Kein Bundesligaspiel?

Der Sky-Kommentator hat es gesagt, Huub Stevens hat es gesagt, viele Fans haben es gesagt: Das war kein Bundesligaspiel. Was sie meinten, war das scheinbar strukturlose Gekicke am Samstag in Ingolstadt. Schön anzuschauen war es tatsächlich nicht. Final zu feiern gab es auch nichts. Aber war es deshalb kein Bundesligaspiel?

Die Enttäuschung über 90 verkrampfte Minuten, in denen kaum ein Spielzug gelang, war natürlich groß. Selten hatte man öfter Gelegenheit, den Kopf zu schütteln oder sich vor die Stirn zu schlagen oder die Namen von Spielern zu rufen, die Fehlpässe spielten oder bei der  Ballannahme patzten oder sich nicht freiliefen oder einen freigelaufenen Mitspieler übersahen. Es gab unendlich viele solcher „Oders“, und Spaß gemacht hat kein einziger.

Aber was ist da wirklich geschehen in Ingolstadt? Gab es Gründe dafür, dass Hoffenheim nichts ins Spiel fand und in keiner Weise an den Auftritt gegen Gladbach eine Woche zuvor anknüpfen konnte? Der Hauptgrund ist einer, der sich in der Bundesliga tief verankert hat: Spielzerstörung. In Zeiten des schnellen Fußballs, des technisch versierten Fußballs, der athletischen Höchstleistungen haben sich manche Vereine darauf spezialisiert, das Spiel weder selbst machen zu wollen noch es per Umschaltspiel in die Hand zu bekommen, sondern rein darauf, jede Bemühung des Gegners zu torpedieren.

Dabei handelt es sich meistens um Vereine mit schlankem Budget und überschaubarem Kader, die anders im Spitzenfußball nicht überleben zu können glauben: Ingolstadt gehört dazu. Und man kann einen gewissen Respekt davor nicht versagen. Wie die Schanzer am Samstag extrem hoch angelaufen sind, wie sie im Mittelfeld und in der Defensive alle Räume zugelaufen sind und wie sie es trotzdem schafften, den Spielern der TSG permanent auf den Füßen zu stehen, das war eine taktische Glanzleistung.

Spielerischen Glanz suchte man beim Gastgeber infolgedessen vergeblich. Und die TSG war selber ebenfalls nicht in der Lage, Glanz zu verbreiten, sich aus der Strangulierung, aus der Zerstörungswut der Schanzer zu befreien, die dazu noch mit allen Tricks arbeiteten, die das Wörterbuch des hässlichen Fußballs bereithält: Simulation des Gefoultwerdens, simulierte Schmerzensschreie, simuliertes Herumwälzen, striktes Liegenbleiben. Einmal nur war das, was dabei an Spielunterbrechung und Rhythmusstörung heraussprang, wirklich gerechtfertigt. Das war, als ein genervter, frustrierter, seit Wochen seiner Form hinterherlaufender Kevin Volland Benjamin Hübners in der Luft ausgehebelt hatte.

Bei der minutenlangen Behandlung auf dem Rasen musste man die schlimmsten Befürchtungen haben. Zum Glück ist es offenbar bei minderschweren inneren Verletzungen geblieben. Die Szene war indes ein unschöner Hinweis darauf, wie extrem der Wettbewerb in der Bundesliga geführt wird – und dass auch dieses unschöne Spiel eindeutig Teil der Bundesliga war. Alles in allem hatte Hoffenheim zwar die richtige kämpferische Einstellung, aber nicht ausreichend spielerische Mittel zur Verfügung, das trickreiche, extrem bewegliche Ingolstädter Bollwerk zu knacken.

Fabian Schär hat es nach dem Spiel auf den Punkt gebracht. Es gab zu wenig Bewegung im TSG-Mittelfeld und keine gute Spieleröffnung. Dieses Hoffenheimer Manko zieht sich durch die gesamte bisherige Saison und wird immer dann gravierend, wenn es gegen Vereine wie Ingolstadt geht, die nicht mitspielen, sondern zerstören wollen, um in einer Lücke des Spiels vielleicht zum Torerfolg zu kommen. An der Einstellung hat es nicht gefehlt, aber an den Möglichkeiten, aus der guten Einstellung heraus ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Dass es ganz zum Schluss doch noch zu einem Remis gelangt hat, war dem quicklebendigen Uth zu verdanken, der für Volland gekommen war. Volland wirkte müde und ausgelaugt, enttäuscht und verdrossen, nicht zum ersten Mal. Selten noch, dass er an Gegenspielern vorbeikommt, seine Foulbereitschaft wächst mit jedem Spiel. Man kann das verstehen. Sein Verbleib in Hoffenheim hatte er an die Gewissheit geknüpft, dass hier etwas Glanzvolles aufgebaut würde.

Seine Erwartung hatten viele geteilt: Hoffenheim würde eine gute bis sehr gute Saison spielen, dachten die meisten. Im Moment, besonders beim Blick auf die Tabelle, sieht es nach dem Gegenteil aus. Die beiden nächsten Gegner, Hannover und Schalke, spielen aber einen gepflegteren Fußball als die Schanzer, so dass hier mehr und bessere Gelegenheit sein wird, an den glanzvollen Auftritt gegen Gladbach anzuknüpfen. Und an Ingolstadt haben sich schon mehr Vereine als die TSG die Zähne ausgebissen bzw. sie gezogen bekommen. Selbst wenn es noch so wehtut: auch das ist Bundesliga!

Fotos: Getty

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