Mission Mainz

Wer wissen will, wie das Spiel gegen Mainz ausgeht, kann sich natürlich mit TV-Bildern behelfen. Wer das wichtige Spiel jedoch richtig erleben will, muss schon ins Stadion kommen! Und da wird es viel zu erleben geben, soviel ist sicher. Nach dem furiosen Taktik-Relaunch der TSG in Bremen hat unser neuer Trainer Julian Nagelsmann diesmal nicht nur zwei schmale Trainingseinheiten zur Verfügung gehabt, seine taktischen Vorgaben zu vermitteln, sondern eine ganze Woche. Entsprechend gespannt darf man sein, wie viel die Mannschaft inzwischen noch dazugelernt hat.

Statistische Betrachtungen helfen nicht weiter. Mainz spielt, was es spielt, und spult extreme Kilometerwerte ab, aber wie das mit Hoffenheim zusammenpasst, lässt sich einfach nicht sagen. Denn die statistischen TSG-Werte sind unlesbar, nachdem zuvor Gisdol und dann Huub Stevens jeweils andere Spielweisen bevorzugten. Und wenn sich Hoffenheim unter Nagelsmann weiter so entwickelt, wie es in Bremen zu bestaunen war, dann kommt gerade eine völlig neue Statistik in Gang.

normal_ug063_1042_280215Was man sagen kann, ist, dass Mainz in der Tabelle etwas zu hoch bewertet ist. Der aktuelle sechste Platz hat viel damit zu tun, dass Gladbach und Wolfsburg unter ihren Möglichkeiten bleiben. Am schwächsten, fast ausgeglichenen Torverhältnis aller Teams bis Platz 8 kann man das schon ablesen – und daraus folgt aus Hoffenheimer Sicht, dass Mainz fällig für eine Korrektur ist, nachdem die Karnevalstruppe am vergangenen Wochenende noch ein eher glückliches 2:1 gegen Schalke erkämpft hatte.

Die Mainzer Spielweise ähnelt allerdings der von Julian Nagelsmann und hat den Vorteil, von einer eingespielten Truppe vorgetragen zu werden. Dafür ist Hoffenheim für die Mainzer schwerer auszurechnen. Aufpassen muss man besonders am Anfang und bei Standards. Mainz legt los wie die Feuerwehr, läuft extrem hoch an und erhofft sich einen schläfrigen Beginn des Gegners. Gegen Schalke schlugen trotzdem „nur“ zwei Tore nach Eckbällen zubuche.

normal_ug022_0662_280215Mainz macht defensiv die Räume eng und zieht das Spiel offensiv in die Breite. Schafft es die TSG, mit dem intelligenten Überzahlspiel von Nagelsmann darauf flexibel zu antworten, wird es möglich sein, die technisch nicht im Übermaß begabte Mainzer Truppe in Schach zu halten bzw. auch offensiv zur Strecke zu bringen. Man muss aber möglicherweise Geduld mitbringen, ähnlich wie Hertha BSC am 17. Spieltag, wo den Berlinern ein 2:0 über Mainz gelang, nachdem die tief stehenden Gäste ewig keine Lücke offenbarten.

Mit drei Siegen in Folge reist Mainz nach Sinsheim, eine Niederlage würde nicht weiter wehtun. Hoffenheim dagegen braucht die drei Punkte wie ein Sahara-Reisender das Wasser, spielt aber auch noch gegen Frankfurt, Hannover, Köln, Augsburg, Ingolstadt, Stuttgart und den HSV, wo überall Punkte drin sind, auch gegen Wolfsburg und Gladbach, die stark schwanken. Man darf sich also nur nicht nervös machen lassen und kann positiv gespannt zuschauen, ob und wie die Saat von Julian Nagelsmann weiter aufgeht – auf geht’s, Hoffe!
Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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