Leckere Hamburger

Über die schmalen Fleischklopse zwischen blassen, halben Brötchen mit ein bisschen Salat und viel Sauce wird meist negativ berichtet. Ungesund seien sie, schmecken täten sie eigentlich auch nicht, man würde nur dick davon und sollte sie deshalb so selten wie möglich zu sich nehmen. Nach dem Auftritt der TSG beim HSV muss man das wohl etwas anders sehen: Hamburger sind nahrhaft, schmecken lecker und sind höchstens von knackigen Frankfurter Würstchen zu übertreffen – falls der Besuch in der hessischen Metropole am 9. April den nächsten Auswärtssieg bedeuten sollte.

Trotz der kompakten Mannschaftsleistung und den enorm wichtigen drei Punkten war Trainer Nagelsmann nicht zufrieden: „Wir hatten viel Glück und einen überragenden Torwart. Wir sind uns bewusst, dass es kein Sahnetag war“, sagte er nach dem Spiel. Tatsächlich verlief die Dramaturgie des Spiels für seine Mannschaft fast ideal, die anfangs gar nicht gut ins Spiel kam. Denn der HSV ging vehement nach vorn, setzte Mittelfeld und Verteidigung massiv unter Druck und hätte mit etwas Glück sogar in Führung gehen können. Das aber tat die TSG, nachdem Volland in der 19. Minute steil gegangen war, von Torwart Adler im Strafraum gelegt wurde und Kramaric den folgenden Elfer sicher verwandelte.

Nur vier Minuten später bekam Hoffenheim einen indirekten Freistoß zugesprochen. Adler hatte einen von Ostrzolek rückwärts geschobenen Ball mit den Händen aufgenommen, den Schiri Kircher in enger Regelauslegung als Rückpass wertete. Der Hamburger Torhüter konnte allerdings von Glück sagen, dass er überhaupt noch im Tor stehen durfte, weil er beim vorausgegangenen  Elfer-Foul nur die gelbe Karte gezeigt bekommen hatte. Durch die unbedachte Ballaufnahme stellte er sein Glückspolster jedoch wieder auf null, auch durch die darauf folgende, schlechte Übersicht, denn Rudy spielte den Ball nach intensivem Blickaustausch mit Volland, der den besten Winkel zum Tor hatte, nach rechts, wo der Hamburger Keeper zudem Raum offengelassen hatte – so dass Vollands harter Schuss dort flach im langen Eck einschlagen konnte.

In der Summe hatten sich Glück und Pech inzwischen einigermaßen ausgeglichen, wenn auch mit erkennbaren Vorteilen für die TSG, die den HSV mit zwei Toren, die beide nicht heraus- bzw. zuende gespielt waren, in einen frühen Schockzustand versetzte. Was beim Schiri offenbar im tiefsten Unterbewusstsein zu der Ansicht führte, dass Hamburg letztendlich doch etwas zu hart bestraft sein könnte, so dass er in der 30. Minute auf Strafstoß für den HSV entschied. Kaderabek hatte bei einer scharfen Flanke in den Strafraum aber den Arm angelegt und sich auch noch weggedreht, so dass ihn der hereinfliegende Ball nur noch an der Brust traf, doch für Schiri Kircher reichte ein eventuell möglicher, minimaler Kontakt mit dem Schulteraußenbereich bzw. dem Oberarm aus, um auf den Punkt zu zeigen.

Hunt ließ sich die Chance nicht nehmen und verlud Baumann mit einem abgetropften Ball in die Mitte, es stand nur noch 1:2. Die Partie war dadurch wieder offen, Glück und Pech waren jetzt endgültig kein Thema mehr. Bis zur Pause vermochte der HSV jedoch nichts Wesentliches mehr beizutragen, so dass es ohne weitere Tore in die Kabinen ging. Die folgenden 45 Minuten boten dann etliche Chancen, den Pausenstand nachhaltig zu verändern – auch und gerade für den HSV. Aber Hoffenheim hatte Baumann im Tor, der die unglaublichsten Paraden hinlegte. Und Hoffenheim hatte Vargas, der für Kramaric eingewechselt worden war und einen Konter von halbrechts mit einem satten Schuss hoch ins lange Eck zum 1:3 abschloss.

Auch wenn man Trainer Nagelsmann zustimmen muss, dass es taktisch und spielerisch kein echter Sahnesieg war, haben doch der mannschaftliche Wille, die offensive Klasse von Volland, Kramaric und Vargas sowie die Welttorhüterparaden von Baumann beeindruckt. Zum Lohn durfte die Mannschaft den Tag zwar nicht in einem Hamburgerrestaurant ausklingen lassen, was ja wirklich passend gewesen wäre, rückte aber dank des besseren Torverhältnisses immerhin auf den Relegationsplatz vor. Damit geht es in denkbar positiver Stimmung in die Osterfeiertage, die wegen der anstehenden Länderspielwoche zwei Fußballwochen lang sind.

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