Und jetzt Nagelsmann!

Dank einschlägiger DFB-Statuten, die es Trainern in Ausbildung ermöglichen, auch schon vor der abgelegten Prüfung als Cheftrainer tätig zu werden, konnte Julian Nagelsmann bereits jetzt die Nachfolge von Huub Stevens antreten. Und die TSG und Nagelsmann haben nicht gezögert, sofort zu handeln. Damit ist am Samstag in Bremen Deutschlands jüngster Trainer aller Zeiten am Spielfeldrand unterwegs.

Der Schritt ist mutig, aber auch konsequent. Denn im Sommer wäre Nagelsmann ohnehin Cheftrainer von Hoffenheim geworden. Dass er jetzt früher unter Beweis stellen muss, darf und kann, ob seine unbestreitbare Trainerbegabung auch in der Ersten Bundesliga Früchte trägt, erschwert die Aufgabe letzten Endes nicht wirklich. Trainer im Bundesligageschäft zu sein, ist egal wann, egal wo und egal wie eine enorme Herausforderung.

Vielleicht liegt ja sogar ein Vorteil darin, wenn Nagelsmann in dieser sportlich engen und emotional gesteigerten Situation antritt, um die Mannschaft auf seine spezifische Herangehensweise zu verpflichten. Alle Augen und Ohren, alle Sinne sind jetzt auf ihn gerichtet, vor allem auch seitens der Mannschaft. Das kann enorm helfen, das jugendliche Alter des hochtalentierten neuen Trainers zur Nebensache zu machen und seine Durchschlagskraft zu erhöhen.

Interessant ist der taktische Aspekt. Nagelsmann bevorzugt mit seinen „Hoffenheimer Genen“ eine Balleroberungs- und Umschaltstrategie, wie sie seit Rangnicks Zeiten das Gesicht der TSG ausmacht. Dabei legt er mehr bzw. erfolgreicher Gewicht aufs Ballhalten, als es Hoffenheimer Trainer wie etwa Gisdol taten. Auf der Basis der unter Huub Stevens deutlich verbesserten konditionellen Verfassung der Mannschaft und ebenfalls deutlich verbesserter Ballkontrolle könnte daraus ein qualitativer Sprung werden, der die vertrackte Lage im Tabellenkeller entscheidend verbessert.

Darin liegt jedenfalls die große Chance bei der Entscheidung, Nagelsmann bereits jetzt ins Amt zu holen. Am nötigen Selbstbewusstsein und taktischen Feingespür fehlt es ihm jedenfalls nicht. Wenn er es dann noch schafft, den ebenso nötigen Funken auf die Mannschaft überspringen zu lassen (eine Mannschaft, die fast über das ganze Jahr 2015 hinweg regelrecht zurückentwickelt wurde), dann kann es zu genau dem Sprung kommen, den Hoffenheim braucht. Drücken wir ihm und uns die Daumen!

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius