In Ingolds Stadt

Warum heißt Ingolstadt eigentlich, wie es heißt? Richtig, es handelt sich dabei um die „Stätte des Ingold“, eine bedeutende historische Besitzung. Erwähnung fand sie zum ersten Mal im Jahr 806, in der sog. Reichsteilungsurkunde von Kaiser Karl dem Großen. Das ist schon eine Weile her. Fußball wird man damals noch nicht gespielt haben, allenfalls mit Kohlköpfen oder Kürbissen – der reguläre Fußball wurde schließlich erst gut 1000 Jahre später in England erfunden.

Ingolstadt, wo Hoffenheim am Wochenende antritt, hat eine bewegte Vergangenheit. Im 30-jährigen Krieg wurde dem legendären Schwedenkönig Adolf dort sein ebenso legendärer Schimmel, wie zu lesen ist, förmlich unter dem Hintern weggeschossen. Das Pferd soll bis heute als Tierpräparat im städtischen Museum anzuschauen sein. Und Tilly starb dort an einer Verwundung – nein, nicht die PRIL-Handpflegerin aus der einstigen TV-Werbung, sondern der Anführer der Katholischen Liga und militärische Widersacher von Gustav Adolf.

normal_ug_6464_271010So viel kriegerische Vergangenheit scheint aufs Spiel der Ingolstädter abzufärben. Edle Ritterspiele sind jedenfalls nicht zu erwarten, wenn die TSG kommt. Auf keinen Fall sind die „Schanzer“ ein angenehmer Zweikampfgegner – wer sich nicht wappnet, kriegt leicht eins auf die Rüstung. Mit der rauen Gangart ist Ingolstadt bisher allerdings recht erfolgreich ins Erstligaabenteuer gestartet. Am 14. Spieltag schon 19 Punkte auf dem Konto zu haben, das kann sich sehen lassen.

Den Blick auch in die fußballerische Vergangenheit zu richten, bringt wenig: Ingolstadt und die TSG sind bisher gerade dreimal zusammengetroffen, zweimal in der Regionalligasaison 2006/07 und einmal 2010 im DFB-Pokal. Aus dieser Zeit stammen einige der schönen Fotos von Uwe Grün (http://www.kraichgaufoto.de/)… Zweimal hatte Hoffe übrigens gewonnen, einmal remis gespielt. Besser also, man schaut in die Historie der aktuellen Saison, in die statistische Glaskugel.

normal_ug_7826_271010Und da bestätigt sich, was sich schon andeutete: Mit 36 gelben Karten liegt Ingolstadt hinter der beinharten Eintracht aus Frankfurt auf Platz 2 der Ruppigkeitstabelle. Bei der Anzahl der verübten Fouls sieht das ganz anders aus, hier schwimmen die Schanzer im Mittelfeld mit. Was nichts anderes heißt, als dass sie gern heftiger zulangen, wenn sie zulangen…

normal_ug061_7403_140215Das Torverhältnis von Ingolstadt spricht ebenfalls Bände. Mit nur 10 geschossenen Toren stellen die Schanzer den schwächsten Angriff der Liga, mit 14 kassierten Toren bieten sie die zweitstärkste Abwehr auf. Das lässt nur einen Schluss zu: Ingolstadt ist vorn enorm effizient, spielt generell hart und rührt hinten Beton an. Kurz gesagt wird das ein ganz anderes Spiel als gegen Gladbach. Hier sind Geduld und Durchbeißen gefragt, offensive Eleganz zählt wenig, eine Brecheisen-Mentalität wäre von Vorteil.

normal_ug075_3164_281115Der Außenverteidigung der TSG wird spielentscheidende Bedeutung zukommen. Ingolstadt geht steil über die Seiten nach vorn und sucht sein Glück in Flanken, wobei die Schanzer von rechts ungefähr doppelt so oft in die Mitte feuern wie von links (auf Kim kommt ein harter Arbeitstag zu). Das gehört zu den Spitzenwerten in der Liga, aber bei der Verwertung, den Torschüssen, hapert es. So selten wie Ingolstadt schießt sonst kaum ein Verein aufs Tor.

normal_ug143_5294_271015Den Vergleich mit Hoffenheim muss man nicht vertiefen. Was vor Huub Stevens liegt, wirft kein Licht auf die jetzige Verfassung. Und was seit seinem Amtsantritt geschah, ist noch nicht aussagekräftig. Klar ist nur, dass die TSG am Wochenende mit den Schanzern in einen harten Fight geht. Apropos, warum nennt man die Ingolstädter „Schanzer“? Weil in der Stadt vom 16. bis zum 19. Jahrhundert immer wieder enorme Schutzwälle und -bauten, also Schanzanlagen, errichtet wurden. Das hat sich in Wort und Geist offenbar tief eingeprägt.

Zur Unterstützung wurden Informationen herangezogen von:

wikipedia.de  –  ingolstadt.de  –  kicker.de  –  ran.de  –  fußballdaten.de

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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Alexander H. Gusovius