Mission Augsburg

Sieben Punkte liegt Augsburg vor der TSG. Die Fugger haben aber nur drei Tore mehr geschossen und drei weniger kassiert. Die Zahlen bekräftigen, was man auf dem Platz auch sehen kann: Augsburg wandelt in dieser Saison auf schmalem Grat und ist alles andere als ein Überflieger. Dafür zeichnet die Mannschaft eine gewisse Zähigkeit aus. Und sie gehört zu den drei extraschwer zu bespielenden Teams der Liga.

normal_ug058_2236_230814Die beiden anderen sind Darmstadt und Ingolstadt. Alle drei leben sie von der Spielzerstörung, das heißt, sie setzen ihr Glück nicht auf die eigene spielerische Leistungsfähigkeit, sondern darauf, dass es gelingt, die Spielentfaltung des Gegners zu unterbinden. Dazu gehören robuste körperliche Maßnahmen (im Volksmund: „Was auf die Knochen“), systematische Mätzchen wie weitestgehend grundloses Hinfallen (im Volksmund: „Freistoßschinden“), schmerzfreies Stöhnen und Schreien (im Volksmund: „Simulieren“) sowie ewiges Nörgeln und Herumdiskutieren über Nichtigkeiten.

normal_ug074_2373_230814Das Ziel all dieser unfairen, nicht direkt verbotenen, aber ziemlich fragwürdigen Mittel ist es, den Gegner zu nerven bzw. zu entnerven, bis er unachtsam wird oder sich zu gröberen Fouls hinreißen lässt. Die beabsichtigte Schwächung im Spielbetrieb und die ermogelten Standards sucht man dann nadelstichartig auszunutzen und dem Gegner möglichst einen „schmutzigen“ Sieg oder wenigstens ein Remis abzutrotzen.

normal_ug139_2785_230814Bei Augsburg ist dieses Verhalten in der laufenden Saison indes etwas weniger ausgeprägt als sonst. Vielleicht steckt die Mannschaft genau deshalb im Abstiegskampf. Denn spielerisch hat sie immer noch wenig zu bieten. Im Vergleich mit der spielerisch erstarkten TSG unter Nagelsmann ist Augsburg jedenfalls deutlich unterlegen. Zäh und unberechenbar ist die Mannschaft trotzdem noch und hält zusammen wie Pech und Schwefel.
Dem Spiel gegen Augsburg kommt in jedem Fall eine herausgehobene Bedeutung zu. Es ist klar, dass Augsburg wie Hannover, Bremen, Darmstadt und Frankfurt zu den unmittelbaren Konkurrenten um die Nichtabstiegsplätze gehört. Ein Dreier ist in direkten Begegnungen darum fast einen Sechser wert. Die Frage ist nur, wie Hoffenheim es anstellen wird, den nickligen Gegner nach Möglichkeit zu besiegen.

normal_ug079_2452_230814Die Antwort darauf ist relativ einfach. Man weiß es nicht. Nach drei Spielen unter Nagelsmann ist nur so viel klar, dass allein Nagelsmann weiß, wie Nagelsmann die nächste Begegnung angeht. Der Blick zurück auf die Spiele in Dortmund, gegen Mainz und in Bremen zeigt, dass der junge Trainer taktisch derart variabel ist, dass man vermutlich eine ganze Saison lang zuschauen muss, um seine taktischen Raffinessen einigermaßen zu überschauen und im Vorfeld auch einschätzen zu können.
Lassen wir uns also überraschen! Eines ist jedoch sicher: Hoffenheim wird erneut ein starkes Spiel abliefern. Nagelsmann zieht als ehemaliger Augsburger, wo er zunächst die Fußballstiefel schnürte und später die ersten Schritte seiner Trainerkarriere unternahm, bestimmt keine Extra-Motivation aus dieser besonderen Konstellation, aber es sollte ihn schon reizen, über die Hoffenheimer Notwendigkeit hinaus, die alte Fußballheimat auszustechen.

normal_ug125_2654_230814Für die Mannschaft ergibt sich im vierten Spiel unter Nagelsmann die vierte Herausforderung. Vermutlich wird sie wie gegen Mainz ohne Fünferkette antreten. Dafür braucht sie viel offensive Feinmechanik, gepaart mit höchster Aufmerksamkeit im Mittelfeld, wenn Augsburg zu Kontern ansetzt. Rudy wird wegen seines Platzverweises fehlen – wird aber gut zu ersetzen sein, auch in den beiden Spielen danach wegen der übertriebenen Dreispielesperre. Überhaupt fällt auf, wie leistungsfähig auf einmal die gesamte bisherige Ersatzbank ist. Und auch deshalb wird es gegen Augsburg den nächsten Heimsieg geben!
Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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