Mission Maja – ready for rumble!

Ein wildgewordener Bienenschwarm ist eine vertrackte Sache, am ehesten rettet man sich vor dem wütenden Gesumme mit einem Sprung ins Wasser. Am Sonntag wird jedoch kein Sprung ins Wasser gegen die im niedlichen Biene-Maja-Look schwarz-gelb angreifenden Dortmunder ausreichen, außer man wagt den sprichwörtlichen Sprung ins kalte Wasser und greift den BVB im heimischen Stadion vor entfesseltem Publikum seinerseits unerschrocken an. So wie Julian Nagelsmann seine Mannschaft bisher ein- und aufgestellt hat, ist am dafür nötigen Mut kaum zu zweifeln.

Allerdings hinkt der Vergleich auch insofern, als Dortmund nach dem Trainerwechsel von Jürgen Klopp auf Thomas Tuchel außer in der Spielbekleidung eigentlich gar keinem Bienenschwarm mehr gleicht, erst recht keinem wildgewordenen. Denn Tuchel lässt kontrollierter spielen als Klopp, ohne jedoch weniger offensiv zu sein. Das strategische Kalkül von Tuchel sieht mehr Ballbesitz vor, bessere Raumausnutzung des Spielfelds, intelligentere Spielzüge, taktische Winkelzüge, ohne vom Konzept des hoch Anlaufens und Gegenpressings abzurücken, das Hoffenheim im Jahr 2008 in die Liga einbrachte und von Klopp später adaptiert sah.

In den letzten Wochen ist die strategisch-taktische Feinmechanik unter Tuchel aber etwas ins Stocken geraten, der BVB konnte nur knapp in Hannover und danach mit viel Glück und einer entsprechenden Leistung des Schiedsrichters in Leverkusen gewinnen. Davor gelang ein schmales Remis in Berlin, nochmal davor brauchte es ebenfalls die glücklich helfende Hand eines Schiedsrichters, um zuhause gegen Ingolstadt siegreich vom Platz zu gehen.

Alles in allem ist Dortmund im Moment nicht so stark, wie es der zweite Tabellenplatz signalisiert. Und Hoffenheim sieht gegen den BVB beinahe schon traditionell gut aus, selbst in der Hinrunde, die für die TSG alles andere als berauschend lief, bot man den Schwatzgelben beim 1:1 packenden Widerstand. Also sollte man bei der Aufholjagd, die mit dem überzeugenden Auftritt gegen Mainz begann, gar nicht erst daran denken, eine ehrfürchtige Pause einzulegen und dem vermeintlich überstarken BVB höflich drei Punkte zu überlassen, der zudem vom donnerstäglichen Euro-League-Auftritt konditionell etwas geschwächt sein sollte.

normal_ug092_3181_020515Aber damit ist unter Julian Nagelsmann, wie gesagt, auch nicht zu rechnen. Hier hat einer, der kaum älter als die meisten seiner Spieler ist, seine Seele dem offensiven Fußball verschrieben, und die Mannschaft saugt es förmlich auf.  Dass Nagelsmann trotz seiner jungen Jahre auch ein taktisch versierter Trainer ist, der über verschiedene Feinjustierungen verfügt, macht das Spiel nochmal interessanter – denn Tuchel ist ja nicht nur mindestens taktisch ähnlich gewieft, sondern auch noch derjenige, der dem blutjungen, verletzten Fußballspieler Nagelsmann einst die ersten Schritte ins Trainergeschäft wies und ihn anfangs auch anleitete. Hier treffen, was etwas kurios ist, schon in vergleichsweise jugendlichem Alter zwei Trainergenerationen aufeinander, die derselben Spielphilosophie anhängen und auch noch gemeinsame Wurzeln haben. Interessanter geht’s eigentlich nicht….

normal_ug022_2625_020515Über den Ausgang des Spiels lässt sich nichts Vernünftiges vorhersagen, über den Verlauf schon eher. Es wird ein Spiel auf Augenhöhe sein, ein fesselndes fußballerisches Ereignis, voller Tempo und Spielwitz, voller packender Strafraumszenen. Das Iduna-Stadion der 80.000 wird kochen, Hoffenheim wird stimmlich aber ebenfalls präsent sein, dafür werden unsere Fans sicher sorgen. Kommt es zur Sensation? Vielleicht, jedenfalls ist die TSG unter Nagelsmann schwerer auszurechnen als Dortmund. Am Ende wird entscheidend sein, wer die glücklichere Hand hat, wessen Stürmer kaltblütiger treffen: Ready for rumble!!!

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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