Im Auge des Sturms

Und jetzt wird wieder Fußball gespielt. Gut so. Am Wochenende. In den großen Stadien. Und die TSG ist zu Gast in Berlin, bei der Hertha. Dort, in Berlin, sind sie in Sicherheitsfragen ja versiert. Die Berliner Polizei, genau wie die Security, kennt sich aus mit besonderen Lagen. Das ist beruhigend. Denn bei aller Lust darauf, dass endlich wieder normale Verhältnisse herrschen: Nach Paris und Hannover fühlt sich dieser Spieltag anders an.

Niemand wird – ob im Stadion oder am Fernseher – seine 90 Fanminuten noch so gebannt verfolgen, ohne immer wieder auch an die Gefahrenlage zu denken, die sich letzten Freitag in Paris aufgetan hat und in Hannover zum kurzfristigen Länderspielabbruch führte. Der Fußball ist unhinterfragbar ins Fadenkreuz jener geraten, die ihr vorsintflutliches Weltbild mit mörderischen Aktionen im Fernsehen weltweit plakatieren wollen.

Es ist keine Frage, dass wir dabei nicht mitmachen wollen, weder bei diesem vorsintflutlichen Wahn noch bei dessen Umsetzung als Opfer. Darum ist es wichtig und richtig, dass die Spiele stattfinden, außer natürlich, wenn eine spezielle Gefahrlage erkannt wird. Würde der Spieltag ohne das ausfallen, wäre damit bereits das erste Opfer erbracht. Und darum kann es nicht gehen. Wir lieben den Fußball, wir lieben unser freies, selbstbestimmtes Leben – beides lassen wir uns nicht nehmen und vertrauen auf die Sicherheitsorgane.

normal_ug047_8180_230515Trotzdem, man muss es zugeben, fällt es im Moment immer noch schwer, den Blick von den Tickern der Nachrichtenagenturen abzuwenden und sich ähnlich unbeschwert wie vor zwei Wochen dem kommenden Spiel zuzuwenden. Aber wir tun es – das ist unsere Form des Protests, des Widerstands, des Aufbegehrens gegen jene, die uns ins Mittelalter, in Furcht und Schrecken, in Bürgerkriege zurückbomben wollen.

Wenn am Sonntag Hoffenheim in Berlin antritt, trifft sie auf einen ganz anderen Gegner als letzte Saison. Die Hertha residiert im Moment auf Platz 4 der Tabelle, hat schon sechs Siege eingefahren und fühlt sich stark. Zurecht, denn Pal Dardai hat seiner Truppe Geschlossenheit, Spielstärke und Selbstbewusstsein eingeimpft.  Dabei ist interessant, dass die Hertha bei allen relevanten Daten nur im Mittelfeld der Bundesliga liegt: bei den Fouls, den Karten, den Zweikämpfen, den Ecken, dem Ballbesitz, den Torschüssen.

normal_ug104_8620_230515Ganz offensichtlich verfügt die Hertha also über eine enorme Ausgeglichenheit, die sich auch in der Gleichzahl der Flanken von rechts und links niederschlägt und in der geringsten Abseitsziffer der Liga. Die alte Dame aus Berlin spielt kontrolliert, also nie kopflos, sie beherrscht alle wichtigen Register und weist darum sehr wenig Angriffsfläche auf. Hoffenheim wiederum ist immer noch im Begriff, eine neue Balance zu finden und die vermehrte Ballkontrolle auch in Offensivgefahr umzumünzen.

Ob es am Sonntag schon so weit ist, wird das Spiel zeigen. Die Hertha wird die Punkte nicht leicht hergeben, aber sie öffnet durch ihren eher besonnenen Fußball durchaus Möglichkeiten, die man nutzen kann. Eigentlich ist sie ein idealer Gegner, weil sie weder mauert noch überfallartig agiert. In solchen Spielen kann man Substanz aufbauen und sich auf einem neuen Niveau einfinden.

Aber erwarten wir nicht zu viel, für die TSG ist es im Moment immer noch von größter Bedeutung, sich weiter konstant in kleinen Schritten zu verbessern. Die letzten Spiele ohne Gegentor waren da schon ein echter Fortschritt, den es festzuhalten gilt. Ach egal, möge der Knoten endlich platzen, der unsere Spieler viel zu lang schon gefesselt hält. Auf geht’s, Hoffe!

Zur Unterstützung wurden Informationen herangezogen von:

kicker.de, ran.de

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius