Es wurde wieder Fußball gespielt

Natürlich waren alle enttäuscht, dass die 3:1-Führung gegen Gladbach zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht für den ersten Heimsieg der Saison gereicht hat. Natürlich war es schrecklich, wieder mal einen entscheidenden Treffer, den Ausgleichstreffer, kurz vor Spielende zu kassieren. Und natürlich war es ausgerechnet Johnson, der Ex-Hoffenheimer, der diesen Treffer besorgte.

Aber dieses 3:3, wie schmerzlich es für den Augenblick auch sein mochte, ist an Wert kaum zu überbieten. Hoffenheim hat nach zwei blutleeren Spielen zurück in die Spur gefunden, Hoffenheim nimmt wieder teil am Wettbewerb. Waren im ersten Spiel unter Huub Stevens in Köln noch erste Ansätze offensiver Quirligkeit zu sehen, erstarben sie in den beiden folgenden Partien ganz und gar. Die Mannschaft hatte den neuen Auftrag zu sehr verinnerlicht, aus kontrolliertem Spiel heraus zu agieren – und war offensiv komplett zusammengebrochen.

normal_ug025_2856_281115Gegen Gladbach konnte sie diese Hemmung überwinden, die schon viel früher, noch unter Gisdol, am Mannschaftskörper zu zehren begonnen hatte. Für TSG-Herzen war es die pure Freude, ihr Team wieder mutig und schnell nach vorn spielen zu sehen, endlich auch über die Flanken. Entscheidenden Anteil daran hatte Hoffenheims Youngster Amiri, der zwei Tore vorlegte und eines selber schoss – womit mal wieder der Wert der TSG-Jugendschmiede unter Beweis gestellt und der Spirit von Hoffenheim bestätigt wurde. Zur Identifikation mit der TSG braucht es einfach Offensivaktionen!

normal_ug010_2727_281115Das weiß Huub Stevens selbstverständlich. Wie er auch weiß, dass ohne Offensivgeist niemals Tore geschossen werden. Weshalb er unter der Woche sein Training darauf ausgerichtet hatte und sich sowieso ärgert, wenn man ihn als Vertreter der fußballerischen Betonkultur missversteht, nur weil er nicht extrem hoch anlaufen lässt und den kontrollierten Umgang mit dem Ball bevorzugt. Umso größer war sein Ärger, als er auf der Pressekonferenz von einem lokalen Medienvertreter erneut auf diese Thematik angesprochen wurde.

Dass er äußerst kantig reagierte und den fraglichen Mann mehr als abrüffelte, hat wohl allerdings auch den Hintergrund, dass sich Stevens als erfahrener Trainer lieber selber ins Mediengetümmel wirft, als seine Spieler davon beeinträchtigt zu sehen. Anders gesagt zieht er durch solche verbalen Scharmützel die Medienaufmerksamkeit bewusst auf sich und verschafft der Mannschaft dadurch mehr Freiraum – den sie braucht. Im Abstiegskampf fragen die Medien wie im Erfolgsfall gern Löcher in den Bauch und tragen gewollt oder ungewollt viel zu Verunsicherungen bei.

normal_ug070_3129_281115normal_ug022_2821_281115Die aber kann Huub Stevens im Moment gar nicht gebrauchen. Hoffenheim ist jetzt zum ersten Mal ungefähr so aufgetreten, wie er sich das vorstellt. Dass es am Ende nicht für drei Punkte langte, spielt dabei fast eine Nebenrolle. Denn wenn die Mannschaft in Zukunft weiter so auftritt, wird sie sicher auch Siege einfahren und sich damit aus der Abstiegszone befreien. Die nächsten beiden Spiele, erst auswärts gegen Ingolstadt, dann zuhause gegen Hannover, sind wie dafür gemacht.

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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