Ein Team – ein Weg – einmalig!

 

Das Spiel gegen Augsburg hat zusammengeschweißt. Nein, nicht zusammengeschweißt… Sondern bewiesen, wie stark die Gemeinschaft der TSG 1899 Hoffenheim ist. Denn so etwas bringt niemals ein Schweißbrenner zuwege, so etwas existiert von Grund auf oder nicht.

Die unhinterfragbare Zusammengehörigkeit von Mannschaft, Fans und Verein konnte man gestern Abend hautnah fühlen, wenn man denn zu den glücklichen 21.000 Besuchern beim Spiel gegen Augsburg gehörte. Starke Choreos, die davon zeugten, hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, elektrisierende Spielszenen und stimmgewaltige Anfeuerungen ebenso. Spektakel und Stimmung waren, egal was andere über Hoffenheim sagen, auch vor dem gestrigen Abend schon Teil der Erlebniswelt TSG. Doch was sich da unter Flutlicht ereignete, hat allem die Krone aufgesetzt. Es war wie ein Erweckungserlebnis, inmitten einer der schwierigsten sportlichen Phasen.

normal_ug157_7944_020316Nach der unglücklichen Niederlage in Dortmund drei Tage zuvor und den Punktgewinnen der Nichtabstiegskonkurrenz kam der Partie gegen Augsburg eine zentrale Bedeutung zu. Dieses Spiel zu verlieren, soviel war klar, wäre gar nicht gut gewesen, es zu gewinnen, würde ein wichtiger Schritt nach vorne sein. Hoffenheim legte denn auch los wie der Wirbelwind, düpierte den Gegner in den ersten Minuten ein ums andere Mal mit extrem schnellen, gefährlichen Angriffen – was dazu führte, dass Augsburg zu jenen Mitteln griff, für die Augsburg weniger berühmt als förmlich berüchtigt ist. Im Einzelfall hieß das, dass sich Augsburger Spieler, Torhüter inklusive, nach Körperkontakt in Schmerzen auf dem Rasen wanden, um nach der erwünschten medizinischen Spielunterbrechung, die in Wahrheit rein auf die Brechung des Hoffenheimer Sturmdrangs abzielte, wie nach einer Wunderheilung munter weiterzumachen – und das bereits in der Anfangsphase des Spiels!

normal_ug097_7397_020316Hoffenheim ließ sich von dieser subversiven Spielauslegung tatsächlich aus dem Takt bringen. Augsburg stand dadurch stabiler und kam immer öfter auch zu gefährlichen Flankenläufen mit glücklicherweise weniger gefährlichen Flanken, die von der aufmerksamen TSG-Defensive fast durchweg neutralisiert werden konnten oder – wenn doch nicht – von Hoffenheims erneut brillantem Torhüter Baumann final entschärft wurden. Zug um Zug arbeite sich die TSG aber ins verlorene Offensivkonzept zurück und kassierte in der 24. Minute den gerechten Lohn, nachdem Vargas einen Fernschuss an den linken Pfosten gesetzt hatte, Ochs den Abpraller gedankenschnell ablegte und Volland trocken zum 1:0 abschloss.

normal_ug023_6775_020316Die Rhein-Neckar-Arena war schon zu diesem Zeitpunkt emotional erhitzt. Die weiteren Ereignisse trieben die Temperatur jedoch noch höher, in den Bereich des Fiebers hinein. Nachdem Augsburg eine Viertelstunde lang erfolglos Anschluss an die Partie gesucht hatte, griff Schiri Winkmann mit einer grotesken Strafstoßentscheidung nach angeblichem Handspiel von Süle ein, der jedoch allgemein sichtbar mit angelegtem Arm bloß angeschossen worden war. Die Südkurve war jetzt ein einziges, grelles Pfeifkonzert – und sollte bis zum Ende der Partie eine gänsehauttreibende, blaue Wand bleiben.

normal_ug059_6998_020316Verhaegh verwandelte den falschen Strafstoß leider eiskalt, mit 1:1 ging es in die Pause. Danach brachte Julian Nagelsmann Bicakcic für Schwegler, um dem Gegner aus Augsburg weniger Raum für Flankenläufe zu lassen. Seine Mannschaft griff selber nochmal verstärkt an – heute musste ein Sieg her, das war die einhellige Meinung auf dem Rasen und auf den Rängen, eine fühlbare Gewissheit, die sich wie ein Band um die Fans und die Mannschaft legte, besonders als es in der 62. Minute nach einem Foul gegen Volland auch noch zur Rudelbildung im Augsburger Strafraum kam. Zweimal hätte der von vielem überfordert wirkende Schiri um diese Szene herum auf Strafstoß für Hoffenheim pfeifen können, doch die Pfeife blieb stumm.

normal_ug053_6944_020316Uth traf dafür in der 62. Minute den Außenpfosten, Amiri verzog in der 66. Minute nur knapp, Kaderabek vergab neun Minuten später eine weitere gute Möglichkeit per Kopf. Schlag auf Schlag arbeitete sich Hoffenheim damit aber immer näher an den Heimsieg heran, den schließlich Uth in der 81. Minute mit einer Direktabnahme perfekt machte, nachdem der eingewechselte Kramaric flach und scharf nach innen geflankt hatte. Das Stadion stand jetzt Kopf, die Fanherzen barsten vor Glück, die Nerven waren aufs äußerste gespannt, um bloß nicht knapp vor Schluss noch den Ausgleich zu erleben. Doch daraus wurde nichts, Hoffenheim holte entschlossen den zweiten Heimsieg in Folge – und fährt nun am Samstag nach Stuttgart zum Ländle-Derby. Das kann was werden!

Fotos: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius