Gladbach zu stark?

Hoffenheim hält im Moment die rote Laterne – das fühlt sich nicht gut an. Ob sie aber schon am nächsten Spieltag abgegeben werden kann? Die anderen Kandidaten aus Hannover, Stuttgart und Augsburg stehen immerhin allesamt vor schwer lösbaren Aufgaben: Hoffenheim allerdings auch. Mit Gladbach kommt eine Art Seriensieger nach Sinsheim, der am Mittwoch in der Champions League stark aufgespielt hat.

Immerhin – das muss man im Hinterkopf behalten –  hätte Hannover 96 am letzten Wochenende in Gladbach durchaus mehr schaffen können, als knapp zu verlieren. Mindestens ein Unentschieden wäre drin gewesen, sogar ein Auswärtssieg war möglich. Es geht also trotz aller Seriensiege etwas gegen die Fohlenelf – aber man muss dazu wohl so beherzt und offensiv auftreten wie Frontzecks Truppe… Und kann eben trotzdem noch verlieren…

normal_ug115_6964_040415Vor nicht allzu langer Zeit hat Hannover noch genauso verzagt gespielt wie jetzt Hoffenheim. Lässt sich daraus schon ableiten, dass die Wende bei der TSG bevorsteht? Natürlich nicht. Aber das Beispiel zeigt, dass die Spielerkader am Tabellenende prinzipiell konkurrenzfähig sind – woran man in Hinblick auf die TSG ohnehin nicht wirklich zweifelt.

Es ist das Zusammenspiel, die mannschaftliche Geschlossenheit, die mentale Verfasstheit, an denen es hapert. Unsere Mannschaft ist in den Grundfesten erschüttert, sie traut sich nichts und traut sich selbst nicht. Sie besteht aus 11 Einzelspielern und 22 Beinen, die nicht gut koordiniert sind. Huub Stevens muss eine neue Beschwingtheit, eine neue Harmonie in die Truppe bringen.

normal_ug040_6325_040415Aber dafür braucht es Zeit. Denn die fußballerischen Instinkte der Spieler – was vielleicht am meisten schwächt – funktionieren nicht mehr. Und solange die nicht zurückkehren, wird es auch schwer sein, das Konzept einer soliden Ordnung im Spiel von Huub Stevens erfolgreich anzuwenden. Zeit ist der vielleicht wichtigste Faktor bei der Gesundung der Mannschaft, die aber bei jedem neuen negativen Erlebnis einen heftigen Rückschlag erleidet.

Wie hoch ist die Chance, dass es am Samstag keinen weiteren Rückschlag gibt? Gladbach spielt, so viel ist bekannt, schnell und intelligent über die Seiten. Wenn es daher gelingt, mit einer guten Ordnung die Fohlen am unwiderstehlichen Galopp über den Rasen zu hindern, können sich daraus durchaus Chancen ergeben. Doch seien wir ehrlich: Um wirklich etwas zu reißen gegen Gladbach, benötigt man zum gegenwärtigen Zeitpunkt neben dem Kampfeswillen schon eine gute Portion Glück.

normal_ug062_6560_040415Und ist das Selbstvertrauen erstmal weg, braucht es dreimal mehr Kampf plus dreimal mehr Glücksangebote als sonst, um etwas daraus zu machen. Man kennt das aus dem eigenen Leben, beim Fußball ist es kein bisschen anders. Darum wäre es so wichtig, dass die Mannschaft – selbst wenn sie verlieren sollte – ein positives Gefühl mit aus der Partie nimmt.

Das ist auch für die Fans wichtig. Viele sind kurz davor, die Köpfe hängen zu lassen, schon vor den Spielen. Wird ja sowieso nix, macht ja keinen Spaß mehr, ist doch eh alles egal… So weit so falsch, außer das mit dem Spaß. Natürlich macht es keinen Spaß, mit der roten Laterne durch die Gegend zu laufen. Aber egal ist hier gar nichts – und es wird nur dann nichts aus fußballerischen Antritten, wenn man sie sowieso schlaff angeht, auch innerlich.

normal_ug103_6864_040415Langer Rede kurzer Sinn: Stand heute hat Hoffenheim gegen Gladbach am Samstag keine reelle Chance, außer sie ergreift sie. Und selbst dann ist es immer noch ein ziemlich weiter Weg bis zu einem Heimsieg. Aber den können die Mannschaft und die Fans samt den Verantwortlichen nur gemeinsam gehen – auf geht’s Hoffe! AUF GEHT’S HOFFE!

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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