Was Freitagabend in Paris geschah, ist nur schwer zu begreifen. Unfassbar viele Menschen sind bei den koordinierten Terroranschlägen getötet oder verletzt worden. Und fast wäre es im „Stade de France“ zu einer noch viel größeren Katastrophe gekommen – wenn einer der Attentäter es geschafft hätte, während der Partie Frankreich-Deutschland ins Stadion zu gelangen und dort seine am Körper getragene Sprengladung zu zünden.

Es soll an dieser Stelle gar nicht erst versucht werden, die Attentate in all ihren Folgen und Gründen zu analysieren. Die nächsten Wochen und Monate, wenn nicht Jahre, werden ohnehin davon geprägt sein, die menschlichen und politischen, zivilgesellschaftlichen und militärischen Umstände auch nur annähernd zu durchdringen. Unabweisbar wahr und zutiefst traurig ist aber heute schon, dass diese fundamental-islamistischen Attentate unermessliches Leid bedeuten.

Mit dabei in Paris waren Sebastian Rudy und Kevin Volland. Letzterer kam in der Schlussphase der Partie sogar zum Einsatz – aber der Fußball wird in diesen Tagen zur Nebensache. All unsere Gefühle und Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und Freunden, bei den Überlebenden und den Hilfskräften.

Das Spiel am Dienstag in Hannover hat der DFB trotzdem nicht abgesagt. Der deutsche und der holländische Fußballverband wollen diese freundschaftliche Begegnung jedoch nicht aus sportlichen Gründen austragen. Sie sind vielmehr geeint im Willen, ein Zeichen gegen die menschenverachtende Brutalität der Anschläge in Paris zu setzen und sich mit Frankreich sichtbar zu solidarisieren.

Diese barbarische Attacke, die sich im Kern gegen die freiheitlichen Lebensformen der gesamten westlichen Wertegemeinschaft richtet, soll und darf nicht obsiegen. Dazu gehören Mut und Entschlossenheit, denn trotz umfangreichster Sicherheitsvorkehrungen wird ein Restrisiko bleiben, dem auch das Bundeskabinett unter der Leitung der Bundeskanzlerin durch die Anwesenheit im Stadion nicht ausweicht.

Der Fußball ist zur Zielscheibe geworden. Jetzt wird er zu einer Manifestation der Solidarität, des Festhaltens an unseren Werten und einer freiheitlichen Zukunft. Es steht dem Fußball gut an, den Tagen tiefer Bestürzung zunächst Unerschrockenheit und Ernst, späterhin auch wieder Fröhlichkeit und Zuversicht entgegenzustellen.

Foto: dpa

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Alexander H. Gusovius