Auxerrois statt Äppelwoi

Um es vorwegzunehmen: Ein großer Auftritt in Frankfurt war es nicht. Am Ende konnte man froh und glücklich sein über die lebenswichtigen drei Punkte, die jedoch noch lange nicht die Rettung bedeuten. Der badische Auxerrois, ein feinsinniger Wein, spiegelte danach im Glas nicht unbedingt wieder, was auf dem Rasen geschah. Geschmeckt hat er trotzdem, obwohl – außer bei Amiris Antritt – vielleicht eine blasse Schorle angemessener gewesen wäre…

normal_ug129_8042_090416Hätten die Frankfurter das Spiel gewonnen, was im Prinzip möglich gewesen wäre, hätte sicher auch ihr Äppelwoi als Feiergetränk stark gespritzt werden müssen. Denn das Spiel entschied sich entlang einer immer spürbaren, immer sichtbaren Trennlinie aus Kampf und Geduld, die auf beiden verletzlichen Seiten wenig Spielraum für fußballerische Klasse ließ. Kämpferisch-stumpf war die Eintracht unterwegs, Hoffenheim unergiebig-geduldig.

normal_ug039_7382_090416In der ersten Halbzeit führte das zu einem gewissen Übergewicht seitens der Gastgeber, die aus ihrem kämpferischen Überschwang aber keinerlei offensives Kapital zu schlagen vermochten. Für Hoffenheim war es in dieser Phase schwer, die selbstverordnete Ruhe und Übersicht zu wahren, vor allem offensiv. Defensiv stand die TSG ziemlich sicher, doch beim Gang nach vorn war Sand im Getriebe. Eine hohe Zahl von Fehlpässen belegte die Ratlosigkeit, wie den unentwegt nah an den Mann sprintenden, mannschaftlich geschlossenen Frankfurtern beizukommen wäre.

normal_ug030_7332_090416In Spielen wie diesen macht manchmal ein Mann den Unterschied. War in der zweiten Halbzeit zunächst Uth für Vargas aufgelaufen, dessen Qualitäten als ballführender Spieler durch den Kampfgeist der Eintracht weitgehend neutralisiert worden war, beschloss Julian Nagelsmann, nach einer Stunde Spielzeit Amiri für Ochs zu bringen – der bis dahin durch konsequentes Anlaufen viel dafür getan hatte, dass die Frankfurter Feldüberlegenheit nicht sonderlich gefährlich wurde, aber im Spielaufbau wenig Akzente zu setzen vermocht hatte.

normal_ug103_7903_090416Und kaum war Amiri auf dem Platz, erkämpfte er sich im hinteren Mittelfeld den Ball, zog auf und davon und entschied sich, als seine Frankfurter Verfolger vor allem die Passwege abzusichern versuchten, auf Strafraumhöhe zum Torschuss. Für den Torhüter der Eintracht kam der flache, harte Schuss hinter zwei Verteidigern einigermaßen überraschend – für die Eintracht insgesamt geriet die Hoffenheimer Führung zum veritablen Schock. Man hatte bis dahin alles gegeben und den Gegner nicht zur Entfaltung kommen lassen, man hatte ein paar Minuten zuvor fast selber die Führung erzielt, hätte Toljan nicht Zambranos Torpedo nach Eckstoß gerade noch von der Linie geköpft, und nun lag man auf einmal, fast aus heiterem Himmel, in Rückstand!

normal_ug098_7852_090416Weder die Eintracht noch die Partie selbst erholten sich davon. Sechs gelbe Karten verteilte Schiedsrichter Aytekin Dr. Felix Brych in der nächsten Viertelstunde, vier für Hoffenheim, zwei für Frankfurt, was von der Verbissenheit zeugte, mit der hier für bzw. gegen eine Wende des Spiels gefightet wurde. Später holte sich Frankfurt eine weitere gelbe Karte, aber da war die Partie schon gefühlt vorbei und tendierte die Hoffnung der Eintracht, die sich so viel vorgenommen hatte, gegen Null. Uth als Vollstrecker und Kramaric als Vorbereiter nutzten die Gunst des Augenblicks, um in der 90. Minute das nächste Tor für die TSG zu erzielen.

normal_ug117_8025_090416Ein glanzvoller Sieg war es, wie gesagt, nicht, aber vielleicht einer der wichtigsten. Hoffenheim tat und tut sich schwer mit Mannschaften, die extrem defensiv oder besonders kämpferisch auftreten wie die Eintracht. Es war – mit ungleichen Mitteln geführt – Abstiegskampf pur. Die Geduld der TSG zahlte sich letztlich aus, getragen vom in den letzten Spielen gewachsenen Selbstbewusstsein. Weil aber noch fünf Spiele ausstehen, ist die Tabellensituation für einige Vereine, darunter auch die TSG, immer noch ähnlich aussichtsreich und gefährlich. Zwei, drei nervenaufreibende Spiele braucht es noch, bis man mehr weiß.

Fotos: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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