Schlüsselspiel gegen den Abstieg

Mit dem 1:0-Sieg über Wolfsburg hat die TSG einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt getan. Die kommenden Spiele gegen Hamburg, Köln, Frankfurt und Hannover wirken auf den ersten Blick chancenreicher, haben aber auch ihre Tücken. Da kam der Dreier gegen das Starensemble aus der Autostadt gerade recht. Denn man kann und darf nicht erwarten, dass man bei Gegnern aus der unteren Tabellenregion durchweg punktet.

Ebenso wichtig war am Samstag die Geschlossenheit der Mannschaft. Mag sein, dass Wolfsburg nicht der zäheste, entschlossenste Gegner war, wie Trainer Hecking verlautbarte, doch die TSG hat es den Wölfen auch nicht leicht gemacht. Mit enormer Laufbereitschaft und einer erstaunlichen Abgeklärtheit hat Hoffenheim von der dritten Minute, in der Kramaric nach Vollands großartigem Pass in die Tiefe und eigenem, großartigem Dribbling das frühe 1:0 schoss, bis zum Ende der Nachspielzeit die Führung gehalten und dem Gegner nahezu keine echte Torchance zugestanden.

normal_ug006_9650_120316Mindestens so wichtig war, was auf den Tribünen los war. Schon gegen Augsburg war zu spüren, wie entschieden sich auch die Fans gegen den Abstieg stemmen, was der Mannschaft guttat. Beim Spiel gegen Wolfsburg sollte sich das wiederholen, speziell in der überlangen Nachspielzeit wurde dieser Fanwille wieder spürbar, als es das gesamte Stadion von den Sitzen riss und die gewöhnlich eher wohltemperierte Rhein-Neckar-Arena sich in ein kollektiv pfeifendes Tollhaus verwandelte: als nämlich der Schiedsrichter die Partie über die ohnehin nicht gerechtfertigten vier Minuten Nachspielzeit hinaus laufen ließ.

Das entschlossene, kollektive Getöse in Sinsheim verunsicherte Wolfsburg denn auch sichtbar. Die Fans waren wieder der vielbeschworene 12. Mann, der spielentscheidende Wirkung erzeugen kann. Für schwache Nerven waren die langen letzten Minuten eine Tortur, aber auch die 90 Minuten davor hatten es in sich. Es war ein schwer zu lesendes, von der TSG klug verdichtetes Spiel, in dem Wolfsburg fast von Beginn an dem knappen Rückstand hinterherlief, ohne sich trotz deutlich größeren Spielanteilen großartiges Übergewicht erspielen zu können – und in dem Hoffenheim hier und da sogar die besseren Chancen ausließ.

normal_ug069_0193_120316Hier und da? Besonders eine Szene brannte sich in die Erinnerung ein, in der 57. Minute, als Volland den Ball zum Strafstoß von Kramaric entschieden einforderte, der zwar als Gefoulter, aber auch als Torschütze der ersten Halbzeit voller Selbstvertrauen selber anlaufen wollte. Volland setzte sich indessen durch, setzte jedoch auch seinen Hang zu unglücklichen Aktionen vor dem Tor fort, indem er den Ball hart, aber ziemlich unpräzise Richtung Casteels feuerte, so dass der Ex-Hoffenheimer keine Mühe hatte, das zweite TSG-Tor zu verhindern.

Trainer Nagelsmann wollte nach dem Spiel keine öffentliche Rüge aussprechen und erklärte das Rangeln um den Strafstoß zum freien Gedankenaustausch innerhalb der Mannschaft. Aber da war die Partie auch gewonnen… Nicht auszudenken, was es bedeutet hätte, wäre Wolfsburg vom verschossenen TSG-Elfer beflügelt worden und hätte zuletzt einen oder drei Punkte geholt! Mehr Fingerspitzengefühl für den Augenblick statt Beharren auf mannschaftlicher Hackordnung wäre in Zukunft vermutlich von Vorteil.

normal_ug092_0415_120316Wenn man sich vor Augen führt, wie souverän Hoffenheim im Letzten diese Partie gegen die Wölfe über die Runden gebracht hat, muss man nicht auf eine nur halbwahre Wolfsburger Lethargie verweisen, sondern auf etwas ganz anderes: Aufgrund etlicher Ausfälle hatte Hoffenheim in der zweiten Halbzeit sage und schreibe fünf Eigengewächse auf dem Platz! Mit Süle, Ochs, Amiri, Toljan und Canouse widersetzte sich den erfahrenen Wölfen damit eine Mannschaft, wie sie die Liga ähnlich grün hinter den Ohren und ähnlich erfolgreich kaum je gesehen hat.

Das macht für die ferne Zukunft sowieso Mut. Aber auch die nahe Zukunft hat durch den Sieg über Wolfsburg wieder mehr Perspektive. Die Frankfurter Eintracht liegt jetzt keinen Punkt, sondern nur noch ein einziges Tor vor Hoffenheim – und in drei Punkten Entfernung stehen ein paar mehr Mannschaften bereit, vom direkten Abstiegskampf eingeholt zu werden. Zudem hat dieser dritte Heimsieg in Folge, dieser Schlüsselsieg, die Fans und die Mannschaft nochmal mehr verschweißt. So kann es weitergehen!

Fotos: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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