Mission Klassenerhalt

Es geht wieder los, der Fußball rollt wieder. Und natürlich geht es mit den gleichen Gegnern los wie in der Hinrunde. Erst Bayer, dann die Bayern… Für einen Tabellenachtzehnten sind das zum Auftakt keine Wunschgegner, aber manchmal ist es besser, die dicken Brocken gleich serviert zu bekommen, als sich später an ihnen zu verschlucken.

Spannend wird es dennoch am Samstag gegen Bayer Leverkusen. Die Werkself hat in der Hinrunde einige wacklige Spiele abgeliefert und ist alles andere als unschlagbar. Sie krankt, wie es aussieht, wie Hoffenheim vor Huub Stevens an zu viel zugespitzter Umschaltphilosophie – so dass die Partie unter dem Motto stehen könnte: Ordnung vs. Gegenpressing.

normal_ug040_1329_171214Gegen Graz konnte man sehen, dass die Huub’sche Ordnung auch für ordentliche Angriffe gut ist. Die defensive Stabilität, die sich in den vielen Unentschieden seit Stevens Amtsantritt und der neu ausgerufenen Ordnung niederschlug, ist also nur ein erster Schritt, dem der nächste auch allein deshalb folgen muss, weil mit Unentschieden allein der Klassenerhalt nicht zu bewältigen ist.

Gegen Graz gab es eine weitere, wichtige Erkenntnis. Und zwar, dass Hoffenheim auch bei vielen Ausfällen nicht ersatzgeschwächt ist. Mit Hamad war ein guter Spielgestalter gefunden, Rudys neues Temperament und seine Spielübersicht harmonierten exzellent mit Strobl, im Bereich der Innenverteidigung stehen ohnehin mindestens drei sehr gute Kräfte zur Verfügung – und im Angriff können Schmid, Zuber, Elyounoussi, Volland, Uth und sogar Kuranyi viel mehr, als sie bislang gezeigt haben.

Trotzdem wird es vermutlich noch zu der einen oder anderen Verstärkung kommen, wie jetzt durch den kroatischen Stürmer Kramaric – sollte sonst keiner mehr dazu kommen, ist es auch nicht so schlimm. Anders als die nachrüstenden Hannoveraner hat Hoffenheim erheblich mehr Substanz im Kader. Es dürfte ohnedies schwierig sein, viele Top-Leute hierher zu lotsen, solange die Mannschaft auf Platz 18 liegt.

normal_ug100_1762_171214Leider gehört Leverkusen fast schon zu den Angstgegnern der TSG. Und wenn die Werkself sportlich nicht die Oberhand hat, hilft ihr zur Not auch mal ein Phantomtor. Deshalb ist der Ausgang der Partie aber noch lange nicht klar. Hoffenheim muss eigentlich nur genau das machen, womit die Gegner früher die TSG entnervt haben: Gegenpressing intelligent unterbinden, gegnerische Konter vermeiden, Tempo aus dem gegnerischen Spiel nehmen bzw. in Tempo für eigene Zwecke umwandeln.

Das klingt leichter, als es getan ist. Aber wenn es per geordnetem Spiel gelingt, die Leverkusener Kontermaschinerie auszuschalten, wird die Werkself unsicher werden und Lücken für den eigenen Angriff öffnen. Wenn dann noch bessere Angriffe inszeniert werden, als in der Vergangenheit zu sehen, wenn offensiv die Ansätze aus dem Spiel gegen Graz ausgebaut werden, dann kann es durchaus zu einem Sieg über Leverkusen kommen.

normal_ug100_1762_171214So viel dazu, dass Leverkusen nicht unbesiegbar ist. Man muss sich das einfach zur Genüge klar machen, um nicht mutlos in die Partie zu gehen – als Fan wie als Spieler. Dass die Werkself in Sinsheim auch als Sieger vom Platz gehen kann, ist leider ebenfalls wahr, aber für die Mission Klassenerhalt nicht maßgeblich. Jedes der kommenden 17 Spiele muss vor allem auf seine Chancen hin bewertet werden, damit die positive Anspannung oft genug auch zu einem Sieg führt, um im Nachhinein dem Abstieg entkommen zu sein…

Der Hoffenheimblog möchte jedenfalls unbedingt so und nicht anders ins neue Fußballjahr starten und wünscht allen Lesern und Freunden, allen Spielern und Verantwortlichen, dass sie die Probleme des letzten Jahres abschütteln können und das Jahr 2016 voller Zuversicht angehen!

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius