Hamburg, meine Perle

Freitagabend, Flutlicht in Sinsheim. Zu Besuch der HSV, wiedererstarkt unter Trainer Labbadia, ohne schon Bäume auszureißen. Gastgeber Hoffenheim als Tabellenvorletzter aber muss genau das genau jetzt tun – Bäume ausreißen. Nach mageren sechs Punkten aus neun Spielen und einem einzigen Auswärtssieg kann nichts anderes als ein überzeugender Heimsieg die Moral entscheidend heben.

Um die hanseatische Muschel zu knacken und an die schimmernde Siegperle heranzukommen, war in der Vergangenheit meist nicht viel nötig. Der letzte Hamburger Auswärtssieg in Sinsheim liegt immerhin gut zwei Jahre zurück – allerdings war es um Hoffenheim damals schlecht bestellt, es ging um den Abstieg. Die Tabellenkonstellation ist diesmal ähnlich, allerdings ist die Saison noch halbwegs jung, während es im Mai 2013 schon ums Eingemachte ging.

normal_ug073_2740_140315Mit dem HSV reist ein Verein aus dem unteren Mittelfeld an. Die Truppe ist unter Labbadia gereift, spielt konzentrierter und hat zuletzt Leverkusen ein Remis abgetrotzt. Drei Siege stehen vier Niederlagen gegenüber, zweimal gab es ein Unentschieden. Hoffenheim dagegen hat erst einmal gewonnen und dreimal unentschieden gespielt, während bereits fünf Partien verloren gingen, zuletzt in Wolfsburg.

Kann Trainer Gisdol das Ruder herumwerfen? Was spricht dafür, was dagegen? Ohne statistische Werte zu bemühen, sind die Hoffenheimer Schwächen unübersehbar: Abschlussprobleme, Mängel im Kreieren von Chancen, Abstimmungsprobleme und fehlende Anbindung im Mittelfeld, Konzentrationsdefizite in der Abwehr, besonders kurz vor Spielende, taktische Engführung mit Pressing, auf gegnerischen Ballbesitz ausgerichtet.

normal_ug135_3190_140315Der HSV wird jedoch Hoffenheim nicht den Gefallen tun, wie in alten Zeiten an die eigene Spielstärke zu glauben und sich messerscharfe Konter einzufangen. Sondern die Hanseaten werden massiert tief stehen und selber kontern wollen, über Lasogga oder den heimkehrenden Schipplock. Die TSG muss das zu erwartende Bollwerk also aufbrechen, am besten vermutlich über die Flügel – nicht gerade eine der profiliertesten Spielbereiche der TSG. Sie müsste dazu auch mit einem echten Mittelstürmer antreten, mit Uth oder Kuranyi.

normal_ug087_0983_140315Umgekehrt der HSV, der ungefähr doppelt so oft Flanken von links und von rechts schlägt wie Hoffenheim. Bei Eckbällen liegt das Verhältnis fast entgegengesetzt, der HSV verzettelt sich also nur selten auf den Flanken, sondern sucht schnell mit langen Bällen die Sturmmitte. Dass der HSV insgesamt deutlich weniger oft trifft als die TSG, aber fünf Punkte mehr auf dem Konto hat, beweist seine defensive Effizienz, denn die Hamburger lassen auch deutlich weniger Tore zu als die TSG.

Durch die Mitte, Hoffenheims Lieblingszone, wird es also schwer werden. Die Räume werden eng sein, die Hamburger Zweikampfwerte liegen erheblich über den Werten der TSG. Viel wird also davon abhängen (falls die kämpferische Einstellung stimmt), wer mehr Spielglück hat – irgendwie eine schreckliche Perspektive, man möchte dieses Spiel, das über sehr viel entscheidet seitens der TSG, eigentlich nicht in den Händen von Fortuna wissen.

normal_ug029_2468_140315Trotzdem ist das noch kein Schicksalsspiel. Dafür ist die Saison einfach noch nicht alt genug – und selbst im Mai 2013, als der HSV zum letzten Mal in Sinsheim gewann, wies die Niederlage der TSG keinen Schicksalsweg. Das eigentliche Schicksalsspiel damals kam erst noch, gegen Dortmund, und wurde gewonnen. Aber machen wir uns nichts vor. Die sportliche Entwicklung gibt Anlass zu ernster Sorge, Niederlagen passen nicht mehr zur näheren Zukunft. Und darum gilt am Freitag noch dreimal mehr, was immer gilt: Auf geht’s Hoffe, kämpfen und siegen!

Zur Unterstützung wurden Informationen herangezogen von:

kicker.de – ran.de – fußballdaten.de

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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