Mission Wölfe

Wenn man dem Akademikerfanclub Glauben schenken darf (darf man), dann kommt mit Wolfsburg am Samstag die zweitschwächste Auswärtstruppe der Liga zu uns nach Sinsheim. Und trifft dort auf die TSG, die seit der deftigen Niederlage in Stuttgart die schwächste Auswärtsmannschaft ist. Da wir jedoch ein Heimspiel haben, ist letzteres irrelevant.

Wir haben es also mit einem Gegner zu tun, der auf fremdem Terrain schwächelt. Und eine Saison spielt, die man auch deshalb aus Sicht der VW-Werkstürme als durchwachsen bezeichnen kann. Der Weggang von De Bruyne in die Premier League hat den Wölfen ähnlich zugesetzt wie uns der Wechsel von Firmino zu Liverpool. Zwar dachte man in Wolfsburg, dass daraufhin André Schürrle groß aufspielen würde, aber mit dem Flankengeber zum WM-Titel in Brasilien ist es so eine Sache. Mal dreht er auf, mal hat er geniale Momente – und dann taucht er für lange Zeit wieder ab und kriegt wenig gebacken.

normal_ug063_9709_130914Letzte Woche beispielsweise, am Mittwoch, hat Schürrle nach langer Trockenzeit gegen Hannover drei Tore vom Fußballhimmel regnen lassen und damit auch den dürren Boden der in ihn gesetzten Wolfsburger Hoffnungen etwas anfeuchten können. Im darauffolgenden Spiel gegen Gladbach, nur vier Tage später, hat er eine Torvorlage gegeben, sonst jedoch nicht viel zum knappen Sieg beigetragen. Letztendlich ist Wolfsburg zwar bis auf zwei Zähler wieder an die Euro-League-Plätze herangerückt, aber immer noch meilenweit von der Vize-Meisterschaft der Vorgänger-Saison entfernt, die den Wölfen den diesjährigen Auftritt in der Champions League einbrachte – wo Schürrle letzten Dienstag immerhin ein Tor machte. Also wird er gegen uns (hoffentlich) wieder abtauchen…

normal_ug068_9735_130914In dieser Saison ruckelt es jedenfalls im System Wolfsburg – als wäre in der Mannschaft ein für den Normalbetrieb untaugliches Diesel-Steuerungsmodul verbaut worden. Dieter Hecking, der ursympathische Trainer, ringt regelmäßig um Fassung und um Performance, während der nicht minder sympathische Klaus Allofs als Manager Entspanntheit verkörpert, um die anwachsende Spannung im Verein zu verbergen. In der Summe kommt damit ein Gegner zu uns – langer Rede kurzer Sinn –, der sehr mit sich selbst befasst ist, was ihn angreifbar und vielleicht auch besiegbar macht, vor allem, wenn die akademisch belegte Auswärtsschwäche anhält.

normal_ug096_0051_130914Unsere Mannschaft wiederum wird nach der grässlichen Vorstellung in Stuttgart sehr viel dafür tun, keinen vergleichbaren Auftritt hinzulegen. Sorgenfalten macht die Trainingsverletzung von Volland, man weiß nicht, ob er dabei sein kann. Rudy sicher nicht, der seine überzogene Sperre weiter absitzt, und auch bei Strobl und Ochs ist der Einsatz fraglich, während Bicakcic offenbar eine Grippe auskuriert –  allesamt würden sie sehr fehlen. Es ist trotzdem damit zu rechnen, dass Hoffenheim ähnlich frisch und mutig und ähnlich strukturiert wie gegen Mainz und Augsburg aufläuft. Und damit ist der Ausgang der Partie zumindest offen, zumal Wolfsburg keine Kontermannschaft ist.

normal_ug149_5751_130914Bei neun noch ausstehenden Spielen wäre es natürlich gut, gleich den nächsten Heimsieg zu holen, aber noch ist die Saison nicht auf der Zielgeraden. Wenigstens zeichnet sich ab, welche Vereine auf den letzten Metern um den Nichtabstieg kämpfen werden. Außer uns sind das, wenn man Hannover schon mal abschreibt, Frankfurt und Darmstadt. Und an dieser Stelle sei die Prognose gewagt: Eine der beiden Hessengangs wird es zuletzt erwischen, egal wie unser Spiel gegen die Wölfe ausgeht…

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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