Querpassdilemma

Rückpässe gab es nicht wenige am Samstag in Sinsheim, aber vor allem die vielen Querpässe waren schwer zu verdauen. Und die gefährlichen Pässe nach vorn blieben meist aus: Hoffenheim spielte gegen die Eintracht mehr als verhalten und orientierte sich weitestgehend defensiv. Die Mannschaft stand generell tief und agierte offensiv mehr oder weniger wirkungslos.

Damit war auch Huub Stevens nicht zufrieden, der im Training anderes und mehr von seinem Team gesehen hatte, wie er auf der Presskonferenz nach dem Spiel sagte. Womit gleich klar wurde, dass die Mannschaft mit den vielen Querpässen nicht etwa den Wünschen ihres Trainers nachgekommen war, sondern aus anderen Gründen so gespielt hatte.

normal_ug050_6994_071115Und welche Gründe waren das? Darüber kann man nur spekulieren. Immerhin scheint es auf der Hand zu liegen, dass die Abkehr vom überfallartigen Pressing der Marke Gisdol nicht über Nacht zu bewerkstelligen ist. Jedenfalls wirkten die vielen Querpässe der TSG so, als wollte man den riskanten, schnellen Pass nach vorn tunlichst vermeiden, um den Ball erst bei besserer Aussicht auf offensives Glück in die Spitze zu geben. Nur dass sich diese besseren Aussichten nicht so einfach einstellten. Je länger der Ball quer und nach hinten lief, desto weniger.

Kein Wunder. Die Eintracht aus Frankfurt hatte auf diese Weise alle Zeit der Welt, sich defensiv gut zu sortieren. Spätestens nach dem dritten oder vierten Querpass war dort, in der Frankfurter Defensive, jegliche Bewegung zum Stillstand gekommen und das Hoffenheimer Offensivpotential wirkungsvoll entschärft. In Köln hatte die TSG ähnlich taktiert und die riskanten, meist beim Gegner landenden, schnellen Bälle nach vorn auch schon vermieden, dafür aber vor allem in der ersten Halbzeit gute Kombinationen durchs Mittelfeld gezeigt. Gegen Frankfurt war davon wenig zu sehen, was aber auch am Gegner lag, der sich mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung präsentierte und die defensiven Räume eng hielt.

normal_ug048_6983_071115Umgekehrt gelang das viel weniger. Frankfurt ging öfters durchs Hoffenheimer Mittelfeld fast schon spazieren, kaum bedrängt, weil die offenen Räume den Zugriff massiv erschwerten. Die TSG hatte Glück, dass dabei kein Tor für die Eintracht heraussprang – und hatte Oliver Baumann im Tor, der als bester Hoffenheimer etliche Großchancen entschärfte. Aber die TSG war diesmal auch im Schiedsrichterglück. Bei einem Abseitstor der Eintracht, das nicht gegeben wurde, handelte es sich gar nicht um Abseits. Und als Kim im Strafraum Hasebe am Knöchel traf und zum Fallen brachte, blieb der fällige Pfiff aus.

normal_ug015_6650_071115Unterm Strich steht ein Punkt, der zwar glücklich ist, aber nicht froh machen kann – und die sichere Erwartung, dass die vielen Querpässe nicht stilbildend sein werden für die Zukunft. Huub Stevens will die Mannschaft anders spielen sehen, und die Mannschaft selber will das natürlich auch. Nur dauert es eben eine Weile, bis sie die alten Strukturen gegen neue eingetauscht hat und aus der neuen Ballsicherung heraus zu einer anderen offensiven Kreativität findet als früher. Die Verunsicherung, die jetzt noch mit Händen zu greifen ist, kann anscheinend nur Schritt für Schritt weggearbeitet werden. Im Augenblick überwiegen noch die Nachteile der Vermischung von altem und neuem Spielsystems. Aber das kann sich bald ändern, etwas Geduld vorausgesetzt…

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

Deine Meinung zum Artikel: