Mission Äppelwoi

Ein so genanntes Sechser-Spiel steht an: Frankfurt und Hoffenheim, nur einen Punkt voneinander entfernt auf den Plätzen 14 und 17 liegend, könnten sich im Falle eines Sieges jeweils klar vom Gegner absetzen. Bei einem Remis könnten Bremen oder Augsburg die Nutznießer sein, die im zweiten Abstiegs-Sechser-Spiel aufeinandertreffen. Oder umgekehrt…

In Frankfurt denkt man bei einem Sechser eher an die ortsüblichen Bembel, jene dickbauchig-grauen, blau verzierten, sympathischen Steingut-Kannen mit leckerem Apfelwein drin, die es in verschiedenen Größen gibt, zum Beispiel eben als Sechser-Bembel: was bedeutet, dass sechs Feinripp-Gläser Äppelwoi à 0,3 Liter darin Platz finden. Nach dem Spiel der Eintracht gegen 1899 wird es in Sachsenhausen zu etlichen Bestellungen dieser Art kommen, soviel ist sicher. Ob aus Frust oder Lust, ist offen.

normal_ug027_1418_071115Bundesweit assoziiert man mit einem Sechser tendenziell sechs Treffer im Lotto – was die Lage im Abstiegskampf an diesem Fußballwochenende treffender umschreibt. Mit etwas Glück und viel Leidenschaft könnten zuletzt ein oder zwei Vereine sich ein gutes Stück aus der unmittelbaren Gefahrenzone absetzen. Für die restlichen Spieltage wäre damit allerdings noch nichts endgültig geklärt. Aber mehr als ein Hoffnungsschimmer ist drin, unbedingt.

Wird Hoffenheim sich durchsetzen? Nach dem eher schwachen Spiel gegen Köln ist, wie nach dem Spiel in Stuttgart, immerhin mit einer heftigen Gegenreaktion der TSG zu rechnen. Umgekehrt haben sich die Hessen bei den Bayern ein respektables 1:0 erkämpft und zwar knapp verloren, aber eine lauffreudige, stabile Defensivleistung abgeliefert. Sollte die Eintracht darum wieder auf eine kompakte Defensive und im eigenen Stadion auf Konter setzen, stünde Hoffenheim vor dem Problem, genau das diesmal deutlich besser machen zu müssen, was ihr schwer fällt, wie eben in Stuttgart oder gegen Köln.

normal_ug081_7234_071115Ein defensives Bollwerk auszuspielen, ist halt etwas, das man nicht von gleich auf jetzt erlernt. Erstens muss man permanent schnell spielen, zweitens höllisch aufpassen, dabei den Ball nicht zu verlieren: beides ist Hoffenheim zuletzt nicht wirklich gelungen. Aber nach einer darauf offenbar fokussierten Trainingswoche sollten Fortschritte erzielt worden sein, die sich gegen Frankfurt auszahlen können. Umgekehrt steht die Eintracht unter extremem Druck und muss sich, wenn ihr kein frühes Kontertor gelingt, aus der massiven Deckung lösen, was sie anfällig machen wird. Das sicher ausverkaufte, frenetisch anfeuernde Stadion erwartet einfach nichts anderes, als dass die Eintracht das Spiel gewinnt und den ungeliebten Klub aus dem Kraichgau niederringt. Alex Meier, der Frankfurter Torgarant, fehlt jedoch.

Die Chancen, in Frankfurt zu gewinnen, stehen deshalb nicht schlecht. Statistisch lässt sich das leider nicht untermauern. Durch die beiderseitigen Trainerwechsel kann man keine belastbaren Hinweise darauf erhalten, welche Spielform, welche Duelle, welche Stärken und Schwächen am Samstag zum entscheidenden Faktor werden. Also ist die Partie völlig offen. Wer gewinnt, hängt vermutlich davon ab, wer sein Herz entschiedener in die Hand nimmt – eine Tugend, an der es seitens der TSG unter Julian Nagelsmann nicht fehlt! So dass am Samstagabend im Kraichgau hoffentlich Gläser klingen, die nicht mit Äppelwoi, sondern mit badischem Grauburgunder oder Auxerrois gefüllt sind…

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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