächelt wie die Hertha. Drei der vergangenen vier Spiele haben die Fohlen verloren, zuletzt sogar gegen Hannover – allerdings waren das alles Auswärtsspiele.

normal_ug101_3339_281115Daheim ist Gladbach nach wie vor eine Macht, Berlin wurde etwa kürzlich mit 5:0 aus dem Stadion gefegt. Denn während die Fohlen in der Auswärtstabelle auf Platz 16 rangieren, belegen sie in der Heimtabelle unangefochten Platz 3. Ganze drei Mal hat Gladbach zuhause erst verloren, was auch auf den schwachen Start unter Ex-Trainer Favre zurückzuführen ist. Hoffenheim trifft also auf einen sehr starken Gegner, so viel ist sicher.
Was trotzdem nichts heißen muss! Denn in der Rückrundentabelle liegt Hoffenheim auf Platz 5, Gladbach auf Platz 11… Hält man also den aktuell besseren Lauf der TSG gegen die unbestreitbare Heimstärke der Fohlen, dann muss man die Partie für offen erklären. Die Tagesform wird wohl entscheiden. Und das klügere taktische Konzept. Vielleicht auch das Glück.

normal_ug112_3479_281115Besorgt könnte man darüber sein, dass Gladbach mit einem Sieg wieder bis auf einen Punkt an die ersehnten Champions-League-Plätze heranrücken würde, weil Konkurrentin Hertha die Bayern empfängt und vermutlich punktlos bleiben wird. Andererseits, wer weiß das schon! So richtig stark spielen die Bayern in letzter Zeit nicht mehr und verwandeln sich in ihrer Not auch schon mal in Schwalben… Egal wie – Gladbach wird alles daransetzen, zur Hertha aufzuschließen.
Was uns dagegen in die Karten spielen könnte, ist eine gewisse Arglosigkeit des Gegenübers. Obwohl es sich herumgesprochen hat, dass Hoffenheim in letzter Zeit wieder ein äußerst ernst zu nehmender Gegner ist, neigen gegnerische Mannschaften trotz eindringlicher Appelle ihrer Trainer dazu, die TSG zu unterschätzen. Uns soll es recht sein. Gern ziehen wir wenigstens diesen Vorteil aus der desolaten Hinrunde.

normal_ug025_2856_281115Interessant wird das Spiel in jedem Fall. Gladbach und Hoffenheim setzen beide auf Umschaltfußball, attackieren früh und wollen den Gegner mit schnellen Angriffen in Verlegenheit bringen. Hätte man früher gedacht, dass in einer solchen Partie das Mittelfeld zum Maßstab wird, muss man nach einigen Partien unter Julian Nagelsmann sagen, dass die taktische Feinarbeit bereits in der Defensive beginnt. Die Varianz, mit der die TSG hier spielt, hat multiple Auswirkungen auf ein höchst variantenreiches Mittelfeld, das sich von Situation zu Situation um zwei bis drei Spieler vermehren kann.
Fahren wir also kontrolliert optimistisch zum Niederrhein! In diesem Spiel ist alles drin, vom dritten Sieg in Folge bis hin zur schmerzhaften Niederlage. Und falls ein mageres Unentschieden dabei herausspringt, wären wir immer noch froh. Mit einem Punkt in Gladbach könnten wir gut leben…
Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius