Mission Heiner

Das Spiel gegen Darmstadt wird ein Kracher. Es ist eines der wichtigsten der Saison. Am späten Sonntagnachmittag wird fast schon Schicksal gespielt. Denn Hoffenheim tritt an, zu gewinnen, unbedingt, aber eben nicht wie sonst, wenn vor allem sportlicher Ehrgeiz die Mannschaft motiviert. Diesmal geht es um viel mehr, es geht um eine substantielle Weichenstellung, um den Anschluss in der Ligatabelle, um die Chance, in der Liga zu bleiben. Deshalb ist eines sicher: Sonntagnachmittag geht es rund auf dem Rasen!
Gewinnen ist dabei schiere Notwendigkeit, will man nicht alles auf die letzten Spiele im Frühjahr setzen. Und man spürt die dazu gehörenden Vorbeben, die steigende Anspannung, die zunehmende Konzentration. Man spürt aber auch die tiefe Verwunderung, gepaart mit Verunsicherung, dass man wirklich in eine solch unangenehme, bedrückende Lage geraten ist – aus der man sich nur mit Siegen befreien kann.

normal_ug109_8211_121215Eigentlich sollte das doch nicht so schwer sein, denkt man. Die Mannschaft ist ganz klar keine Gurkentruppe, sie hat gegen Leverkusen gut gespielt, einen Punkt geholt und auch in der Hinrunde einige respektable Spiele abgeliefert. Da sollte es doch gegen Darmstadt, deren Bewohner sich „Heiner“ nennen, einigermaßen problemlos zu einem Sieg reichen. Nur dass dieselbe Rechnung schon in der Hinrunde nicht aufging.
Entlang der Lilien, die man in Darmstadt im Logo trägt, sind die Heiner wie gemacht dafür, sie grob zu unterschätzen. Weit davon entfernt, ein lieblicher Blumenstrauß zu sein, verfügen sie über sämtliche Tugenden eines Underdogs: Kratzen, Treten, Beißen. Darmstadt unterläuft mit seinem Mini-Budget und darum eigentlich nicht konkurrenzfähigen Kader einfach die Konventionen des heutigen Fußballgeschäfts und irritiert die spielfähigeren Gegner durch rauen, aber cleveren Minimalfußball, der sich dazu noch an sich selbst berauscht.

normal_ug103_8175_121215In der Folge sammeln die Heiner Punkte, die ihnen nicht zu gehören scheinen, die sie aber per Spielergebnissen unbestreitbar eingefahren haben. Anders die TSG: Sie hätte durchaus mehr Punkte verdient, die sie jedoch unbestreitbar liegengelassen hat. Es ist wie im wirklichen wahren Leben, wenn Leute, die im Job weit weniger gute Voraussetzungen mitbringen, mehr Erfolg haben und mehr verdienen als man selbst. Schmollen und Beleidigtsein helfen da nicht weiter, auch kein Rüberschielen und Kopieren – man kann sich nur an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen.
Gegen die Heiner heißt das, die ruppige Darmstädter Art wegzustecken, geduldig gegen das Bollwerk anzuspielen, mit Lauffleiß die gefährlichen Konter zu unterbinden und oft, sehr oft über Außen zu gehen. Denn dieses Spiel wird vermutlich nicht auf dem Boden, sondern in der Luft entschieden. Den Ball durch die vielen harten Beine der Heiner in der Mitte durchzustecken, dürfte schwierig werden. Ihn halbhoch leidenschaftlich in den Strafraum segeln zu lassen, nachdem man die Abwehr auseinandergezogen hat, sollte eher zu Toren führen.

normal_ug029_1857_121215Es ist also ein Spiel für Flankengeber und kopfballstarke Mittelstürmer. Aber auch die Stimmung auf den Rängen kann entscheidend sein. Wenn die Fans unsere Mannschaft mit allem anfeuern, was sie in den Lungen haben, wird ihr Spiel um den entscheidenden Funken heißer, bedingungsloser und aggressiver sein. Auch damit kann man Darmstadt besiegen und sich danach gern eine Lilie ins Knopfloch stecken. Die Fans sind so wichtig wie selten zuvor! Auch die Fans schießen Tore! Sie haben es sich verdient…
Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

Deine Meinung zum Artikel:

2 Comments